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Auswirkungen der Inflation : Die Enteignung der Sparer

Wenn die Zinsen von der Inflation gefressen werden, bleibt wenig übrig in der Kasse des Sparers Bild: ddp

Sichere Anleihen bringen kaum noch Zinsen und werden aufgefressen von der Inflation. Dem Staat ist es recht: Seine Schulden schrumpfen unauffällig.

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          Der Internationale Währungsfonds hat schon 2010 kein Blatt vor den Mund genommen. Vier Prozent Inflation, sei das wirklich so viel schlimmer als zwei Prozent, fragte der Chefökonom Olivier Blanchard in einem höchst umstrittenen Denkpapier.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor allem deutsche Ohren zuckten damals zusammen. Jeder Anschein von Geldentwertung verunsichert die Menschen hierzulande - sie fühlen sich sofort an die Hyperinflation der dreißiger Jahre erinnert. Blanchard stellte mit seinem Papier nicht weniger als einen dreißig Jahre alten Konsens in Frage, nach dem Notenbanken in erster Linie die Inflation niedrig halten sollen.

          Die Idee höherer Inflation hat seitdem immer mehr Anhänger gewonnen, unter anderen bekannte Ökonomen wie Paul Krugman. Aber vor allem unter Politikern, die unter den hohen Schulden in ihren Länder leiden. Denn eine höhere Inflation ist ein vergleichsweise angenehmer Weg, die Schuldenlast zu drücken.

          Die unauffällige Senkung der Staatsschulden

          Sie ist unauffälliger als etwa ein Schuldenschnitt, wie ihn gerade Griechenland vorgenommen hat. Der sorgt für Angst an den Finanzmärkten und Unruhen im Land, denn Sparer werden auf einen Schlag um einen Großteil ihrer Ersparnisse gebracht. Auch harte Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen sind viel schwieriger durchzusetzen, denn sie führen unweigerlich in die Rezession. Steigende Arbeitslosigkeit und weniger Sozialausgaben gefährden dann die Wiederwahl der Regierenden.

          Sie können daher einer schleichenden Entschuldung über höhere Inflation einiges abgewinnen. Dabei drückt die Schuldenlast durch eine hohe Geldentwertung jedes Jahr real - also unter Berücksichtigung der Preissteigerungen - etwas weniger schwer. Denn die Steuereinnahmen steigen mit. Eine Milliarde Euro Schulden ist dann immer leichter zu bedienen. Dieser Weg vermeidet das Chaos: Es drohen keine Bankenzusammenbrüche und keine Unruhen auf den Straßen.

          Diese unauffällige Senkung der Staatsschulden gelingt allerdings nur, wenn die Zinsen für Staatsanleihen, die diese Schulden finanzieren, unter der Inflationsrate bleiben. Sonst würden zu hohe Zinsausgaben des Staates den Vorteil der Entwertung kompensieren. Allerdings steigen die Zinsen im Normalfall, wenn die Inflation zunimmt. Es gibt jedoch Möglichkeiten, den Zins trotzdem niedrig zu halten. Werden solche Maßnahmen eingeführt, kommt es zur „Financial Repression“.

          Den Schuldenabbau durch Inflation zahlt am Ende der Sparer

          Die spürt man schon jetzt. Die amerikanische und die europäische Zentralbank kaufen seit einiger Zeit Staatsanleihen auf und halten so die langfristigen Zinsen tiefer, als sie dem ökonomischen Umfeld entsprächen. Auch der Leitzins ist eigentlich zu niedrig. Damit schaffen die Notenbanken zugleich den Nährboden für mehr Inflation, der Entschuldungscocktail aus niedrigen Zinsen und höherer Inflation ist gemixt.

          Die Staaten helfen eifrig mit, um die Zinsen gering zu halten. Zum Beispiel über die Regulierungen der Versicherungen und Banken, die unter den Fachbegriffen wie Solvency II und Basel III länderübergreifend gelten. Sie werden verpflichtet, für riskante Geldanlagen mehr Eigenkapital vorzuhalten. Was vor allem das Risiko von Insolvenzen senken soll, hat den angenehmen Nebeneffekt, dass die Finanzbranche einen Anreiz hat, Staatsanleihen zu kaufen und damit die Zinsen zu halten. Denn solche Anleihen werden vom Regulator - trotz der Schuldenkrise - immer noch als besonders sicher eingestuft. Eigenkapital muss dafür nicht bereitgestellt werden.

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