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Banken : Einlagen bei der EZB auf Rekordhöhe

Für die Übernachteinlagen zahlt die EZB einen Zins von 0,25 Prozent. Bild: DPA

Die Übernachteinlagen erreichen mit 452 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Ein Krisenindikator - er offenbart fehlendes Vertrauen der Banken untereinander.

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          Europas Banken haben so viel überschüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geparkt wie noch nie. Am Mittwoch teilte die Notenbank mit, dass die Einlagenfazilität vor Weihnachten knapp 452 Milliarden Euro betragen hat. Dies ist der höchste Stand bislang.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Vortag waren es noch 412 Milliarden Euro gewesen. Das alte Rekordhoch stammt vom 11. Juni 2010, als 384 Milliarden Euro erreicht worden waren. In der Einlagenfazilität parken die Banken überschüssige Liquidität über Nacht. Ihre Höhe ist ein Krisenindikator, weil sie anzeigt, dass die Institute lieber einen Zinsverlust in Kauf nehmen, als die Mittel am Geldmarkt an Wettbewerber zu verleihen. Dort verharrt die Risikoprämie, also die Differenz zwischen dreimonatigen Ausleihungen (Euribor) und sicheren Übernachtkrediten (Eonia) mit 1 Prozentpunkt auf einem fünf Mal so hohen Niveau wie zu normalen Zeiten.

          Für die Übernachteinlagen zahlt die EZB einen Zins von 0,25 Prozent. Die Banken haben sich die Mittel zuvor über Offenmarktgeschäfte, bei denen sie Wertpapiere als Sicherheit hinterlegen müssen, zum Leitzins von 1 Prozent besorgt. Sie nehmen also einen Zinsverlust in Kauf, weil ihnen die Risiken am Geldmarkt zu hoch sind. Seit der Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise ist die Einlagenfazilität im zweiten Halbjahr kontinuierlich gestiegen. Banken aus den Kernländern der Europäischen Währungsunion horten dort ihre Liquidität, weil sie den Instituten aus den Krisenländern wie etwa Italien, Spanien, Portugal und Griechenland misstrauen. Die Institute aus diesen Ländern sind fast ausschließlich auf die Finanzierung durch die EZB angewiesen.

          Kreditklemme wird wahrscheinlicher

          In Notenbankkreisen wird das neue Rekordhoch der Einlagenfazilität aber eher gelassen gesehen. Denn der Anstieg sei im Wesentlichen auf den Dreijahres-Tender in der vergangenen Woche zurückzuführen. Vor einer Woche hatte die EZB den Banken zur Überbrückung ihres Liquiditätsengpasses erstmals ein über drei Jahre laufendes Offenmarktgeschäft angeboten. Dieses wurde mit 489 Milliarden Euro in Anspruch genommen, so viel wie noch nie in einem Offenmarktgeschäft zuvor. Diese üppige zusätzliche Liquidität hätten die Banken aber vor Weihnachten nirgendwo anders anlegen können, sagten Notenbanker. Es sei zu erwarten gewesen, dass diese Mittel zunächst in die Einlagenfazilität flössen.

          Insgesamt stellt die EZB über sämtliche Tendergeschäfte den Banken derzeit 724 Milliarden Euro zur Verfügung. Da in der vergangenen Woche Offenmarktgeschäfte über 234 Milliarden Euro ausliefen und die Banken 45 Milliarden Euro aus dem Ein- in den Dreijahres-Tender umschichteten, reduziert sich der erfolgte Nettozufluss von 489 auf 210 Milliarden Euro. In Notenbankkreisen gibt es die Hoffnung, dass die Einlagenfazilität in den kommenden Wochen wieder zurückgeht. Doch schon im Februar steht das nächste Dreijahresgeschäft an. Sollte die Einlagenfazilität bis dahin nicht zurückgehen und weiter auf dem hohen Niveau von 300 bis 400 Milliarden Euro bleiben, dann könnte dies ein Indiz dafür sein, dass die Geldschwemme der EZB nicht im Wirtschaftskreislauf ankommt und eine Kreditklemme gerade im Süden Europas immer wahrscheinlicher wird.

          Banken aus Italien sollen bei dem Dreijahresgeschäft 116 Milliarden Euro abgerufen haben, spanische Institute zwischen 50 und 100 Milliarden Euro. Die spanischen Banken wollen die Mittel zur Bedienung von Schuldtiteln verwenden, die kommendes Jahr fällig werden. Das sind insgesamt 130 Milliarden Euro. Nach Schätzung von Goldman Sachs werden 2012 Anleihen europäischer Banken über 780 Milliarden Euro fällig. Allein im ersten Quartal müssen Institute aus dem Euroraum 220 Milliarden Euro tilgen.

          Die angespannte Lage auf dem Geldmarkt zeigt sich auch an der Inanspruchnahme der Spitzenrefinanzierungsfazilität. Für die Übernachtausleihung müssen die Banken den hohen Zins von 1,75 Prozent zahlen. Dieser Notkredit der EZB wurde trotz des Dreijahres-Tenders vor Weihnachten mit 6,1 Milliarden Euro abgerufen. Das ist deutlich mehr als der Durchschnittswert im Jahresverlauf von 1,7 Milliarden Euro. Die Spitzenrefinanzierungsfazilität war von den europäischen Banken im Februar ungewöhnlich stark mit 17 Milliarden Euro beansprucht worden.

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