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Besicherte Anleihen : Was kauft die EZB da?

Verbriefte Sicherheit: Das wollen wir doch mal hoffen Bild: Cornelia Sick

Die EZB will in großem Umfang Wertpapiere aufkaufen. Die heißen „ABS“ und „Covered Bonds“. Was ist das?

          3 Min.

          Die EZB hat am Donnerstag nicht nur eine Zinssenkung angekündigt, sondern sie will auch so genannte “Asset Backed Securities” ankaufen. Von diesen Wertpapieren hören die meisten Deutschen selten. Was steckt dahinter?

          Der Begriff

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Asset Backed Securities, kurz ABS, zu deutsch: forderungsbesicherte Wertpapiere, sind eine heterogene Gruppe von Wertpapieren. Das Prinzip ist allerdings stets dasselbe: Es handelt sich um Anleihen, bei denen das Geld für Zins und Tilgung aus Krediten kommt. Diese wurden zu unterschiedlichen Zwecken an Unternehmen oder Verbraucher vergeben. Solche Wertpapiere werden zumeist abgegrenzt gegenüber Papieren, die mit den Zahlungen aus Hypothekenkrediten abgesichert sind. Diese werden allgemein als Mortgage-Backed-Securities (hypothekenbesicherte Wertpapiere) bezeichnet. Davon zu unterscheiden sind Hypothekenpfandbriefe, die keine Asset-backed securities sind, sondern Coverd Bonds (siehe weiter unten).

          Das Prinzip

          Durch die Besicherung von handelbaren Wertpapieren mit Bankkrediten werden diese Kredite handelbar, sie können verkauft werden. Dieser Vorgang wird als Kreditverbriefung bezeichnet. Um das Risiko der Wertpapiere zu verringern, wird ein Wertpapier mit einer Reihe von Krediten besichert. Dadurch fällt es für die Käufer des Wertpapiers nicht so stark ins Gewicht, wenn ein Kredit nicht zurückgezahlt wird. Indes sind ABS eine sehr heterogene Gruppe von Wertpapieren. Das bedeutet, dass die Risiken jedes einzelnen Wertpapiers sehr unterschiedlich sein können. Zumeist werden in einer Verbriefungstransaktion auch Wertpapiere unterschiedlicher Sicherheitsklassen geschaffen. Dabei werden erstklassige Papiere zuerst bedient, dann alle anderen Klassen nach Rangfolge. Reichen die Zins- und Tilgungsleistungen der Kreditnehmer nicht aus, müssen die untersten Klassen der Verbriefung als erste Verluste akzeptieren. Dafür erhalten die Inhaber der Papiere grundsätzlich höhere Zinsen.

          Für die Banken bietet die Verbriefung der Kredite den Vorteil, dass sie dabei in der Regel ihre Kredite an eine Zweckgesellschaft verkauft. Dann muss die Bank mit diesen Risiken nicht mehr rechnen und kann neue Kredite vergeben. Andererseits haben sich die Banken durch den Handel mit besicherten Wertpapieren fremde Kreditrisiken mittelbar in ihre Bilanz geholt.

          Die Gefahr

          Das Prinzip der Besicherung und Risikoverringerung durch Bündelung ist eigentlich eine geeignete Methode zur Verringerung von Kreditrisiken, weil sie das Risiko drückt. Bisher sind in Europa nur wenige ABS-Papiere ausgefallen. Die Sicherheit steht und fällt aber mit der Qualität der Kredite und der Zahlungsfähigkeit der Schuldner. Das hat sich in der Finanzkrise gezeigt.

          Im Vorfeld der Finanzkrise waren Verbriefungen äußerst gefragt, eben weil sie theoretisch die Risiken senkten. Nach und nach wurde das Geschäft zum Selbstzweck. Es gibt aber nicht beliebig viele gute Schuldner, weil in der Regel diejenigen am ehesten einen Kredit benötigen, die wenig Vermögenswerte besitzen. Daher wurde die Kreditqualität immer weiter verwässert und verschlechtert.

          Hinzu kam, dass intransparente Konstruktionen wie die weitergehende Bündelung von verbrieften Forderungen in neuen Verbriefungen und deren abermalige Verbriefung (sogenannte Collateralized Debt Obliogations, CDO) die tatsächlichen Kreditrisiken verschleierten. Als vermehrt Schuldner ihre Kredite nicht zahlen konnten, verloren die Besitzer von Wertpapieren der unteren Klassen viel Geld. Die Furcht vor Verlusten übertrug sich auf die gesamte Anlageklasse - die Papiere galten als “toxisch“.

          Arten von Asset Backed Securities

          Der Löwenanteil von Asset Backed Securities im weitere Sinne entfällt auf Wohnungsbaukredite, eine weitere große Gruppe sind Autokredite. An dritter Stelle stehen sogenannte „Collateralized Loan Obligations“, kurz CLOs, die Unternehmenskredite bündeln. Kreditkarten- und Verbraucherkredit-ABS spielen eine kleinere Rolle.

          Covered Bonds und Pfandbriefe

          Neben ABS will die EZB ab Oktober auch Covered Bonds von Banken des Euroraums ankaufen. Covered Bonds (Gedeckte Schuldverschreibungen), zu denen auch der klassische Pfandbrief gehört, unterscheiden sich von ABS dadurch, dass die zugrunde liegenden Forderungen auf der Bilanz des Emittenten verbleiben. Die Inhaber der Papiere haben dadurch einen doppelten Ausfallschutz. Zum einen haftet der Emittent, zum anderen existiert ein Bestand an Sicherheiten, die sogenannte Deckungsmasse. Auf diese können  Gläubiger bevorrechtigt zugreifen, falls der Emittent seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Covered Bonds unterscheiden sich von Pfandbriefe vor allem dadurch, dass erstere vertraglich, letztere gesetzlich geregelt sind.

          Die nationalen Gesetzgebungen für Pfandbriefe sind recht unterschiedlich, so dass deren Sicherheit je nach Herkunftsland unterschiedlich zu bewerten ist. Nach deutscher Gesetzgebung werden Kredite ganz oder teilweise in ein Deckungsregister eingetragen, das von einem Treuhänder überwacht wird. Im Fall der Insolvenz der Pfandbriefbank werden die Deckungsmasse und die Pfandbriefe nicht in das Insolvenzverfahren einbezogen, sondern von einem Sachwalter separat verwaltet.

          Das EZB-Programm

          Schon seit Ende 2009 arbeitet die EZB daran, der Heterogenität des Marktes für besicherte Anleihen Herr zu werden. Sie hat dazu Daten über die Papiere erhoben, um diese in refinanzierungsfähige und nicht-refinanzierungsfähige Papiere zu unterteilen. Diese Vorbereitungsarbeiten dienten dazu den Plan umsetzen zu können, jetzt nur „einfache und transparente“ ABS ankaufen zu können.

          Ab Oktober will die EZB Auto-, Leasing-, Verbraucher- und Kreditkarten-ABS, die die Standards nicht erfüllen, nur noch im Einzelfall und Papiere, zu denen keine Daten vorliegen, gar nicht mehr akzeptieren.

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