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Anleihenmarkt : Markt für Islamische Anleihen wächst immer stärker

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Der Koran verbietet die Annahme von Zinsen Bild: AP

Zinsen sind etwas, was der Koran verbietet. Nicht nur islamische Banken behelfen sich daher mit Spezial-Konstruktionen. Die Entwicklung zeigt: die Produkte sind gesucht.

          Der Koran verbietet den Gläubigen einiges. Unter anderem untersagt er die Annahme von Zinsen für verliehenes Geld. Auch sind Einzahlungen verboten, wenn unsicher ist, ob je Erträge zurückkommen. Das bedeutet nicht nur ein praktisches Verbot hochriskanter Anlagen, sondern auch von Versicherungen und Zinsen. In einer kapitalistischen Wirtschaft aber sind diese als Preis des Geldes nun einmal nicht wegzudenken.

          Daher umgehen Banken das Zinsverbot durch Begebung spezieller Konstruktionen, sogenannter Sukuks (arabisch für „Zertifikat“), die das Zinsverbot umgehen. Da der Koran ausdrücklich die Verteilung von Gewinnen erlaubt, gibt es bei Sukus keine Zinsen, sondern Gewinngutschriften.

          30 Milliarden Dollar im Umlauf

          So hat Malaysia im Jahr 2002 eine Nullkuponanleihe begeben. Das Emissionsvolumen wurde in glaubenskonforme Objekte investiert (also etwa in Unternehmen, die keine Verbindungen zu Produktion und Vertrieb von alkoholischen Getränken oder der Schweinefleischverarbeitung haben). Die Rückflüsse werden als Gewinne deklariert und zum Laufzeitende auf die Anleihebesitzer aufgeteilt.

          Wer meint, es handele sich dabei um eine auf arabische Länder begrenzte, exotische Finanzierungsform, der irrt. Im ersten Halbjahr wurden islamische Anleihen im Volumen von 6,2 Milliarden Dollar begeben. Ende 2004 waren weltweit islamische Anleihen im Volumen von 30 Milliarden Dollar im Umlauf, heißt es in einem Bericht der Zentralbank von Singapur vom März.

          Größter Emittent ist Malaysia, wo 33 Unternehmen nach Angaben der Wertpapieraufsicht in diesem Jahr islamische Anleihen über 13 Milliarden Ringgit (2,8 Milliarden Euro) begeben haben. Im letzten Jahr belief sich das Emissionsvolumen auf 9,1 Milliarden Ringgit. Nummer zwei ist Bahrain, das islamische Anleihen im Volumen von 1,29 Milliarden Dollar ausstehen hat.

          Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben zusammengenommen Papiere im Volumen von schätzungsweise 9 Milliarden Dollar ausgegeben, berichtet Khalid Yousaf, Direktor Islamic Finance beim Dubai International Financial Centre, dem Sitz der Börse Dubai.

          Auch wes/l/tliche Banken dick im Geschäft

          Das Emissionsvolumen wird in diesem Jahr um ein Drittel auf 8,9 Milliarden Dollar steigen, erwartet der Islamic Finance Information Service, eine Tochter der Euromoney Institutional Investor in London. Auch westliche Banken engagieren sich in diesem Bereich und lancieren Produkte, die den Religionsgesetzen entsprechen.

          Schließlich will man keine potentiellen Kunden verprellen und schließlich sind die arabischen Staaten für Deutschland wichtige Handelspartner. Die Finanzierung von Projekten soll nicht an kulturellen Differenzen wie religiösen Aspekten scheitern.

          Mittlerweile werden islamische Finanzierungsformen in mehr als 70 Ländern von zirka 250 Finanzeinrichtungen angeboten. Banken wie die Deutsche Bank, HSBC, Citibank oder Credit Suisse First Boston haben islamische Geschäftszweige eröffnet. Die „Neue Züricher Zeitung“ berichtetet unlängst unter Berufung auf der Chef des Bereichs Islamische Finanzierung der Deutschen Bank, Nizar Alshubaily, derzeit seien für rund 6,7 Milliarden Dollar Sukuk ausstehend, Emissionen im Gesamtumfang von mindestens weiteren ein bis zwei Milliarden Dollar befänden sich in Vorbereitung.

          Sachsen-Anhalt und die Muslime

          Sogar Sachsen-Anhalt hat im vergangenen Jahr ein Anleihekonstrukt begeben, in dem schuldrechtlich die Nutzungsrechte von Immobilienvermögen des Landes an eine niederländische Stiftung übertragen werden. Dafür erhält das Land eine einmalige Zahlung, was einer Kreditaufnahme gleichkommt. Die niederländische Stiftung vermietet das Vermögen gegen jährliche Mietraten an das Land zurück, die somit den Zinszahlungen einer normalen Anleihe entsprechen.

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