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Kreditausfallversicherungen : Argentiniens Gläubiger können auf Geld hoffen

  • Aktualisiert am

Argentinien bedient seine Schulden nicht mehr. Bild: dpa

Nun stuft auch der Derivateverband ISDA die Vorgänge um Argentinien als Zahlungsausfall ein. Wer sich mit Kreditausfallversicherungen dagegen abgesichert hatte, könnte nun Geld ausgezahlt bekommen.

          Nach den Ratingagenturen Standard & Poor`s und Fitch hat nun auch der Derivateverband ISDA die Vorgänge um Argentinien als Zahlungsausfall eingestuft. Da Argentinien die Zinsen auf seine Anleihen nicht zahlen konnte, sei es zu einem „Kredit-Ereignis“ gekommen, entschied die ISDA am Freitag. Damit können Besitzer von argentinischen Staatsanleihen, die sich mit Kreditausfallversicherungen - sogenannten Credit Default Swaps (CDS) - gegen einen Ausfall versichert hatten, auf Auszahlungen in Höhe von 1 Milliarde Dollar hoffen.


          Argentiniens Schulden-Chronik


            23.12.2001: Argentiniens siebte Pleite

            Argentinien erklärt sich zahlungsunfähig. Die Staatspleite über 102 Milliarden Dollar ist die bislang größte der zeitgenössischen Geschichte und die siebte in Argentiniens Geschichte seit der Unabhängigkeit. Die vorangegangenen waren in den Jahren 1827, 1890, 1951, 1956, 1982 und 1989.

            3.3.2005: Die erste Umschuldung

            Gläubiger in Besitz von 76 Prozent der ausstehenden Schuld nehmen einen Kapitalschnitt an. Sie verzichten auf rund zwei Drittel ihrer Forderungen.

            3.1.2006: Der IWF bekommt sein ganzes Geld

            Argentinien zahlt vorzeitig den gesamten Betrag der Anleihen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurück: 9,5 Milliarden Dollar.

            2.9.2008: Argentinien verspricht den Staaten Geld

            Argentinien erklärt sich bereit, die Milliardenschulden an die staatlichen Gläubiger («Pariser Club») zurückzuzahlen. Die Ankündigung versandet in der globalen Finanzkrise.

            ab Oktober 2012: Argentinien muss an Hedgefonds zahlen

            Der New Yorker Richter Thomas Griesa verurteilt Argentinien, bis zum 15. Dezember 1,3 Milliarden Dollar an die Hedgefonds NML Capital und Aurelius zu zahlen – für Anleihen, die nicht in die Umschuldungen eingegangen waren. Der Fall geht durch mehrere Instanzen bis in den August 2013.
            Korrektur: Das erste Urteil fiel im Oktober, nicht November. Dank für den Hinweis an Arne Kuster!

            29.5.2014: Die Staaten bekommen ihr Geld - bald

            Argentinien einigt sich mit dem Pariser Club, in dem sich die staatlichen Gläubiger zusammengeschlossen haben, über die Rückzahlung von 9,7 Milliarden Dollar Schulden. Danach sollen die gesamten Rückstände innerhalb von fünf Jahren ausgeglichen werden.

            16.6.2014: Argentinien verliert die Berufung gegen die Hedgefonds

            Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten weist einen Berufungsantrag Argentiniens ab. Damit steht das Urteil von Thomas Griesa. Es geht um Titel über 1,3 Milliarden Dollar, die sich größtenteils in Händen von Hedgefonds befinden. Gleichzeitig bestimmt der Richter Thomas Griesa, dass die von Argentinien mit Schuldenzahlungen beauftragte Bank of New York und andere Intermediäre keine Zahlungen an andere Gläubiger leisten dürfen, solange die Ansprüche der Kläger nicht bedient sind. Die argentinische Regierung fürchtet eine Klausel der umgeschuldeten Anleihen, wonach Argentinien jedes bessere Angebot an einen Altgläubiger auf alle schon umgeschuldeten Anleihen ausdehnen müsste. Daraus könnten neue Forderungen in Milliardenhöhe entstehen.

            30.6.2014: Argentinien versucht, an die anderen Gläubiger zu zahlen

            Argentinien hinterlegt 832 Millionen Dollar, um zum Monatsende fristgerecht den Schuldendienst auf umgeschuldete Auslandsanleihen leisten zu können. Gemäß dem Urteil vom 16.6.2014 werden diese Zahlungen durch das Gericht blockiert. Argentinien hat nun eine Frist von 30 Tagen, um in Verhandlungen mit den Hedgefonds und dem Gericht eine Freigabe der Zahlungen zu erreichen. Sonst tritt laut den Anleiheverträgen der Zahlungsausfall ein.

            29./30.7.2014: Verhandlungen scheitern

            Die Parteien verhandeln stundenlang, um den drohenden Zahlungsausfall doch noch verhindern zu können. Einige argentinische Banken sind eventuell bereit, die Ansprüche der Hedgefonds abzusichern. Diese Hoffnung zerschlägt sich. Auch eine Gruppe von europäischen Großanlegern signalisiert Bereitschaft, auf die Nachbesserungsklausel zu verzichten. Die Verhandlungen scheitern. Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s stuft die Kreditwürdigkeit von Argentinien auf das Niveau eines „teilweisen Zahlungsausfalls“ herab.


          Die Entscheidung der ISDA erfolgte auf eine entsprechende Anfrage der UBS AG, nachdem die Regierung am 30. Juli eine Frist zur Zahlung von 539 Millionen Dollar an Zinsen verpasst hatte. Am Mittwoch war das Land in die Staatspleite gerutscht. Nun ist Argentinien offenbar die erste Nation seit Griechenland im Jahr 2012, die Ausfall-Swaps auslöst.

          Beobachter halten den Fall allerdings für kompliziert. Denn Argentinien hat die erforderliche Zahlung an die zuständige Bank of New York Mellon Corp. vorgenommen. Ein amerikanischer Richter untersagte der Bank allerdings die Weiterleitung der Gelder, solange das Land seinen Streit mit den Hedgefonds unter der Führung von Elliott Management Corp. nicht beigelegt hat. Sie hatten die Schulden des Landes nach der Pleite im Jahr 2001 günstig aufgekauft und fordern nun den vollen Kreditbetrag in Höhe von 1,33 Milliarden Dollar plus Zinsen zurück.

          Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández Kirchner und weitere argentinische Politiker sehen ihre Verpflichtungen erfüllt und bestreiten, dass Argentinien zahlungsunfähig sei. Der argentinische Kabinettschef Jorge Capitanich sprach sogar von einer „absurden Lüge“.

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