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Bank von Japan : Gegen die Kritiker des Negativzinses

Ernste Gesichter: Sitzung der Bank of Japan in Tokio Bild: Imago

Die Bank von Japan überprüft ihre Geldpolitik. Ihr Leiter Kuroda findet, die Japaner seien noch zu sehr an Deflation gewöhnt. Das Wachstum ist wacklig.

          Der Gouverneur der Bank von Japan, Haruhiko Kuroda, liebt es, die Finanzmärkte zu überraschen. Die drastische Ausweitung der Anleihekäufe im Herbst 2014 und die Einführung negativer Zinsen im Januar dieses Jahres inszenierte Kuroda als Schock, um die geldpolitische Überzeugungskraft zu verstärken. Vor der zweitägigen Sitzung der Bank, die an diesem Dienstag beginnt, sind die Händler vor einem Schock gefeit. Schon im Juli kündigte die Bank von Japan an, ihre Geldpolitik grundlegend zu überprüfen. Unsicherheit und Spekulation richten sich aber darauf, was genau die Notenbank unternehmen wird.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Zeitpunkt für eine Analyse der Geldpolitik ist nicht zu früh gewählt. Seit April 2013 kauft die Bank in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere, um der japanischen Wirtschaft die Deflation auszutreiben. Einen gewissen Erfolg kann die Bank sich dabei zugute schreiben. Das allgemeine Preisniveau sinkt derzeit zwar wieder, als Folge fallender Energiepreise und des aufgewerteten Yens.

          Doch in einer detaillierteren Betrachtung weist der Verbraucherpreisindex seit fast drei Jahren moderat steigende Preise aus, rechnet man die besonders stark schwankenden Preise für Lebensmittel und Energie heraus. So eine lange Zeit solcher Kerninflation gab es zuletzt in den späten neunziger Jahren.

          Ziel verfehlt

          Dennoch hat Kuroda sein Ziel verfehlt, innerhalb von zwei Jahren die Inflationsrate auf etwa 2 Prozent zu treiben. Die Bank rechnet damit nun frühestens 2017 oder 2018. Zugleich hat der Yen seit Einführung der Negativzinspolitik entgegen den Erwartungen deutlich aufgewertet, der Nikkei-Aktienindex hat seit Jahresbeginn 13 Prozent an Wert verloren. Das schwache Wachstum ist wackelig. Das ist nicht das positive Aufschwungsszenario, das die Zentralbank mit ihrer expansiven Geldpolitik herbeiführen will. Kuroda hält die Deflationsmentalität der Japaner noch nicht für gebrochen. Er macht das daran fest, dass die Inflationserwartungen der Verbraucher immer noch durch die vergangene Preisentwicklung und nicht durch die künftige Inflation bestimmt seien.

          In Umfragen erwartet rund die Hälfte der befragten Analysten, dass die Notenbank mit dem Entscheid am Mittwoch ihre Geldpolitik weiter lockern will. Die meisten anderen rechnen mit einer weiteren Lockerung in den kommenden Wochen oder Monaten. Die geldpolitische Entscheidung kommt zu einer Zeit, in der die Regierung in Tokio mit einem groß angelegten fiskalischen Stimulus die Konjunktur beleben will. Kuroda kündigte Anfang dieses Monats an, dass die Notenbank die geldpolitische Lockerung nicht verringern werde. Ansonsten aber hält er sich alle Optionen offen, von der Ausweitung der Käufe von Staatsanleihen oder privater Wertpapiere über die weitere Senkung des Negativzinses von derzeit 0,1 Prozent bis hin zu nicht näher beschriebenen neuen Instrumenten. Ausgeschlossen hat die Bank von Japan allein das sogenannte Helikoptergeld, weil eine direkte und dauerhafte Finanzierung der Regierung durch die Geldpresse in Japan verboten ist.

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