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Apotheker- und Ärztebank : Anleger nehmen Herabstufung gelassen

Bild: F.A.Z.

Nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's könnte die Apotheker- und Ärztebank eine weitere Stützungsaktion benötigen. Noch immer leidet sie unter den Fehlern der Finanzkrise. Die Anleiheninhaber sehen es gelassen.

          Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, kurz Apobank, ist als Institut den meisten Bürgern nur von den Rechnungen der Mediziner vertraut gewesen. Am Anleihenmarkt ist sie indes mittlerweile ein bekanntes Sorgenkind.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's braucht die Bank womöglich bald abermals finanzielle Hilfe von außen. Die größte deutsche Genossenschaftsbank sei schwach kapitalisiert, angesichts des Risikos eines 4,5 Milliarden Euro umfassenden Portfolio an strukturierten Papieren, deren Qualität sich verschlechtere. Das werde zu weiteren Abschreibungen führen.

          Erneute Stützungsaktion nicht ausgeschlossen

          „Die pure Größe und Komplexität dieses Portfolios stellt eine große Herausforderung für die Bank dar“, hieß es in der Studie. Immerhin betrug die Bilanzsumme der Apobank 2008 lediglich 41,2 Milliarden Euro, das haftende Eigenkapital nur knapp 2,5 Milliarden.

          Die Ratingagentur senkte das Finanzstärke-Rating der Apobank auf die „D“ von „C“. Die Skala reicht von „A“ bis „E“. Obendrein ist der Ausblick negativ. Auch die Bewertungen der vor- und nachrangigen Verbindlichkeiten der Apobank wurden mit einem negativen Ausblick versehen, wenngleich die Anleihen noch die Bewertungen „A2“ bzw. „A3“ tragen und damit mittleren Investment-Grad-Status haben.

          Je schlechter das Rating für Kreditpapiere ist, desto höher ist das Kapital, mit dem es in der Bilanz unterlegt werden muss. Das könne dazu führen, dass sich die Apobank erneut an den Branchenverband BVR wenden müsse, erläuterte Moody's-Analystin Katharina Barten.

          Schwierigkeiten lange verneint

          Der BVR hatte der Bank bereits im Sommer 150 Millionen Euro an Garantien zur Verfügung gestellt, nachdem die Bank lange bestritten hatte, überhaupt Schwieirgkeiten zu haben.

          Als im November 2007 die angeschlagene WestLB sich nicht mehr länger bereit fand, die Refinanzierung von ABS-Fonds der zur Apobank gehörenden irischen Zweckgesellschaft AC Capital zu gewährleisten, wurden sofort Vermutungen über Liquiditätsschwierigkeiten laut: Ohne die Refinanzierungszusage müsse AC Capital Notverkäufe unter den Buchwerten durchführen, hieß es in Finanzkreisen. Die Apobank wies das zurück: Es gebe keine Spur einer Krise, es sei durchaus üblich, den Refinanzierer zu wechseln, eine Rolle, die damals die DZ Bank übernahm.

          Der Abschluss für das Jahr 2007 sah auch noch gut aus: Ausweislich erzielte die Bank einen Jahresüberschuss von 113 Millionen Euro und wiederholte das Rekordergebnis des Vorjahres. Für das Finanzinstrumente-Portfolio von 16,2 Milliarden Euro wurden die temporären Wertkorrekturen auf 132 Millionen Euro erhöht, die gesamte Risikovorsorge stieg nur um 17 Millionen auf 178 Millionen Euro.

          „Manche Geschäfte gehören sich einfach nicht“

          Doch schon 2008 zeigten sich erste Krisenzeichen: Im ersten Halbjahr stieg die Risikovorsorge kräftig von 40,3 auf 123,4 Millionen Euro. Im Gesamtjahr halbierte sich der Bilanzgewinn, die Risikovorsorge stieg auf 244 Millionen Euro. Zudem wurden erste Wertberichtigungen von 338 Millionen Euro fällig: Engagements bei der insolventen Investmentbank Lehman Brothers und bei isländischen Banken kosteten 200 Millionen Euro, nachdem sie zu 70 Prozent abgeschrieben wurden, erklärte Preuß.

          Ende August musste dann die Sicherungseinrichtung des Genossenschaftsbankenverbands BVR eingreifen und der Apobank eine Garantie über 150 Millionen Euro zur Verfügung stellen, nachdem die Kernkapitalquote im ersten Halbjahr auf 6,4 von 8,7 Prozent zu Jahresbeginn geschmolzen und der Überschuss von 56,8 Millionen auf 7,6 Millionen Euro gesunken war.

          Pikant werden die Vorgänge dadurch, dass der bis vor etwa einem Jahr amtierende Vorstandschef der Bank, Günter Preuß, noch bei der Vorstellung seines Nachfolgers auf all die gierigen Banker der großen Geldhäuser geschimpft hatte, die jegliches Maß auf ihrer Jagd nach Rendite verloren hätten. „Manche Geschäfte gehören sich einfach nicht“, hieß es, und: „Man muss nicht jedem Ball hinterher laufen.“, berichtete die „Welt“.

          Kein Ausfallrisiko gesehen

          Der derzeitige Vorstandschef, Herbert Pfenning, will nun das Portfolio an Finanzinstrumenten kontinuierlich abbauen und das Kerngeschäft mit den Heilberufen stärken.

          Das Vertrauen der Anleihenkäufer hat die Bank jedenfalls. Deren Renditen liegen zumeist im Bereich der Kupons, so dass die Papiere etwa zu Pari handeln. Die Renditen entsprechen in etwa der Rating-Klasse im Vergleich zu Anleihen vergleichbarer Emittenten, so dass die sichtbaren Risiken derzeit eingepreist erscheinen. Das Ausfallrisiko wird offenbar recht gering eingeschätzt, weil davon ausgegangen wird, dass im Ernstfall der BVR die Apobank auch weiter stützen wird.

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