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Großbritannien : Notenbankchef: Höhere Inflation ist okay - Anleihekurse fallen

  • Aktualisiert am

Hat nach dem Brexit-Entscheid den Kurs gelockert: Britanniens Notenbank-Chef Mark Carney Bild: AP

Die britische Notenbank strebt 2 Prozent Inflation an. Nun sagt ihr Chef, dass es auch mehr sein können. Die neue Premierministerin dürfte „not amused“ sein.

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          Die Kurse britischer Staatsanleihen fallen, die Rendite von Titeln mit zehnjähriger Laufzeit steigt auf den höchsten Stand seit dem Austritts-Referendum. Zwar liegt sie mit 1,1 Prozent nur etwas höher als am Donnerstag; allerdings dürfte die vermutliche Ursache auch politischen Sprengstoff bergen, denn: Der britische Notenbank-Chef Mark Carney will mit Blick auf die Inflationsrate salopp gesagt offenbar ein Auge zudrücken.

          Die Bank of England (BoE) sei bereit, die Teuerung etwas über das von ihr mittelfristig avisierte Ziel von zwei Prozent hinausschießen zu lassen, sagte Carney an diesem Freitag in Nottingham. Im August lag die Rate mit 0,6 Prozent ohnehin noch merklich niedriger. Aber der seit dem Austritts-Entscheid gesunkene Außenwert der britischen Währung verteuert Importe auf die Insel - uns sorgt für sich genommen eher für wachsenden Preisdruck. Dies gilt insbesondere auch für Energie.

          Streit mit der Regierungschefin?

          Seit dem Brexit-Votum hat das Pfund gegenüber dem Dollar rund 18 Prozent Kursverlust verzeichnet. Manche Bankenökonomen sagen für Ende des Jahres 2017 nun Inflationsraten zwischen drei und vier Prozent voraus. Auch Notenbank-Chef Carney rechnet offenkundig mit steigenden Preisen auf breiter Front: „Das Inflationsumfeld wird sich ändern.“

          Steigende Preise werden seiner Meinung insbesondere den sozial schlechter gestellten Briten das Leben erschweren. Doch sei es nicht die Aufgabe der Notenbank, ein Ziel für den Währungskurs zu sichern. Allerdings sei ihr der Pfund-Kurs auch nicht gleichgültig, betonte der aus Kanada stammende Geldpolitiker.

          Vor dem am 3. November anstehenden Zinsentscheid der britischen Notenbank hat sich die neue Premierministerin Theresa May schon einmal in die Diskussion eingemischt und darauf gedrungen, dass die Währungshüter die Geldpolitik straffen. Sie warnte vor negativen Nebenwirkungen der „Krisenmedizin“ und verwies darauf, dass insbesondere Sparer durch die Nullzinspolitik schlechter gestellt seien.

          Die Briten hatten sich am 23. Juni mehrheitlich dafür entschieden, der EU den Rücken zu kehren. Um die Konjunktur nach dem Referendum anzukurbeln, hat die Bank of England wiederum im August die Leitzinsen auf 0,25 Prozent verringert. Zudem stockte sie ihre Staatsanleihenkäufe um 60 Milliarden auf 435 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 514 Milliarden Euro) auf.

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