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Baltische Staatsanleihen : Mehr als zehn Prozent Rendite

  • Aktualisiert am

Bild: Swedbank

Die baltischen Staaten stehen wirtschaftlich unter Druck. In Lettland und Litauen droht in diesem Jahr die Wirtschaft um rund zehn Prozent zu schrumpfen. Doch die Risiken führen bei den Staatsanleihen der Länder zu hohen Renditen.

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          Das Baltikum zählte in den vergangenen Jahren zu den wachstumsstärksten Regionen der Welt. Doch das ist längst Schnee von Gestern. Heute zahlen die kleinen Volkswirtschaften der Gegend die Zeche für vorherige Überhitzungserscheinungen.

          So rechnet die Ratingagentur Fitch in diesem Jahr mit einem Schrumpfen der lettischen Wirtschaft um zwölf Prozent und einem Minus in Estland und Litauen von jeweils zehn Prozent. Speziell mit Blick auf Lettland, das bereits auf Hilfe vom Internationalen Währungsfonds angewiesen war, kursieren auch immer wieder Gerückte über einen drohenden Staatsbankrott.

          Diese Probleme finden ihren Niederschlag in der Entwicklung der Kreditwürdigkeit. Jüngst hat Fitch die Bonitätsnoten der drei baltischen Staaten wegen der schlechten Konjunkturaussichten gesenkt. Das langfristige Emittentenausfallrating in Fremdwährungen von Estland, Lettland und Litauen wurde um eine Stufe auf „BBB+“, „BB-“ und „BBB“ gesenkt. Auch die Langfristratings in den Lokalwährungen und die Kurzfristratings der Länder wurden zurückgenommen. Selbst der Ausblick für die baltischen Staaten bleibt negativ.

          Noch ist kein Ende der wirtschaftlichen Krise in Sicht

          Die schwache konjunkturelle Verfassung und die stark steigende Arbeitslosenzahlen (die Swedbank veranschlagt die Arbeitslosenquoten in 2009 für Estland auf 11,5 Prozent, für Lettland auf 17,0 Prozent und für Litauen auf 14,5 Prozent) dürften es schwierig werden lassen, die Haushaltsziele zu erreichen, heißt die Begründung. In Lettland seien deutlich steigende Haushaltsdefizite zu befürchten. Die Lage wird verkompliziert durch die Tatsache, dass die Währungen der drei Staaten an den Euro gekoppelt sind, während sich viele Privathaushalte in den vergangenen Jahren stark in Euro verschuldet haben.

          Zusammen gefasst steckt die Region in einem ziemlichen Schlamassel. Kurzfristig istnoch keine Besserung in Sicht. Das spiegelt sich natürlich auch am Anleihemarkt wider. Im Gegensatz zu sonstigen Anleihen aus der Region Osteuropa sind die Risikoaufschläge in den vergangenen Wochen nicht wieder gesunken. Sie bewegen sich nach wie vor auf historisch hohen Niveaus.

          Die Renditen reichen bis 11,17 Prozent

          So bringen es die drei litauischen Euro-Staatsanleihen (Isin XS0147459803, Laufzeit bis 10.05.2012, Isin XS0212170939, Laufzeit bis 10.02.2016, Isin XS0327304001, Laufzeit bis 07.02.2018) auf Renditen von 8,00, 10,26 und 10,65 Prozent. Bei den beiden lettischen Euro-Staatsanleihen (ISIN: XS0189713992, Laufzeit bis 02.04.2014, ISIN: XS0350977244, Laufzeit bis 05.03.2018) belaufen sich die Renditen auf 10,71 und 11,17 Prozent. Die Renditeaufschläge gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen bewegen sich damit zwischen 620 und 836 Basispunkten.

          Das ist angesichts der tiefen Zinsen weltweit viel. Allerdings müssen die hohen Renditen ins Verhältnis zu den hohen Risiken gesetzt werden. Hohe Renditen sind als Zitterprämien zu werten. Wer Staatsbankrotte nicht ausschließt, der lässt sich natürlich von den optisch hohen Renditen nicht aus der Reserve locken. Wer jedoch daran glaubt, dass Institutionen wie der IWF, die Weltbank und die EU schon dafür sorgen werden, dass Staatspleiten in Osteuropa ausbleiben, der kann im Baltikum auf „Zinsjagd“ gehen.

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