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Anleihen : Sind Staatsanleihen noch überbewertet?

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Bild: Goldman Sachs Global Markets Research

An den internationalen Anleihemärkten ging es in den vergangenen Tagen zur Sache: Konjunkturoptimismus, Inflations- und Zinssorgen führten zu deutlich steigenden Renditen. Sudoku-Modell hält Staatsanleihen immer noch für überbewertet.

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          Konnten sich Marktteilnehmer lange Zeit nicht so richtig das Niveau erklären, auf das die internationalen Rentenmärkte in den vergangenen Jahren gestiegen waren und auf dem sie sich die längste Zeit beharrlich hielten, so hat sich in den vergangenen Tagen beides geändert.

          Denn die Kurse der Staatsanleihen waren sowohl in den Vereinigten Staaten, in Europa und auch in Japan deutlich gefallen und die Renditen zogen an. Inzwischen liegt die Rendite bei amerikanischen Staatspapieren mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren über der Marke von fünf Prozent, vergleichbare deutsche Papiere rentieren mit 4,55 Prozent und die japanischen Pendants liegen bei 1,9 Prozent.

          Sind Staatsanleihen wieder kaufenswert?

          Diese Niveaus könnten nun so langsam wieder attraktiv werden und Anleger anziehen, heißt es inzwischen wieder. Solche Überlegungen dürften sich jedoch eher aus der „gewohnten“ Marktlage der vergangenen Jahre erklären lassen, in der die Zinsen beinahe weltweit im Trend fielen und die Kurse der Anleihen nach oben liefen. Diese Entwicklung wurde einerseits durch disinflationäre Impulse erklärt, die von der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft ausgingen und die die Inflationsraten beinahe weltweit unter Druck setzten. Phasenweise ging sogar das „Deflationsgespenst“ um.

          Daneben wurde auch immer wieder die hohe Liquidität angeführt, die unter anderem auf das „Recycling“ von rasch und deutlich auflaufenden Währungsreserven in Asien und in den energiereichen Staaten zurückzuführen sei. Diese wurden zu einem großen Teil an den internationalen Rentenmärkten investiert und hielten aus diesem Grund die Renditen lange Zeit auf einem tiefen Niveau. Selbst die so genannten „Carry Trades“ wurden angeführt, die unter anderem japanische Anleger aufgrund der tiefen Nominalzinsen in Japan zunehmend an die internationalen Finanzmärkte trieb.

          Inzwischen hat sich das Umfeld allerdings etwas gewandelt. Denn das Deflationsgespenst hat sich als Fiktion entpuppt und längst verschwunden. Viele Zentralbanken befinden sich auf einem restriktiven Kurse, erhöhen die Leitzinsen und bemühen sich, das Geldmengenwachstum wenigstens zu bremsen. Gingen die Marktteilnehmer lange Zeit davon aus, dass die amerikanische Zentralbank den Leitzins aufgrund der ausgeprägten konjunkturellen Schwäche bald senken werde, so hat sich inzwischen selbst diese Erwartung verflüchtigt. Genau dieser Meinungsumschwung dürfte zu den jüngsten Kursverlusten am Rentenmarkt beigetragen haben. Ob er mit Blick auf die schwache amerikanische Konjunktur gerechtfertigt ist, dürfte sich erst noch zeigen müssen.

          ... ein Bewertungmodell von Goldman Sachs hält sie immer noch für überteuert

          Fakt ist jedoch, dass die Inflationsraten beinahe weltweit auf einem erhöhten Niveau halten oder gar nach oben tendieren. Auf diese Weise gerieten die realen Renditen unter Druck. Das dürfte zu den Kursverlusten der vergangenen Tagen ebenso beigetragen haben wie Hedging-Aktivitäten, die vom amerikanischen Immobilienmarkt ausgehen.

          Solche Tendenzen dürften auch deswegen auf fruchtbaren Boden fallen können, da die Rentenmärkte in der Vergangenheit nicht nur hoch bewertet waren, sondern nach einer modelltheoretischen Analyse von Goldman Sachs sind sie es immer noch. Sie setzten das so genannte Sudoku-Bewertungsmodell ein. Es zeigt, dass sich die Renditen trotz des jüngsten „Ausverkaufs“ immer noch unter dem so genannten „Gleichgewichtsniveau“ befinden: 50 Basispunkte für amerikanische und deutsche Anleihen, 30 Basispunkte für japanische Staatspapiere und satte 70 Basispunke für britische Gilts. Besonders die amerikanischen und die britischen Anleihen seien auf Basis des Modells anfällig für weitere Anpassungen der Wachstumserwartungen. In diesem Sinne dürfte es möglicherweise verfrüht sein, schon über den Kauf von Anleihen nachzudenken.

          Allerdings könnte sich das rasch ändern, sollte sich der Konjunkturoptimismus in den Vereinigten Staaten verflüchtigen. Denn wirklich gut sind die Zahlen dort nicht. Untersuchungen zeigen zudem, dass die amerikanische Produktivität durch falsche Statistiken in den vergangenen Jahren deutlich überschätzt wurde.

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