https://www.faz.net/-gv6-xr0m

Argentinien : Neues Angebot für die alten Gläubiger

  • -Aktualisiert am

Argentiniens Wirtschaftsminister Amado Boudou hofft auf die Akzeptanz des Angebots unter den Gläubigern Bild: AFP

Argentinien will seinen Staatsbankrott von 2001 endlich hinter sich lassen. Deshalb bietet es seinen Gläubigern erneut eine Umschuldung an - zu den gleichen Konditionen wie 2005, die auf geteiltes Echo stießen. Kleinanleger solle indes Sonderkonditionen erhalten.

          Argentinien will die Altlasten aus dem Staatsbankrott im Jahr 2001 beseitigen und an den freien Kapitalmarkt zurückkehren. Zu diesem Zweck lanciert die Regierung ein neues Umschuldungsangebot an jene Gläubiger, die eine erste Tauschofferte im Jahr 2005 abgelehnt hatten und seit acht Jahren auf ihr Geld warten.

          In einer der bisher größten Staatspleiten aller Zeiten hatte Argentinien Ende 2001 nach drei Jahren schwerer Rezession die Zahlungen auf mehr als 100 Milliarden Dollar Staatsschulden eingestellt und den zuvor an den Dollar gebundenen Peso drastisch abgewertet. Drei Jahre zahlte Argentinien den Gläubigern gar nichts, obwohl sich die auf Agrarprodukte konzentrierte Wirtschaft im Sog des globalen Rohstoffbooms rasch erholte und hohe Überschüsse in Haushalt und Handelsbilanz erbrachte. Erst im Frühjahr des Jahres 2005 unterbreitete der damalige Staatschef Néstor Kirchner den Gläubigern ein Umschuldungsangebot, das zu Marktkursen damals einen Verzicht auf rund 70 Prozent der Forderungswerte bedeutete. Dies war allerdings lediglich von 76 Prozent des Gläubigerkapitals akzeptiert worden.

          Barauszahlung der Zinsen soll Kleinanleger locken

          Bei der neuen Offerte, die in etwa zehn Tagen formell eröffnet werden soll, werde Argentinien den Gläubigern die gleichen Konditionen wie 2005 bieten, sagte Wirtschaftsminister Amado Boudou. Aufgrund der gestiegenen Kurse argentinischer Anleihen ist das Angebot zu Marktwerten heute dennoch attraktiver als vor fünf Jahren. Großanleger müssen einen Kapitalverzicht von 66,3 Prozent hinnehmen und erhalten eine sogenannte Discount-Anleihe, deren Laufzeit bis zum Jahr 2033 reicht. Die seit dem Jahr 2005 aufgelaufenen Zinsen sollen durch eine neue Anleihe verbrieft werden, die mit 8,75 Prozent verzinst wird und im Jahr 2017 auf einmal ausgezahlt werden soll.

          Kleinanleger, die vor allem in Deutschland und Italien in großem Umfang argentinische Anleihen gezeichnet hatten, erhalten Sonderkonditionen. So können sie für Forderungen, die den Gegenwert von 50.000 Dollar nicht übersteigen, eine Par-Anleihe zeichnen, die den Nominalwert des Kapitals beibehält, jedoch niedrigere Zinsen trägt und erst im Jahr 2038 fällig wird. Als Anreiz für die Kleinanleger sollen die seit dem Jahr 2005 aufgelaufenen Zinsen in bar ausgezahlt werden. Parallel zu den Anleihen, erhalten die Gläubiger wie schon vor fünf Jahren einen Sonderkupon, dessen Auszahlungen an das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts gekoppelt sind. Entgegen früheren Spekulationen wird die Regierung allerdings nicht die seit dem Jahr 2005 aufgelaufenen Wachstumsprämien der BIP-Kupons nachzahlen. Finanzanalysten kalkulieren den Marktwert des Gesamtpaketes auf etwa 50 Prozent des Nominalwertes der Altanleihen.

          Rund 20 Milliarden Dollar Anleiheschulden sowie zusätzlich fast 10 Milliarden Dollar aufgelaufene Zinsen stehen heute noch offen. Etliche Gläubiger haben Argentinien bei Gerichten verschiedener Staaten auf volle Zahlung verklagt und in vielen Fällen vollstreckbare Urteile erstritten. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat Argentinien seit dem Jahr 2002 außerhalb der eigenen Grenzen keine neuen Anleihen auf dem freien Markt mehr begeben können.

          Der Weg zu neuen Krediten könnte steinig werden

          Um fällig werdende Schulden zu bezahlen, griff Argentiniens Regierung zuletzt auf die Reserven der Zentralbank zurück. Da die Regierung zur Finanzierung ihrer rasch steigenden Staatsausgaben frisches Geld benötigt, will Kirchners Gattin und Amtsnachfolgerin Cristina Kichner nun die Rückstände bereinigen und neue Anleihen begeben. Wie schon fünf Jahre zuvor biete Argentinien auch jetzt weniger, als es eigentlich zahlen könnte, kommentierte Alberto Ramos von der Bank Goldman Sachs.

          Dennoch sei das Angebot wahrscheinlich hinreichend attraktiv, um die von der Regierung angestrebte Akzeptanz von mindestens 60 Prozent der Altgläubiger zu erreichen. Viele Anleihebesitzer dürften die Papiere in den vergangenen Jahren zu Kursen von 10 bis 20 Prozent auf dem Sekundärmarkt erworben haben. Schon parallel zu der Umschuldung wolle Argentinien eine erste Globalanleihe über eine Milliarde Dollar anbieten, kündigte Boudou an. Emittieren werde man jedoch nur zu attraktiven Zinsen.

          „Wir sind zurück in der Welt“, sagte Staatschefin Kirchner der Agentur Bloomberg. Ökonomen bezweifeln jedoch, dass die Restumschuldung Argentinien rasch den Zugang zu günstigen Krediten bringen werde. Argentinien habe weiterhin „ein Glaubwürdigkeitsproblem“, sagt der Finanz- und Politikanalyst Federico Thomsen. Die Regierung betreibe keine nachhaltige Wirtschaftspolitik, die Staatsausgaben stiegen schneller als die Einnahmen. Die Inflation ist nach Schätzung unabhängiger Fachleute doppelt so hoch wie die von der Regierung ausgewiesen 9,7 Prozent. „Argentinien bleibt eine der riskantesten Anlagen“, sagt Thomsen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          So sieht sich 8Chan selbst: Twitterprofil der Plattform.

          Internetforum „8chan“ : Der Alpha und die Betas

          Vom Meme zum Massaker: Wie radikalisieren sich junge Männer in Internetforen wie „8chan“? Warum verehren sie Donald Trump? Und warum gibt es diese Plattformen überhaupt?

          Eintracht Frankfurt : Wie ein Achtelfinale

          Eintracht-Torhüter Kevin Trapp erwartet ein „großes“ Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg und misst ihm besondere Bedeutung bei. Rund um das Stadion gelten für die rund 1200 Anhänger besondere Auflagen.

          Debatte über das Sparen : Lieber später als heute das Geld auf den Kopf hauen

          Bisher dachten Wissenschaftler, Menschen geben Geld lieber heute als später aus. Doch in einer alternden Gesellschaft könnte sich das ändern. Das würde auch das Phänomen negativer Zinsen erklären. Müssen Ökonomen ihre Lehrbücher umschreiben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.