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Anleihenstrategie : Amerikanische Renten können Portfolio-Rendite steigern

  • Aktualisiert am

Bild: JP Morgan Asset Management

Der Markt für Euro-Anleihen dürfte 2007 angesichts bevorstehender Zinserhöhungen nicht einfacher werden. Amerikanische Renten scheinen einen Vorteil zu haben und könnten die Portfolio-Rendite verbessern, meint JP Morgan.

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          Die Voraussetzungen im Jahr 2007 sprechen im Bereich der Investment-Grade-Anleihen nicht unbedingt für Euro-Anleihen. Angesichts einer starken Konjunktur im Euro-Raum rechnen die Märkte mit Zinserhöhungen, und das dürfte den Anleihemärkten nicht gut bekommen.

          Insofern dürfte Anleihenanlegern geraten sein, ihr Glück anderenorts zu versuchen. Indes neigen sie nicht dazu, obwohl der Euro-Bondsmarkt gerade einmal nur 23 Prozent des weltweiten Rentenmarkts ausmacht. Vor allem im amerikanischen Markt, mit einem Anteil am Weltmarkt von 49 Prozent der größte Markt überhaupt (siehe Infografik), seien Renten-Anleger aus dem Euroraum grundsätzlich unterinvestiert, so die Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management.

          Europäer in Amerika unterinvestiert

          Den Grund sehen die Analysten der Gesellschaft in mehreren Gründen. Zum einen gebe es eine deutliche „home bias“. Das bedeutet, dass die Anleger Papiere aus dem eigenen Währungsraum grundsätzlich vorziehen. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass der Euro-Rentenmarkt stark von Staatsanleihen dominiert wird, während der amerikanische Markt gleichmäßiger aufgeteilt ist und von Krediten aus dem nicht-staatlichen Bereich dominiert wird (siehe Infografiken).

          Bild: JP Morgan Asset Management

          Zum anderen seien befürchtete Währungsverluste ein Hindernisgrund, ebenso wie ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber dem Grad der Fremdfinanzierung der amerikanischen Wirtschaft, den viele Euro-Anleger als zu hoch einschätzen. Auch letzteres spricht dafür, dass Euro-Rentenanleger grundsätzlich eher konservativ sind.

          Dafür sind sie offenbar bereit, auch Ertragsnachteile in Kauf zu nehmen. Seit Einführung des Euros im Jahr 1999 brachten Euro-Renten einen jährlichen Ertrag von 4,42 Prozent und verzeichneten mit einem Ertrag von 9,46 Prozent 2002 ihr bestes Jahr. Amerikanische Renten erreichten im selben Zeitraum einen Ertrag von knapp sechs Prozent und konnten diesen auch währungsbereinigt mit einem durchschnittlichen Ertrag von 4,85 Prozent verteidigen, was immerhin einen Spread von über 40 Basispunkten bedeutet.

          Unterschiede in der Marktstruktur bedingen unterschiedliche Spreads

          Langfristige Erfahrungen für den Euro-Rentenmarkt fehlen aus nahe liegenden Gründen. Indes hat der amerikanische Markt seit 1976 eine Durchschnittsrendite von 8,6 Prozent verzeichnet und lag dabei nur in zwei Jahren überhaupt im Minus. Das schlechteste Jahr war 1994 mit einem Verlust von knapp drei Prozent (siehe Infografiken).

          Indes täuscht die positive Entwicklung in manchen Jahren etwas über die Verhältnisse hinweg. So lagen die Zugewinne in der hochinflationären Phase Ende der siebziger Jahre unter drei Prozent pro Jahr.

          Die höheren Erträge des amerikanischen Marktes kann man wiederum als Konsequenz seiner Struktur begreifen. Während der europäische Markt von einem breiten Angebot an Staatsanleihen dominiert wird, seien diese in Amerika eher knapp und erführen darob eine große Wertschätzung. Zudem sorge die Knappheit dafür, dass den Interbanken-Krediten eine größere Bedeutung zukomme, argumentiert JP Morgan. Das wirke sozusagen wie ein Basiseffekt auf den Rest des Marktes und sorge dafür, dass die Spreads generell größer seien.

          Amerikanische Anleihen sind volatiler

          Das findet seinen Niederschlag darin, dass die bessere Wertentwicklung ihren Niederschlag in allen Kategorien des Anleihenmarktes findet. Lediglich die Anleihen europäischer Versorger schnitten in den vergangenen zehn Jahren besser ab als die ihrer amerikanischen Pendants. Das dürfte nicht zuletzt an der sehr unterschiedlichen Ausgestaltung der Branchen und den unterschiedlichen Liberalisierungserfahrungen liegen. Auch der Fall Enron scheint sich hier niederzuschlagen (siehe Infografiken).

          Indes haben die höheren Renditen auch einen Preis - und der liegt in einer erhöhten Volatilität des Marktes. So betrug die Standardabweichung der Renditen am amerikanischen Rentenmarkt in den vergangenen 30 Jahren 5,87 Prozent und lag währungsbereinigt mit 3,72 Prozent auch seit 1999 noch deutlich höher als für Euro-Anleihen, bei denen sie nur 3,04 Prozent betrug.

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