https://www.faz.net/-gv6-reed

Anleihen : Rentendepots lassen sich steuerorientiert ausrichten

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Die Stimmung an den Rentenmärkten ist durch Zinserhöhungen gedämpft worden. Allerdings liegen die Papiere immer noch in vielen Depots. Sie bieten steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, die vor dem Jahreswechsel interessant sein können.

          2 Min.

          Mit Anleihen ließ sich in den vergangenen Jahren gutes Geld verdienen. Denn Rentenanleger konnten nicht nur die regelmäßig einlaufenden Kupons einkassieren, sondern aufgrund im Trend fallender Renditen Kursgewinne verbuchen.

          Künftig dürften die Renditen zwar eher steigen als fallen. Trotzdem werden Anleihen bei vielen Anlegern immer noch eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere dann, wenn sie langfristig orientiert sind und auf regelmäßige Einnahmen Wert legen. Denn wer sich die Papiere guter Schuldner ins Depot legt und sicher ist, zwischenzeitlich nicht verkaufen zu müssen, erhält während der Laufzeit nicht nur die Kupons, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit am Ende der Laufzeit auch das Kapital wieder zurück.

          Anleihen und anleiheähnliche Instrumente bieten steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten

          Mit Blick auf die Steuern bieten Anleihen oder anleiheähnliche Instrumente gewisse Gestaltungsmöglichkeiten. Sollten Anleger ihren Sparerfreibetrag im laufenden Jahr schon ausgeschöpft haben, so können sie kurz vor dem Jahreswechsel auf Anleihen mit hohem Stückzinsanteil setzen, um auf diese Weise Kapitalerträge ins kommende Jahr zu verlagern. Denn dann verfügen sie wieder über den vollen Freibetrag. Gezahlte Stückzinsen können im laufenden Jahr als negative Einnahmen verbucht werden. Allerdings ist das ganze Manöver sinnvoll, wenn die Gesamtstrategie erfolgsversprechend ist. Ansonsten besteht die Gefahr, daß das Finanzamt nicht mitspielt.

          Besonders interessant sind dafür hochverzinsliche Papiere, deren Kupontermin in den Januar des kommenden Jahres fällt. Für Anleger, die absehen können, daß ihr persönlicher Steuersatz in absehbarer Zeit zurückgehen wird, sind auch Null-Kuponanleihen interessant, um Einnahmen in die Zukunft zu verlagern. Bei solchen Papieren fallen während der Laufzeit keine Kuponzahlungen an. Der Ertrag errechnet sich alleine aus der Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis.

          Das sind aber Ausnahmesituationen. Denn grundsätzlich sind Anleihen mit geringen Kupons mit Blick auf die Rendite nach Steuern die erste Wahl, da die laufenden Zinseinnahmen im Gegensatz zu Kursgewinnen versteuert werden müssen. Denn letztere sind bisher nach einem Jahr steuerfrei. Aus diesem Grund bieten niedrigverzinsliche Papiere in der Regel Ertragsvorteile im Vergleich zu hochverzinslichen Titeln.

          Das gilt auch für Aktienanleihen und Genußscheine

          Auch bei Aktienanleihen gibt es besondere Aspekte. Sie werden seit dem Jahr 2001 steuerlich als Kursdifferenzgeschäfte betrachtet. Steuerlich werden sie dann interessant, wenn sich der Anleger „verzockt“ hat und wenn er am Ende der Laufzeit Aktien oder andere Basiswerte angedient erhält, statt den angestrebten hohen Kupon. In diesem Fall kann er den Rückzahlungsverlust - berechnet als Differenz zwischen Kaufpreis der Anleihe und dem Andienungspreis der Aktie - gegen andere Einkünfte aus Kapitalvermögen oder gar mit anderen Einkunftsarten verrechnen. Nimmt er im laufenden Jahr nichts ein, können die Verluste auch vor- oder rückübertragen werden.

          Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten bieten auch Genußscheine. Hier empfiehlt sich der Kauf solcher Papiere unmittelbar nach einer Ausschüttung. Denn zu diesem Zeitpunkt gibt in der Regel der Kurs nach und bietet so eine günstige Kaufgelegenheit. Wer nun kauft und das Papier erst wieder zum übernächsten Zinstermin veräußert, kann zumindest die dazwischen liegenden Kursgewinne steuerfrei vereinnahmen.

          Auch Doppelbesteuerungsabkommen mit ausländischen Staaten haben gewisse Reize. Denn manche dieser Abkommen sehen die fiktive Anrechnung einer fiktiven Quellensteuer vor, auch wenn im Ausland tatsächlich keine oder nur einer niedrige Quellensteuer einbehalten wurde. Auf diese Weise können Anleger ihre Nachsteuerrendite zu Lasten des deutschen Fiskus erhöhen. In diesen Fällen ist es nicht einmal notwendig, die angeblich im Ausland gezahlten Steuern nachzuweisen. Entsprechende Doppelbesteuerungsabkommen bestehen mit China (fiktiver Steuersatz 15%), Portugal (fiktiver Steuersatz 15%) und der Türkei (fiktiver Steuersatz 10%). Ein Abkommen mit Brasilien läuft zum Jahresende aus.

          Weitere Themen

          Krisenopfer Bankfiliale

          Verändertes Kundenverhalten : Krisenopfer Bankfiliale

          Die Pandemie hat viele Kunden gezwungen, ihre Bankgeschäfte statt in der Filiale über alternative Kanäle zu erledigen. Fachleute werten das als eine gute Gelegenheit für deutsche Banken, ihr Filialgeschäft neu auszurichten.

          Topmeldungen

          Kulissen wie diese am Grundlsee ziehen Urlauber normalerweise in Scharen nach Österreich. 280.000 Menschen leben dort direkt vom Tourismus.

          Tourismus in Österreich : Urlaub nach der „Ischgl-Lektion“

          Ferien in Österreich: Das verspricht Erholung zwischen Bergen und Seen. Doch in der Corona-Krise zeigt das Geschäftsmodell seine Risiken. Warum das Land die Gäste aus Deutschland nun so dringend braucht.
          Grenzkonflikt im Himalaja: Indische Soldaten halten neben der nationalen Autobahn nach Ladakh Wache.

          Indien und China im Streit : Eskalation im Himalaja

          Der Konflikt zwischen Indien und China verschärft sich. Er wird mit Eisenstangen und wirtschaftlichen Waffen ausgetragen – und könnte sich gefährlich ausbreiten.
          Wer will, wer hat noch nicht? Rekruten der Bundeswehr nehmen am 20. Juli 2009 vor dem Reichstagsgebäude in Berlin an einem öffentlichen Gelöbnis teil.

          Reaktionen auf Högl-Vorschlag : Wehrpflicht? Nein, danke!

          Die Wehrbeauftragte will eine Debatte über die Wiedereinsetzung. Dafür erntet sie heftige Kritik. Die Verteidigungsministerin schlägt einen Freiwilligendienst vor – und erteilt dem Vorschlag eine Absage.
          Die Plexiglaswand schützt Arzt vor Patient.

          Schutz vor Tröpfcheninfektion : Mit dem Schlauch durch die Wand

          Bei Untersuchungen von möglichen Covid-19-Patienten können kleinste infizierte Tröpfchen übertragen werden. Ein Ärzteteam hat nun einen mobilen Schutzschild konstruiert, der die Aerosole abhält.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.