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Anleihen : Privat plazierte Wertpapiere kritisch betrachten

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Mit der Sonne steigen die Zinsen - und die Risiken Bild: AP

Ein Angebot von 8,25 Prozent Zinsen pro Jahr hört sich in Zeiten rekordtiefer Renditen richtig gut an: Die Rede ist von privat plazierten Anleihen. Anleger sollten sich allerdings nicht blenden lassen und die Risiken beachten.

          Liest man Zeitungen und Zeitschriften oder „surft“ man durch das Internet, so findet man immer wieder überraschende Angebote. Unter dem Motto „Mehr Zinsen für Ihr Geld“ preist beispielsweise die EECH, also ein Unternehmen namens European Energy Consult Holding, eine Anleihe mit einem halbjährlich zahlbaren Kupon von 8,25 Prozent mit einer Laufzeit von sechs Jahren zu einem Ausgabekurs von 100 Prozent an.

          Das hört sich sehr lukrativ an, bieten doch Bundesanleihen mit einer vergleichbaren Laufzeit mit 3,16 Prozent nicht einmal die halbe Rendite. Es werden auch weitere angebliche Vorteile genannt: Rückzahlung zu 100 Prozent, keine Kursschwankung und keine Ausgabekosten. In einem Umfeld steigender Rohstoff- und Energiepreise gibt es weitere „Reize“: „Euro Anleihe Solar - mit der Sonne steigen die Zinsen! Im Welt-Energiemarkt der Zukunft spielt die Solarenergie eine tragende Rolle. Ein Milliarden-Euro-Markt der Superlative. Sichern Sie sich jetzt die lukrative Möglichkeit, mit uns gemeinsam von diesem internationalen Wachstumsmarkt zu profitieren,“ heißt es da so schön.

          Prospekt geizt mit Angaben zur Wirtschaftlichkeit ...

          Weiterhin spielt das Verkaufsprospekt auf die zunehmende Energieknappheit an. Erneuerbare Energien seien unsere Zukunft. Investitionen in diesen Bereichen seien deswegen nicht nur lukrativ, sondern auch durch den Gesetzgeber abgesichert. Davon wolle EECH profitieren, nach dem Windkraft- nun vor allem im Solarbereich expandieren und und die Zeichner der Anleihe am Erfolg teilhaben lassen. Die Erlöse der Anleihe sollen als temporäres Expansionskapital verwendet werden.

          Die eigentliche Aktivität des Unternehmens wird im Prospekt allerdings recht diffus beschrieben. Es scheint in erster Linie am Vertrieb von Beteiligungen an Wind- und Solarkraftprojekten interessiert zu sein, um an den Vermittlungsprovisionen zu verdienen. Wie lukrativ die vermittelten Projekte sind, welche Erträge dabei zu erzielen sind und welche Haftungsrisiken dabei eingegangen werden, wird nicht sonderlich detailliert erläutert. Das Prospekt wurde zwar von der BaFin auf formale Vollständigkeit geprüft, auf die Seriosität des Anbieters läßt sich daraus allerdings nicht schließen.

          Die Privatplazierung von Anleihen ist an sich ist das ein völlig legitimer Vorgang und grundsätzlich möglich. Allerdings vermitteln solche Prospekte nicht selten ein optisch besseres Bild, als die Wirklichkeit ist. Zu denken geben sollte alleine schon der im Vergleich mit relativ risikolosen Bundeswertpapieren oder einer Festgeldanlage überhöhte Kupon. Er deutet in der Regel auf ein gewisses Risiko hin. Die entscheidende Frage ist, ob und wie solide das Unternehmen mit den eingenommenen Geldern wirtschaftet. Die Bonitätsbeurteilung dürfte angesichts des eher diffus gehaltenen Verkaufsprospektes schwer fallen. Gerät das Unternehmen jedoch in Schwierigkeiten, kann der Anleger kaum mit der Rückzahlung des Kapitals rechnen.

          ... Risiken sind nicht zu übersehen

          Ein anderer Punkt ist das Kursrisiko. Wenn im Prospekt steht, es bestehe keines, so gilt das nur für jene Anleger, die tatsächlich die Absicht haben, das Papier bis zum Verfall zu halten. Während der Laufzeit muß es zumindest theoretisch bei einer Veränderung der Zinslandschaft zu Kursveränderungen kommen. Steigen die Zinsen, so wird das Papier während der Laufzeit weniger wert. Dazu kommt dann das Liquiditätsrisiko. Der Anleger hält zwar ein Inhaberpapier, das er an andere Anleger verkaufen kann, wenn er plötzlich Geld benötigen sollte. Allerdings muß er erst einmal einen Käufer finden. Und selbst dann stellt sich die Frage, welchen Preis dieser zahlen möchte.

          Bei börsengehandelten Papieren ist das einfacher: Ein aktueller Kurs und damit der Wert läßt sich bei einigermaßen liquiden Papieren täglich an der Kurstafel ablesen. Die Börse bietet einen weiteren Vorteil: Die Kurse geben nicht nur Zinsveränderungen wider, sondern auch Informationen über den Geschäftsgang des Unternehmens. Sollte es bei unveränderten Zinsen zu deutlichen Kursveränderungen kommen, so ist das ein möglicher Hinweis auf eine besonders gute Entwicklung oder ein Krisenzeichen. Auch auf solche Informationen muß ein Anleger verzichten, wenn er Unternehmensanleihen im Rahmen einer Privatplazierung erwirbt.

          Ingesamt sollten Anleger Privatplazierungen, seien es Aktien, Genußscheine, Anleihen oder andere Wertpapierarten, mit einer gewissen Portion Skepsis betrachten und nur dann zeichnen, wenn sie das Unternehmen genau kennen und von dessen Seriosität überzeugt sind. Gleichzeitig dürfte es ratsam sein, selbst dann nur einen kleinen Teil des Vermögens dafür einzusetzen.

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