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Anleihen : Zur Wirtschaftsbelebung ziehen die Notenbanken alle Register

  • Aktualisiert am

Runter mit den Zinsen - wie auch immer Bild: dpa

Auf schlechte Konjunkturzahlen werden in der neuen Woche die Notenbanken mit Zinssenkungen reagieren, erwarten Experten.

          An den amerikanischen Rentenmärkten wurden in der vergangenen Woche alle auf dem falschen Fuß erwischt, die auf steigende Renditen bei langlaufenden Anleihen gesetzt hatten.

          Mit der Ankündigung des amerikanischen Schatzamtes, die 30-jährigen Papiere auslaufen zu lassen waren sie urplötzlich gezwungen, sich einzudecken. So sprang der Preis für die Papiere mit einem Kupon von 5 3/8 Prozent und einem Verfall am 15. Februar im Jahr 2031 innerhalb weniger Tage von 102 auf knapp 109 Prozent in der Spitze. Zum Ende der vergangenen Woche lag er noch bei etwa 106,5 Prozent. Die Rendite fiel auf knapp fünf Prozent.

          Suspendierung der "30jährigen" als "Zinssenkungstrick"

          Die Regierung hatte diesen Schritt damit begründet, sie werde so bei der Refinanzierung Steuergelder sparen, da die Renditen der Papiere mit kürzerer Laufzeit tiefer liegen. Aber Experten sehen ganz andere Motive. So sei das Schatzamt wohl müde gewesen, sich Klagen über die hochbleibenden langfristigen Zinsen anzuhören. Denn die Rendite der „Langläufer“ war zuvor im Jahresverlauf nur um 25 Basispunkte gefallen, nach der Ankündigung aber allein am vergangenen Mittwoch um 32 Basispunkte. „Um das Thema vom Tisch zu bringen haben sie einfach beschlossen, keine neuen Papiere mehr auf den Markt zu bringen“, sagte Paul DeRosa von Mt. Lucas Management.

          „Die Behörden tun alles, um die Anleger zu zwingen, Aktien zu kaufen“, sagt Robert Morris, Chief Investment Officer bei Lod, Abbitt & Co. Tiefere Renditen machten Anleihen im Vergleich mit Aktien weniger attraktiv, ebenso defensive Werte im Vergleich mit Technologietiteln.

          Weitere Zinssenkungen erwartet

          Weitere Munition wird in der kommenden Woche erwartet. Experten gehen davon aus, dass die amerikanische Notenbank unter dem Eindruck schwacher Konjunkturdaten am kommenden Dienstag die Leitzinsen um einen weiteren halben Prozentpunkt auf dann nur noch zwei Prozent senken wird. Das wird dann die tiefste Rate seit vier Jahrzehnten sein. „Davon werden vor allem die zweijährigen Papiere mit Kursgewinnen profitieren“, denkt Rentenstratege Michael Cloherty von Credit Suisse First Boston. Dagegen rechnet er bei den längeren Laufzeiten mit Druck, da dort ein steigendes Angebot die Preise drücken könnte. „Die Preise sind in der Vergangenheit ziemlich weit gelaufen und das Angebot nimmt zu“, kommentiert auch Analystin Roseanne Briggen Von Mcarthy Crisanti & Maffei die Lage.

          Von dieser Entwicklung wurden auch die europäischen Rentenmärkte beeinflusst. Innerhalb der vergangenen zehn Tage stieg der Bund-Future von 110 Prozent bis auf knapp 113 Prozent am ersten November, bevor er unter Gewinnmitnahmen wieder auf 112,12 Prozent nachgab. Die Rendite sank im Tief bis auf 4,38 Prozent. Wie in den USA spielt auch hier die Zinsfantasie eine Rolle. 19 von 24 von Bloomberg befragten Volkswirten gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank am kommenden Donnerstag die Leitzinsen um mindestens 25 Basispunkte senken wird.

          Langsam nähert sich die geldpolitische Grenze

          Die Volkswirte von HSBC Trinkaus & Burkhardt hoffen sogar auf einen halben Prozentpunkt. Der sei im Euribor-Future, dem Terminkontrakt für kurzfristige Zinssätze, schon weitgehend escomptiert. Dagegen erwarten sie „am langen Ende, beim Bund-Future, eine Korrektur nach der Euphorie. So sei ein Rückschlag auf den kurzfristigen Aufwärtstrend bei 110,99 Prozent nicht ausgeschlossen. Die Grundstimmung sei aber weiterhin positiv.

          „Der Markt baut auf Flexibilität in der Geldpolitik, der Fiskalpolitik und am Arbeitsmarkt“, sagt Charles Van Vleet von Credit Suisse Asset Management. Die amerikanische Geldpolitik sei aber nun langsam ausgereizt und stoße immer mehr an ihre Grenzen, gibt er zu bedenken.

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