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Argentiniens Jahrhundertbond : Anleihe mit (fast) sicherem Ausfall

  • Aktualisiert am

Argentinien tut sich schwer, vorwärts zu kommen. Bild: Reuters

Argentinien hat eine Anleihe mit 100jähriger Laufzeit begeben. Deren Ausfall ist nahezu sicher. Aber das ist nicht der Punkt.

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          Als Argentinien vor einer Woche eine auf Dollar lautende Staatsanleihe mit einer Laufzeit von 100 Jahren begab, waren einige Beobachter überrascht. Schließlich war das Land in den vergangenen zwei Jahrhunderten im Durchschnitt mehr als jedes dritte Jahr zahlungsunfähig und dennoch: Anleger kauften für knapp 2,8 Milliarden Dollar und gaben sich sogar mir nur knapp 8 Prozent Zinsen zufrieden.

          Claudia Calich, seit 24 Jahren Rentenfondsmanagerin und Mitglied einer Gruppe von Anleihenfondsmanagern der britischen Gesellschaft M&G, die sich den namen „Bond Vigilantes“ („Anleihenbürgerwehr“) gegeben hat, hat sich die Mühe gemacht, die Ausfallwahrscheinlichkeit einmal in einem Standardmodell für Anleihenbewertung nachzurechnen.

          Das war nicht ganz einfach, weil das Modell bei einer Anleihenlaufzeit von fünfzig Jahren schlapp machte. Allerdings reichte das schon: Für eine argentinische Staatsanleihe mit 50 Jahren Laufzeit betrüge die Ausfallwahrscheinlichkeit schon 97,6 Prozent. Das veranlasst Calich zu der trockenen Feststellung: Angesichts dessen sollte man eine Jahrhundertanleihe nicht als viel risikoreicher ansehen.

          Die sogenannte Duration, die man als Amortisationsdauer der Anleihe verstehen kann, gibt sie mit 12,7 Jahren an. So lange dauert es also, bis der Anleger sein Geld durch die Zinszahlungen wieder bekommen und den ersten Cent Gewinn gemacht hat. Das sei auch nicht viel länger als die der durchaus üblichen 30jährigen Anleihen mit 11,8 Jahren. Für diese liege die Ausfallwahrscheinlichkeit derzeit schon bei 89 Prozent. Also, so Calich, wie viel schlimmer könne da eine hundertjährige Anleihe schon sein?

          Was die aktuellen Aussichten angehe, gebe es eben zwei Möglichkeiten. Entweder verbessere sich die fundamentale Lage des Landes und die Renditeaufschläge für argentinische Anleihen würden sinken. Oder aber die Geschichte werde sich wiederholen und Argentinien werde wieder einmal zahlungsunfähig. Und da sei es dann fast gleichgültig, ob man nun eine Anleihe mit 50 oder 100 Jahren Laufzeit halte.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Was den Jahrhundertbond interessant macht ist damit am Ende die Tatsache, dass mögliche Kursgewinne einer Anleihe umso höher sind, je länger diese läuft. Da ist mit einer hundertjährigen zumindest theoretisch auf kurze Sicht mehr zu gewinnen, wenn sich die Fundamentaldaten verbessern.

          Ein Spekulationsobjekt also, bei dem der den Kürzeren zieht, der sie als Letzter besitzt. Ein wenig erinnert das an Robert Louis Stevensons Geschichte vom Flaschengeist, in der der Besitzer der zu Reichtum verhelfenden Flasche zur Hölle fährt, wenn er diese nicht rechtzeitig verkaufen kann. Unterschied: Die Flasche muss stets billiger verkauft werden.

          Calich lobt die Fortschritte der amtierenden argentinischen Regierung bei der Liberalisierung des Devisen- und Kapitalmarkts. Doch ansonsten seien die Verbesserungen eher gradueller Natur. Wachstum und Investitionen beschleunigten sich, die Inflation sinke, liege aber immer noch bei mehr als 20 Prozent.

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          Schwachpunkt aber sei mit einem Defizit von mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Staatshaushalt, den das Land nicht auf dem heimischen Kapitalmarkt finanzieren könne. Diese Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern setze ein nachhaltig höheres Wachstum voraus, auch um Subventionen senken zu können.

          Hauptrisiko sei, dass die derzeitige marktfreundliche Politik selbst womöglich nicht nachhaltig sein werde. Wenn die Reallöhne nicht stiegen, könnten die populistischen Peronisten wieder Zulauf erhalten und am Ende 2019 die Präsidentschaftswahlen gewinnen.

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