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Anleihenmarkt : Lauter Neue

Bild: F.A.Z.

Im Januar kommen die meisten Anleihen des Jahres. Attraktiv sind variabel verzinste Papiere. Selbst Portugal kann sich lohnen.

          4 Min.

          So viel Kredit wollte Europa selten haben: 80 Milliarden Euro an neuen Anleihen verkaufen allein die Euro-Länder im Januar. Dazu kommen Banken und Unternehmen. Die erste Woche des Jahres war schon besonders reichhaltig. Die Schuldner sammelten 33 Milliarden Euro ein.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese großen Summen sind keine Überraschung. Schließlich ist die Staatsverschuldung überall in Europa enorm hoch. Die Bundesrepublik leiht sich schon seit Jahren mehr Geld. Nahm sie noch bis 2008 jährlich rund 200 Milliarden Euro durch die Ausgabe neuer Wertpapiere ein (und zahlte gleichzeitig alte Wertpapiere zurück), sind es seit 2009 schon mehr als 300 Milliarden Euro. Große Teile davon sammeln die Schuldner traditionell im Januar ein, weil dann auch viele große Investoren frisches Geld anzulegen haben, zum Beispiel Versicherungen, die ihre Jahresbeiträge erhalten.

          Zinsen steigen

          Zehn Milliarden erbitten jetzt allein die EU-Kommission und der Euro-Rettungsfonds, weil sie damit Irland stützen. Mindestens 8,5 Milliarden Euro der seit einer Woche neu verkauften Anleihen stammen von Kreditinstituten - weitere neue Anleihen sind angekündigt. Und je mehr Anleihen auf den Markt kommen, desto teurer werden sie für den Schuldner - der Zins steigt.

          Bild: F.A.Z.

          Wenn jetzt in Amerika Finanzminister Tim Geithner vor einer Staatspleite warnt, dann tritt das Schuldenproblem noch mal richtig ins Bewusstsein der Investoren - auch das kann die Zinsen nach oben drücken. Genauso wie zunehmende Sorge vor steigender Inflation, die im Euro-Raum im Dezember bei 2,2 Prozent lag.

          Die Anleihenrenditen reagieren auf all diese Sorgen. Zwar ist eine Bundesanleihe in der vergangenen Woche noch zu recht niedrigem Zins gekauft worden, doch seit Herbst sind die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen von rund zwei auf immerhin 2,9 Prozent gestiegen. Die Renditen krisengeplagter Staaten sind auch in den vergangenen Tagen noch weiter in die Höhe geschossen. Portugal musste jetzt bereits 7,1 Prozent für eine neue zehnjährige Anleihe bezahlen - ein halber Prozentpunkt mehr als fünf Tage zuvor. Weil Anleger häufig aus dem Euro in andere Währungen gehen, sinkt der Euro-Kurs. Der Trend zum höheren Zins trifft auch die Unternehmensanleihen: Sie werden seit Oktober wieder teurer.

          Fallende Kurse

          Je höher der Zins, desto mehr Leute leiden. Zum einen die Unternehmen: Sie leihen sich häufig Geld, indem sie Anleihen begeben. Damit bezahlen sie neue Fabriken und Maschinen - sie investieren also. Wenn nun der Zins steigt, lohnt sich so mancher Fabrikbau und Maschinenkauf nicht mehr. Die Firmen investieren weniger, das beeinträchtigt die Konjunktur.

          „Wenn höhere Staatsschulden private Investitionen verdrängen und das Wachstum drücken, dann geschieht das vor allem über höhere Zinsen“, betont der bekannte kalifornische Ökonom Barry Eichengreen in einem Artikel über die Folgen von Wirtschaftskrisen. Zwar flutet die Europäische Zentralbank Europa nach wie vor mit Geld, doch das reicht nicht mehr, um die Zinsen niedrig zu halten - weil die Anleger ihr Geld offenbar nicht mehr zu niedrigeren Renditen verleihen wollen.

          Auch die Sparer, die schon Anleihen besitzen, werden von steigenden Renditen getroffen. Sie verdienen nicht mehr, wie man vermuten mag, sondern weniger, weil die Kurse ihrer Papiere fallen. Bei einem vorzeitigen Verkauf haben sie daher Verluste. Nur wenn sie ihre Anleihen bis zum Rückzahlungstermin halten, bekommen sie jene Rendite, die ihnen einmal versprochen worden ist - aber der Termin ist manchmal erst in zehn oder mehr Jahren.

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