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Ausfallraten : Auf dem Weg zu neuen Rekorden

Lecker, aber gefährdet: Krispy Kreme Doughnuts Bild: AP

Der lang prognostizierte Anstieg der Ausfallraten ist nicht mehr zu übersehen. Glaubt man der Rating-Agentur S&P hat er erst begonnen und wird im Bereich der spekulativen Anleihen neue historische Höchststände erreichen.

          Lange haben die viel gescholtenen Rating-Agenturen vor einem starken Anstieg der Ausfallraten bei Unternehmensanleihen gewarnt, ohne dass dieser eintrat. Inzwischen geben ihnen die Zahlen recht.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den ersten sechs Wochen des Jahres zählte die Rating-Agentur nunmehr 32 Ausfälle in einem Gesamtvolumen von rund 50 Milliarden Dollar. Das ist bereits ein Viertel der Ausfälle des gesamten Vorjahres und deutlich mehr als in den beiden Jahren davor.

          Amerikanische Hochzinsanleihen unter Druck

          Der Schwerpunkt der Zahlungsausfälle liegt dabei unzweifelhaft in Amerika, wo die Ausfallrate im rollierenden 12-Monats-Durchschnitt schon 2,73 Prozent erreicht hat gegenüber 0,53 Prozent in Europa und 1,2 Prozent in den Schwellenländern.

          Zwar lagen die Ausfallraten auch in den Vorjahren auch in den Vereinigten Staaten mit ihrem entwickelten Markt für Hochzinsanleihen am höchsten, doch ist der Anstieg jenseits des Atlantiks wesentlich markanter als diesseits.

          Wie nicht anders zu erwarten, liegt das Schwergewicht der Zahlungsausfälle im Segment der spekulativen Anleihen, wo die Ausfallrate weltweit auf 3,8 Prozent und in Amerika auf 4,66 Prozent gestiegen ist. Seit nunmehr 14 Monaten steigt in den Vereinigten Staaten die Ausfallrate von Monat zu Monat an. Dennoch haben die Raten den langjährigen weltweiten Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2008 von 4,25 Prozent noch nicht erreicht.

          Bekannte Namen auf der Liste der „schwächsten Glieder“

          Dies ist für die Analysten von Standard & Poor's aber nur eine Frage der Zeit. In den Monaten bis Januar 2010 rechnen sie für die Vereinigten Staaten mit einem Anstieg der Ausfallrate auf 13,9 Prozent, was gleichbedeutend ist mit 206 weiteren Zahlungsausfällen. Ihrer Liste der „schwächsten Glieder“ von Emittenten mit erhöhter Ausfallwahrscheinlichkeit (Rating von B- oderschwächer) umfasst 265 Unternehmen, 77,4 Prozent davon haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten, nur 7,2 Prozent in Europa.

          Darunter sind auch durchaus bekannte Namen wie der Whirlpool-Bauer Jacuzzi, der Kasino-Betreiber Harrah's, der Mantelproduzent Burlington, Krispy Kreme Doughnuts, die United-Arlines-Muttergesellschaft UAL ebenso wie US Airways, der Smartphone-Bauer Palm, aber natürlich auch Ford, Chrysler und General Motors.

          Auch aus Deutschland sind einige Emittenten dabei, die zumindest Anleihen-Anlegern durchaus geläufig sind, wie die Autozubehör-Kette ATU, das Textil-Unternehmen Escada und der Raunheimer Folien-Hersteller Treofan.

          Primärmarkt weiter ohne Bewegung

          Bei all diese Unternehmen bestehen zumindest statistisch große Chancen, dass ihre Namen demnächst auch auf der Liste der Zahlungsausfälle stehen. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls ist 6,6 mal so hoch wie im Gesamt durchschnitt für spekulative Anleihen. Der prognostizierte Anstieg der Ausfallraten wäre ein neues Rekordhoch, würde es doch die 12,5 Prozent des Jahres 1991 übertreffen. Im Durchschnitt würden damit jeden zweiten Tag Anleiheschulden nicht beglichen, mehr als doppelt so oft wie 2008. Im Jahr davor war dies im Durchschnitt nur jede dritte Woche der Fall.

          Was Wunder also, wenn selbst der amerikanische Primärmarkt für Hochzinsanleihen praktisch nicht mehr besteht. Gerade einmal acht Emissionen gab es im Januar. Das waren immerhin mehr als die 5 des vorangegangenen Quartals, doch das Emissionsvolumen war weniger als halb so hoch wie im Januar 2007 und betrug eine Drittel des Volumens des Januars 2006. In der Bonitätskategorie „B-“ gab es keinerlei Emissionen.

          Folgen des Ramsch-Booms

          In Europa gab es im Januar nur drei spekulative Emissionen gegenüber zweien im zweiten Halbjahr 2008. Nur eine hatte das Rating „B-“, die anderen waren besser bewertet. Das ist insofern ein gutes Zeichen, als S&P Emissionen mit einem schwachen Rating als Brutstätte für Zahlungsausfälle klassifiziert. Emissionen dieser Kategorie aus den Jahren 2003 bis 2007 seien im vergangenen Jahr eine der Hauptquellen für Zahlungsausfälle gewesen und das würden sie auch 2009 sein.

          Das gleiche habe man im Jahr 2001 für die Emissionen der Jahre 1997 bis 1999 verfolgen können, als der Anteil der schwachen Emittenten 30 Prozent dauerhaft überstieg. Die Folgen des Booms für Ramschanleihen dieser Art seit 2003 zeigt sich nun.

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