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Anleihen : Investoren sehen Ende der Rally bei US-Staatsanleihen

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Mit dem Optimismus an den Börsen schwindet die Fantasie an den Rentenmärkten. Die Anleger lassen sich kaum noch von den geringen Renditen locken.

          Die dreijährige Kursrally bei amerikanischen Staatsanleihen könnte am 9. Oktober zu Ende gegangen sein, sagen Investoren. An dem Tag sank der Standard & Poor's Index auf den tiefsten Stand seit 1997.

          Seitdem hat das Börsenbarometer 21 Prozent zugelegt, während die zehnjährige Benchmark-Anleihe 4,4 Prozent verloren hat. Die Rendite ist von dem 44-Jahres-Tief von 3,57 Prozent auf 4,25 Prozent gestiegen. "Die Phase steigender Kurse bei den Treasuries ist wahrscheinlich vorbei," prognostiziert Bill Gross, der den weltgrößten Anleihefonds, den Total Return Fund von Pacific Investment Management (Pimco) verwaltet. Die Fondsgesellschaft gehört zur Allianz AG.

          Investoren setzen auf eine Konjunkturerholung

          Die Investoren setzen nun auf eine Konjunkturerholung und erhoffen sich höhere Renditen von Investments in Aktien und Unternehmensanleihen. "Würden Sie bei den starken Konsumausgaben und der Kurserholung an der Börse Ihr Geld für die nächsten 30 Jahre festlegen wollen?" gibt Kurt Harrison, einer der beiden Leiter Handel Staatsanleihen bei der Bank of America Securities LLC zu bedenken.

          Die Kursrally bei den Treasuries hatte im Januar 2000 begonnen. In dem Zeitraum bis zum 9. Oktober 2002 brachte die zehnjährige Benchmark-Anleihe dem Investor Kursgewinne von 40 Prozent ein, während der S&P 500-Index die Hälfte seines Wertes einbüßte. Zum ersten Mal seit 1939-1941 sieht es so aus, als ob die Staatsanleihen das dritte Jahr in Folge die Aktien schlagen können, erklärt die Research- Gesellschaft Ibbotson Associates aus Chicago.

          Der Renditeanstieg seit Anfang Oktober stellt allerdings nicht die Investoren zufrieden, die eine höhere Rendite einfahren wollen. In diesem Monat kauften Anleger für über 44 Milliarden Dollar Anleihen von Unternehmen wie Kraft Foods und International Business Machines. Die IBM-Papiere wiesen einen Renditeaufschlag von 93 Basispunkten gegenüber Treasuries auf. Durch die stärkere Nachfrage schrumpft der Risikoaufschlag zwischen Unternehmensanleihen der Investment Grade-Kategorie und Treasuries mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr. Er hat sich von 2,67 Prozentpunkte im letzten Monat um mehr als einen halben Prozentpunkt zurückgebildet, berichtet Merrill Lynch & Co.

          Anleger sind wieder bereit, Risiken zu nehmen

          "Bei den Anlegern hat sich die Stimmung geändert, sie sind wieder bereit, mehr Risiko einzugehen," beobachtet David Brownlee, Fondsmanager bei National Life Investment Management in Montpelier. "Bei den Staatsanleihen lohnt sich die Rendite kaum noch." Die Gefahr eines Krieges lässt die Anleger noch zögern, ihre Staatsanleihen zu schnell zu verkaufen, sagen Ökonomen. "Wenn die Kriegsangst vorbei ist, werden die Anleger auch wieder zuversichtlicher," meint Stephen Stanley, Ökonom bei RBS Greenwich Capital in Greenwich.

          Die Analysten hatten bereits zuvor das Ende der Kursrallye am Bondmarkt ausgerufen - und daneben gelegen. Die Investoren trennten sich am ersten April von ihren Staatsanleihen und schickten die Zehnjahresrendite auf ein Zehn-Monats-Hoch, nachdem ein Produktionsindex stärker als erwartet gestiegen war. Sie befürchteten, dass die US-Notenbank die Zinsen zum ersten Mal seit Mai 2000 wieder anheben würde. Die Bondrally ging allerdings weiter, als in Tagen darauf Konjunkturdaten herauskamen, die eine schwächere Produktion in der Industrie und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit signalisierten.

          Zunehmendes Angebot am Rentenmarkt

          Jetzt droht den Anlegern am Bondmarkt ein höheres Angebot an Treasuries, was auf die Kurse der bereits am Markt befindlichen Papiere drücken wird. Wegen des steigenden Haushaltsdefizits muss die Regierung den Kapitalmarkt stärker in Anspruch nehmen. Das Finanzministerium begab diesen Monat für 40 Milliarden Dollar fünf- und zehnjährige Papiere. Da die Republikaner jetzt auch die Kontrolle im Kongress haben, ist es wahrscheinlicher, das Präsident George W. Bush eine Steuererleichterung von 1,35 Billionen Dollar dauerhaft festschreiben will, prognostizieren Analysten. "Es ist jetzt leichter, ein Konjunkturprogramm durchzubringen. Die Regierung wird mehr Anleihen begeben müssen," konstatiert Sadakichi Robbins, Leiter Handel Festverzinsliche bei Bank Julius Bär.

          Die Eurodollar-Terminsätze, die als Indikator für die Dreimonatszinsen gelten, signalisieren, dass die Händler damit rechnen, dass die Fed bis zum dritten Quartal nächsten Jahres die Zinsen erhöht. Am 6. November reduzierte die US-Notenbank den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 1,25 Prozent, das ist der tiefste Stand seit 41 Jahren. "Das Ende der Rallye am Bondmarkt ist erreicht, wenn die Kapitalkosten nicht weiter sinken können," fasst Fondsmanager Gross von der Allianz-Tochter Pimco zusammen. "Es ist natürlich die Fed, die den Anker auswirft."

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