https://www.faz.net/-gv6-8l10j

Verbot von Bonitätsanleihen : Unangenehme Überraschung für Kreditwirtschaft

Post für die Bafin in Bonn Bild: Reuters

Die Finanzaufsicht Bafin will ein Produkt verbieten, in das Privatanleger 6 Milliarden Euro investiert haben. Die Bankenverbände fragen sich, wo der mündige Bürger bleibt.

          Das geplante Verbot von Bonitätsanleihen durch die Finanzaufsicht Bafin stößt auf Kritik der Deutschen Kreditwirtschaft. Die Dachorganisation der deutschen Bankenverbände sieht dadurch das Leitbild des Anlegers als mündigen und eigenverantwortlich handelnden Bürgers in Frage gestellt.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Ein Produktverbot müsse stets der letzte Pfeil im Köcher der Aufsicht sein, wenn alle anderen Maßnahmen versagt haben. Insofern sei es überraschend, dass die Bafin nun erstmals eine ganze Produktgattung, in der Privatanleger etwa 6 Milliarden Euro angelegt haben, verbieten will. „Eines solchen Überraschungsmoments hätte es aus Sicht der Deutschen Kreditwirtschaft nicht bedurft“, heißt es in der Stellungnahme an die Bafin, die bis Freitag Zeit für Äußerungen zu dem Thema gegeben hatte.

          Es sei unstrittig, dass nicht jedes Finanzprodukt zu jedem Anleger passe, aber ein Produkt dauerhaft und pauschal für alle Anleger unabhängig von deren Kenntnissen und Erfahrungen zu sperren sei mit einem eigenverantwortlichen Anlegerleitbild nicht zu vereinbaren. Den Anlegern werde die Freiheit genommen, so zu handeln, wie sie es für richtig halten.

          Bei Bonitätsanleihen erhält der Anleger regelmäßige Zinszahlungen, solange das Unternehmen, auf das sich die Anleihe bezieht, ebenso zahlungsfähig bleibt wie die Bank, die das Finanzprodukt herausgibt. Es handelt sich dabei um sogenannte strukturierte Wertpapiere, also Zertifikate, mit denen Anleger gleichsam auf die Bonität und künftige Kreditereignisse von einem oder mehreren Unternehmen oder Staaten wetten können.

          Kreditereignisse sind etwa die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners oder wenn dieser andere Finanzschulden nicht bedient oder umschuldet.

          So hat etwa die Deka Bank 2012 eine Anleihe auf die Kreditwürdigkeit des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS begeben. Solange in Toulouse alles glatt läuft, erhalten die Anleger in diesem Fall jährlich 3 Prozent Zinsen. Zurückgezahlt wird die Anleihen planmäßig im Oktober 2017. Derzeit rentiert die Anleihe mit 0,53 Prozent. Das zeigt, dass die Papiere durchaus beliebt sind.

          Die Bafin argumentiert aber, die Wertpapiere seien für Privatanleger zu komplex; diese könnten nicht bewerten, wie groß die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung des Anlagebetrages ist und ob das Risiko angemessen vergütet werde. Auch der Begriff wird für irreführend gehalten, da es keine Anleihen seien. Institutionelle Anleger hätten für Wetten auf Bonitätsrisiken zudem Möglichkeiten mit attraktiverer Rendite.

          Die Anlageklasse ist in den vergangenen drei Jahren gewachsen, weil sie etwas höhere Verzinsungen verspricht als Tagesgeldkonten oder Sparbücher. Zu Ausfällen oder Klagen von Anlegern ist es nicht gekommen. Nach Auswertung der Stellungnahmen wird die Bafin entscheiden, ob sie die Produkte tatsächlich verbietet. Der Deutsche Derivate Verband (DDV) würde gegen ein Verbot Widerspruch einlegen und die Sache gerichtlich entscheiden lassen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor dem Start der siebzehnten Vogtland-Veteranenrallye.

          AKK und Maaßen in Sachsen : Er war schon vor ihr da

          Annegret Kramp-Karrenbauer macht im sächsischen Vogtland Wahlkampf. Auch Hans-Georg Maaßen war dort schon für die CDU unterwegs – und sorgte dafür, dass für den Bundestagsabgeordneten Heinz eine Welt zusammenbrach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.