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Banco Espírito Santo : Portugal teilt Gläubiger in zwei Klassen

Besitzer vorrangiger Anleihen müssen nicht haften. Bild: AP

Nur Besitzer von Aktien und Nachranganleihen haften für Verluste des Banco Espírito Santo. Der neue europäische Mechanismus zur Abwicklung maroder Banken tritt erst 2016 in Kraft.

          Er ist noch nicht in Kraft und deshalb kommen die Investoren in vorrangige Anleihen der portugiesischen Banco Espírito Santo (BES) ungeschoren davon. Denn der künftige Abwicklungsmechanismus, also die Regeln wie eine marode Bank abgewickelt werden muss, tritt in der EU erst im Jahr 2016 in Kraft. Die gesunden Teile der BES wandern in eine neue Bank, die mit 4,9 Milliarden Euro Eigenkapital des portugiesischen Bankenabwicklungsfonds ausgestattet wird. Dagegen werden die riskanten und ausfallgefährdeten Kredite und Wertpapierbestände in eine Abwicklungseinheit überführt, für die zunächst die Aktionäre haften. Danach werden die Gläubiger von Nachranganleihen in Anspruch genommen. Nachranganleihen sind Schuldtitel die zwischen Eigenkapital (Aktien) und klassischem Fremdkapital (Verbindlichkeiten) rangieren. Sie gibt es in Form von Hybridanleihen oder Genussrechten. Sie haben ein höheres Ausfallrisiko als klassische Anleihen, die vorrangig unbesicherten Titel. Wegen ihres größeren Risikos werden Nachranganleihen höher verzinst.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So trägt die bis November 2023 laufende BES-Nachranganleihe über 750 Millionen Euro einen Zinskupon von 7,125 Prozent. Dagegen hat die vorrangige BES-Anleihe, die im Januar 2014 im Volumen von 750 Millionen Euro begeben wurde und nach fünf Jahren fällig wird, nur einen Zinskupon von 4 Prozent. Dieser Titel notierte am Dienstag bei knapp 99 Prozent des Nominalwertes. Dagegen wird die Nachranganleihe nur noch mit weniger als 14 Prozent bewertet. Das bedeutet, dass die Forderung von einem Euro am Markt 0,14 Euro wert ist.

          Nach dem künftigen EU-Abwicklungsregime müssen zunächst die Aktionäre haften. Dann kommen die Nachranganleihen und danach die vorrangigen Anleihen. Auch die Sparer, wenn sie bei der Bank Kontoeinlagen von mehr als 100.000 Euro – bis dahin reicht die gesetzliche Garantie – haben, können herangezogen werden. Zunächst müssen so 8 Prozent der Bilanzsumme abgedeckt werden, dann haftet der von den Banken gespeiste Abwicklungsfonds und am Schluss der Steuerzahler. Das Besondere an der BES-Rettung ist die Tatsache, dass das Kapital der gesunden Bank überwiegend aus Mitteln des Rettungspaketes über 78 Milliarden Euro stammt.

          Dieses Paket haben die Euroländer und der Internationale Währungsfonds im Jahr 2011 geschnürt, um Portugal vor dem Bankrott zu bewahren. Damit bleibe der portugiesische Steuerzahler in der BES-Rettung unbelastet, schreibt ING-Analyst Anthony Baert. Deshalb dürfte seiner Ansicht nach die Auswirkung auf die Finanzlage des portugiesischen Staates begrenzt bleiben. Jedoch gerieten die Kurse der Staatsanleihen Portugals am Dienstag unter Druck. Die Rendite in der zehnjährigen Laufzeit stieg von 3,57 auf 3,67 Prozent. Aber auch die Risikoaufschläge anderer Euro-Krisenländer wie Italien und Spanien zogen an, nachdem die Analysten von Goldman Sachs Peripherieanleihen skeptisch beurteilt hatten. Sie sehen das Ende der Rally näher rücken.

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