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Anleihenmarkt : Der Markt schöpft Mut

Mehr Risiko bei Anlegern: Günstigere Zinsen für Spanien und Italien Bild: dapd

Die Investoren werden zuversichtlicher und risikofreudiger. Das macht sich bei den Neuemissionen von Anleihen bemerkbar. Auch die Banken profitieren von der neuen Stimmung.

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          Die sich an den Finanzmärkten ausbreitende Zuversicht spiegelt sich in den Neuemissionen von Anleihen. Einer höheren Wertschätzung der Investoren erfreuen sich die beiden für die Zukunft der Währungsunion entscheidenden Euro-Krisenländer Italien und Spanien. Das zeigen die neuen Anleihen der beiden Länder, die auf eine robuste Nachfrage stoßen. Dabei sticht der italienische Langläufer heraus. Am Dienstag plazierte Italien eine Anleihe mit 15-jähriger Laufzeit über 6 Milliarden Euro. Der Titel wurde mit 11 Milliarden Euro nachgefragt. Von den Geboten sollen nach Informationen der britischen Zeitung „Financial Times“ etwa 3 Milliarden Euro auf die Konsortialbanken Intesa Sanpaolo, Barclays, Crédit Agricole und JP Morgan entfallen sein.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Besondere an dieser Emission ist die lange Laufzeit. Denn den letzten neuen Bond mit einer Fälligkeit in 15 Jahren hat Italien zuletzt im September 2010 begeben. Doch danach hat sich die europäische Staatsschuldenkrise zugespitzt, entsprechend mieden die Investoren italienische Staatsanleihen, so dass die zehnjährige Rendite im November 2011 auf mehr als 7 Prozent gestiegen war. Zwar hat das Land in der Zwischenzeit Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren aufgestockt und zudem im Juni 2011 einen an die Inflationsrate gekoppelten Titel mit 15-jähriger Laufzeit emittiert, aber ein neuer Langläufer mit festem Zinskupon befand sich nicht darunter.

          Günstige Zinsen für Italien und Spanien

          Die neue 15-jährige Anleihe wird jährlich mit 4,75 Prozent verzinst. Im September 2010 musste Italien für diese Laufzeit einen Kupon von 4,5 Prozent zahlen. „Italien hat bewiesen, dass es sich an den Kapitalmärkten in großem Stil erfolgreich finanzieren und dank seiner Bonität unterschiedlichste Anleger für sich gewinnen kann“, sagte Fabianna del Canto, die im Anleihesyndikat der an der Emission beteiligten Bank Barclays in London tätig ist.

          Auch Spanien kann sich in diesem Jahr zu günstigeren Zinsen finanzieren. Dagegen muss Deutschland für neue Anleihen höhere Zinsen zahlen. So begab der Bund am Mittwoch eine neue zehnjährige Anleihe über 5 Milliarden Euro. Die Nachfrage belief sich auf 6,7 Milliarden Euro. Jedoch stieg die Rendite auf 1,56 Prozent, nachdem die Vorgängerserie im November noch zu 1,4 Prozent aufgestockt worden war. Die Finanzagentur als oberste Schuldenverwalterin des Bundes wertete die Nachfrage als robust und verwies auf das weiter geringe Renditeniveau.

          Dieses ist noch immer das günstigste aller Euroländer. So liegt die zehnjährige Rendite für die Niederlande bei 1,7 Prozent, für Frankreich bei 2,1 Prozent, für Italien bei 4,2 Prozent und für Spanien bei 5,1 Prozent. Die Rendite deutscher Staatsanleihen ist seit Jahresanfang von 1,3 auf bis zu 1,6 Prozent gestiegen. Das drückt die höhere Risikofreude der Investoren aus, die aus sicheren Anlagen, zu denen Bundesanleihen zählen, in riskantere Wertpapiere, zum Beispiel Aktien oder italienische und spanische Staatsanleihen, umschichten. Die in der Auktion am Mittwoch höhere Durchschnittsrendite führte die Finanzagentur auf die „leicht gestiegene Renditeerwartung“ der Investoren zurück.

          Von der höheren Risikofreude der Anleger profitieren auch die Banken. Europäische Banken haben seit Jahresanfang unbesicherte Schuldtitel über rund 18 Milliarden Euro begeben. Das liegt unter den im Vorjahreszeitraum verzeichneten 24 Milliarden Euro. Aber insgesamt haben sich die Finanzierungsbedingungen für die Banken deutlich gebessert. Am Mittwoch plazierte die spanische Großbank Santander eine siebenjährige Anleihe über 1 Milliarde Euro zu einem Zinskupon von 4 Prozent. Anfang vergangener Woche brachte die italienische Großbank Intesa Sanpaolo zwei Dollar-Anleihen über insgesamt 3,5 Milliarden Dollar unter. Die Emission war dreifach überzeichnet.

          Lange Zeit waren Banken vor allem aus Euro-Krisenländern von Dollar-Finanzierungen abgeschnitten. Vor allem amerikanische Investoren hatten sich zurückgehalten. Doch auch sie vertrauen der Europäischen Währungsunion wieder mehr, was sich auch an den steigenden Dollar-Finanzierungen europäischer Banken durch amerikanische Geldmarktfonds ablesen lässt.

          Das gute Marktumfeld haben auch zwei deutsche Unternehmen genutzt, um sich mittel- und langfristig zu finanzieren. Am Dienstag begab der Münchener Automobilhersteller BMW eine drei- und eine zehnjährige Anleihe über insgesamt 1,75 Milliarden Euro. Den Analysten von der WGZ-Bank zufolge belief sich die Nachfrage auf insgesamt 4,25 Milliarden Euro. Am vergangenen Donnerstag emittierte die Deutsche Telekom eine acht- und eine 15-jährige Anleihe über insgesamt 2 Milliarden Euro, die doppelt überzeichnet waren. Alle vier Titel weisen ein Mindestanlagevolumen von jeweils 1000 Euro auf. Privatanleger werden aber auch auf den Zinskupon achten. Denn für den zehnjährigen Titel zahlt BMW nur einen Zins von 2,375 Prozent im Jahr. Die 15-jährige Telekom-Anleihe wird jährlich mit 3,25 Prozent verzinst. Hier zahlt der italienische Staat 1,5 Prozentpunkte mehr.

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