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Anleihen in Fremdwährung : Unternehmen finanzieren sich leichter in Dollar

Lieber den Schein, als die Münze: Der Dollar ist derzeit beliebter Bild: dapd

Europäische Unternehmen begeben mehr als doppelt so viele Dollar-Anleihen wie Banken. Die leiden unter dem Misstrauen amerikanischer Investoren und flüchten sich in den Kapitalmarkt.

          Europäische Unternehmen können sich derzeit leichter in Dollar finanzieren als Banken. Wie aus Daten des britischen Finanzdatenanbieters Dealogic hervorgeht, haben europäische Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf auf Dollar lautende Anleihen im Volumen von 109,4 Milliarden Dollar emittiert. Das ist ein Anstieg von gut einem Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem das dritte Quartal sogar vollständig berücksichtigt wird. Europäische Unternehmen haben in diesem Jahr schon mehr Dollar-Anleihen plaziert als in den Gesamtjahren 2011 und 2010. Größere Anleiheemissionen in Dollar haben Volkswagen mit einem Volumen von 3,35 Milliarden Dollar im März und der Automobilzulieferer Schaeffler mit 2,67 Milliarden Dollar im Februar begeben.

          Misstrauen amerikanischer Investoren gegenüber Banken

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dagegen leiden europäische Banken unter dem Misstrauen amerikanischer Investoren aufgrund der Euro-Staatsschuldenkrise. Den Dealogic-Zahlen zufolge haben europäische Banken im bisherigen Jahresverlauf Anleihen in der amerikanischen Währung von 52,6 Milliarden Dollar emittiert. Das ist nicht einmal die Hälfte des Emissionsvolumens der Unternehmen. Im vergangenen Jahr belief sich allein in den ersten sechs Monaten das Volumen an neuen Dollar-Anleihen europäischer Banken auf knapp 91 Milliarden Dollar. Die zweite Jahreshälfte 2011 war überschattet von der Eskalation der europäischen Schuldenkrise, so dass die Emissionen von Dollar-Anleihen europäischer Banken auf 14 Milliarden Dollar sanken. Im Jahr 2010 hatten europäische Banken zwischen Januar und September noch Dollar-Anleihen von knapp 126 Milliarden Dollar plaziert.

          Schon seit geraumer Zeit fahren amerikanische Geldmarktfonds ihr Engagement bei Banken der Eurozone deutlich zurück. Nach einer Aufstellung der amerikanischen Bank JP Morgan haben die Geldmarktfonds ihre überwiegend kurzfristigen Finanzierungen von Banken aus der Währungsunion in den zwölf Monaten bis Ende Juni um 257 Milliarden auf 152 Milliarden Dollar reduziert. Gegenüber deutschen Banken bauten die Fonds ihr Engagement um 37 auf 46 Milliarden Dollar ab. Noch deutlicher fällt der Rückgang für französische Banken aus. Diesen entzogen die amerikanischen Geldmarktfonds 158 Milliarden Dollar, so dass das Engagement Ende Juni nur noch 49 Milliarden Dollar ausmachte. Seit 2008 haben französische Banken ihre Forderungen in den Vereinigten Staaten von 800 Milliarden auf 500 Milliarden Dollar reduziert.

          Banken finanzieren sich stärker am Kapitalmarkt

          Ein ähnliches Bild wie am Anleihemarkt zeigt sich auch bei den Konsortialkrediten, wo sich mehrere Banken für den Kredit an einen Schuldner zusammenschließen. Im bisherigen Jahresverlauf erhielten europäische Unternehmen syndizierte Dollar-Kredite über 96 Milliarden Dollar. In den ersten neun Monaten waren es sogar noch 155 Milliarden Dollar. Europäische Banken bekamen seit Jahresanfang Konsortialkredite in der amerikanischen Währung über 6 Milliarden. Allerdings finanzieren sich die Banken traditionell stärker am Kapitalmarkt. Konsortialkredite spielen für sie eine deutlich geringere Rolle als für Unternehmen.

          Dass viele europäische Banken gegenwärtig einen schwierigen Zugang zum Dollar-Markt haben, spielt den amerikanischer Banken hierzulande in die Hände. Vor allem bei Anleiheemissionen in Dollar greifen europäische Unternehmen auf sie zurück. Von 2010 bis heute haben die Bank of America, JP Morgan, Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley die meisten Anleihedebüts ausländischer Emittenten am amerikanischen Anleihemarkt begleitet. Die Bank of America kommt mit einem Volumen von 18,9 Milliarden Dollar auf einen Marktanteil von 22 Prozent. Dahinter liegt JP Morgan, die Erstemissionen über 15,2 Milliarden Dollar begleitete, was einem Marktanteil von 18 Prozent entspricht.

          Etwas entspannt hat sich die Lage am Devisenterminmarkt für europäische Banken. Zwar lassen sich deren Geschäftspartner, amerikanische Banken und europäische Unternehmen, die in Amerika günstig Dollar aufnehmen können, den Devisentausch noch immer bezahlen. Aber der Preis für eine Laufzeit von drei Monaten ist seit Ende 2011 von mehr als 1,5 Prozentpunkten auf weniger als 0,5 Prozentpunkte gesunken.

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