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Anleihen : Kreditkrise hinterlässt Spuren bei den Anleihen kasachischer Banken

  • Aktualisiert am

Bild: Raymond James Securities

Wegen ihrer hohen Verschuldung in Auslandswährung haben kasachische Banken derzeit schwer zu kämpfen. Das spiegelt sich in den Anleihenkursen wider. Hier sind Renditen von deutlich über zehn Prozent inzwischen an der Tagesordnung

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          Die vom amerikanischen Immobilienmarkt ausgegangene Kreditkrise zieht fast weltweit ihre Kreise. Negative Spuren hinterlässt das Problem auch in Kasachstan. Wobei wie immer in solchen Fällen natürlich auch noch eigenes Verschulden hinzukommt.

          In Kasachstan ist der Knackpunkt neben spekulativen Übertreibungen auf den Immobilienmärkten in den beiden wichtigsten Städten Almaty and Astana die Tatsache, dass sich die dortigen Banken stark in ausländischen Währungen verschuldet haben (von Anfang 2003 bis Mitte Dezember 2007 wurden insgesamt 30,5 Milliarden Dollar im Ausland aufgenommen) und zudem über die vergebenen Kredite zudem auch noch sehr am heimischen Bausektor hängen. Vor allem aber ist ein Teil dieser Schulden kurzfristiger Art und muss irgendwann verlängert werden. In Zeiten wie aktuell aber, in denen die Risikoaversion der Anleger hoch ist, fällt eine Prolongation schwer oder ist nur zu deutlich schlechteren Konditionen zu bekommen.

          Weil es zuletzt eng geworden ist für die kasachischen Banken, war teilweise auch schon von Liquiditätsengpässen die Rede. Das überrascht nicht, wurden von August bis Oktober doch 6,8 Milliarden Dollar an Auslandswährung abgezogen, was 28 Prozent der Währungsreserven der Notenbanken entspricht.

          Bild: Raymond James Securities

          Krise hinterlässt erste volkswirtschaftliche Spuren

          Dass es längst nicht mehr so rund läuft wie noch vor zwölf Monaten, zeigt sich auch am Bruttoinlandsprodukt. Dieses ist von Januar bis September zwar noch mit einer ansehnlichen Rate von 9,7 Prozent gewachsen, wegen der aufgekommenen Probleme hat die Regierung unlängst aber die Wachstumsprognose für 2008 von bisher 9,4 Prozent auf mindestens fünf Prozent gesenkt. Ein zunehmendes Problem stellt auch die Inflation dar, die sich im November auf 16,5 Prozent belief. Die Notenbanken hat deswegen jüngst die Refinanzierungsrate von neun auf elf Prozent erhöht;

          Bei der Ratingagentur Standard & Poor´s haben die Verantwortlichen auf das geschilderte verschlechterte Umfeld dahingehend reagiert, indem sie im Oktober das Rating des Landes selbst um eine Stufe auf BBB- gesenkt haben (gerade noch Investmentgrad) und jüngst noch einmal den Ausblick für die Kreditwürdigkeit von acht Banken von stabil auf negativ gesenkt haben. Bei den Banken konkret betroffen sind Kazkommertsbank, Bank TuranAlem, Halyk Savings Bank of Kazakhstan, Alliance Bank, Temirbank, BTA Ipoteka Mortgage, Nurbank, und Eurasian Bank. Bei Moody´s, wo das Rating von vier Banken Anfang November gesenkt wurde, weisen die Kazkommertsbank and die Bank TuranAlem jetzt ein Rating von Ba1 auf, was eine Stufe unter dem Investmentgrad ist. Die TemirBank liegt mit einem Rating von Ba2 noch eine Stufe unter diesem Niveau.

          Staatspräsident Nursultan Nazarbayev hat die Maßnahmen seinerseits mit Kritik an den Ratingagenturen geübt. Er hält Rückstufungen beim Rating für ungerechtfertigt. Zur Begründung verweist er darauf, dass der Staat keine Bank werde pleite gehen lassen, sondern im Bedarfsfall stützend eingreifen wird. Das Geld für solche Operationen wäre dank des Reichtums an Öl und sonstigen Rohstoffen theoretisch sicherlich auch vorhanden und im November wurden dem Bankensektor auch schon einmal vier Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt.

          Rendite von deutlich über zehn Prozent inzwischen an der Tagesordnung

          Am Markt schenkt man den Beteuerungen aber derzeit trotzdem nur begrenzt Glauben. Nachdem ausländische Investoren in den vergangenen drei Jahren rund 41 Milliarden Dollar in dem Land investiert haben, gibt es derzeit für kasachische Banken praktisch keinen Zugang zu frischen ausländischen Kapital. Während die Institute in den ersten acht Monaten 2007 Euro-Anleihen und syndizierte Kredite mit einem Volumen von 8,63 Milliarden Dollar platzieren konnten, waren es in den drei Monaten danach nur noch 300 Millionen Dollar.

          Ablesen lässt sich die Skepsis auch an den existierenden Anleihen der Banken. Denn diese mussten in den vergangenen Wochen herbe Rückschläge hinnehmen. So wirft die bis zum 29.11.2016 laufende und einem Nominalzinssatz von 7,5 Prozent ausgestattete Dollar-Anleihe (Isin: XS0276707923) der Kazkommertsbank, dem größten Kreditinstitut des Landes derzeit beim aktuellen Kurs von 78,33 Dollar immerhin eine Rendite von 11,65 Prozent ab. Noch einen Schnaps mehr bringt mit 11,78 Prozent die bis 10.02.2015 laufende und einem Kupon von 8,5 Prozent ausgestattete Dollar-Anleihe (ISIN: XS0276707923) der Bank TuranAlem, dem zweitgrößten Branchenvertreter. Und die bis zum 21.05.2014 laufende und einen Kupon von 9,5 Prozent aufweisende Dollar-Anleihe von Temir Capital wirft zum derzeitigen Kurs von 80,40 Dollar sogar eine Rendite von 14,61 Prozent ab.

          Wer daran glaubt, dass der Staat im Bedarfsfall schon in die Bresche springen wird und vor allem auch allen Verpflichtungen von in Schwierigkeiten geratenen Banken nachkommen wird, der könnte die hohen Renditen nutzen. Die Schilderungen haben aber deutlich gemacht, dass es im Bankensektor, der nicht zuletzt mit Hilfe des ausländischen Kapitals seine Assets seit 2002 bis Anfang November 2007 auf fast 95 Milliarden Dollar verzehnfacht hat, auch große Risiken gibt, weshalb sehr konservative Anleger besser die Finger von den Papieren lassen. Im Grunde genommen handelt es sich mit Kasachstan aber um ein aussichtsreiches Land, das mit dem Rohstoffreichtum auch ein wichtiges Pfand besitzt, um schwierige Zeiten zu überstehen.

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