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Anleihen : Floater profitieren von steigenden Zinsen

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Auf Grund der jüngsten Konjunkturzahlen gerät der Rentenmarkt immer mehr in die Defensive. Zumindest die festverzinslichen Papiere. Anleihen mit variablem Kupon dürften bei anziehenden Zinsen interessant werden.

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          Mit deutlichen Kursverlusten reagieren die Anleihen mit längerer Laufzeit auf die jüngsten Nachrichten von der amerikanischen „Konjunkturfront“. Lange Zeit hatten sie sich im Vergleich mit der Konjunktureuphorie an den Aktienmärkten erstaunlich gut gehalten. Denn vor allem der amerikanische Arbeitsmarkt bereitete Sorgen. Immerhin schien er die längste Zeit trotz der Wachstumszeichen nicht in die Gänge zu kommen.

          Die jüngsten Daten scheinen nun die Stimmung an den Märkten zu verändern. Vor allem die Anzahl der neu geschaffenen Stellen Anfang April war mit einem Plus von 308.000 besser ausgefallen, als zuvor erwartet. Gleichzeitig legen auch die Stimmungsindikatoren wieder zu, der Konsum bleibt überraschend stark, aber auch die Preise zeigen eine leicht steigende Tendenz. Das führt dazu, daß auch der Rentenmarkt zunehmend mit höheren Leitzinsen in Amerika rechnet. Trotz aller Argumente, nach denen die Entwicklung der amerikanischen Konjunktur noch lange nicht auf festen Füßen stehe

          Steigende Leitzinsen Gift für festverzinsliche Anleihen ...

          Steigende Leitzinsen sind aber Gift für den Rentenmarkt, da sie zu fallenden Kursen und steigenden Renditen führen. Bekannte Strategen sagen sogar, man könne als Anleger im Moment alles im Depot haben, nur keine länger laufenden Anleihen. Denn das Risiko der Kursverluste sei viel zu hoch (sieh auch: "Nichts wie weg aus Dodge City"). Darauf deuten auch die Charts hin. Immerhin hat beispielsweise die Rendite der zehnjährigen Treasuries in den vergangenen Tagen den seit dem Jahr 2000 gültigen Abwärtstrend überwunden und der Bund-Future hat die 200-Tage-Linie von oben nach unten durchschnitten.

          In diesem Umfeld hat der Anleger mehrere Möglichkeiten. Entweder er ist mit der beim Kauf der Papiere „eingeloggten“ Rendite zufrieden und fest entschlossen, seine Anleihen bis zum Verfall zu halten. Oder er verkauft, wenn er mit steigenden Zinsen rechnet. Alternativ kann sich gegen fallende Kurse auch absichern, indem er beispielsweise Put-Optionsscheine auf den Bund-Future oder auf amerikanische Treasuries erwirbt. Auf diese Weise kann er Kursverluste bei den Anleihen mit Kursgewinnen bei den Scheinen kompensieren - oder einfach nur auf fallende Kurse spekulieren.

          ... aber gut für variable verzinsliche Anleihen

          Eine weitere Möglichkeit, das Zinsrisiko zu begrenzen oder gar von steigenden Zinsen zu profitieren, besteht im Kauf von möglichst kurz laufenden oder variabel verzinste Anleihen, den so genannten Floating Rate Notes (FRN). Ihre Verzinsung orientiert sich am aktuellen Marktzinsniveau. Der Zinssatz wird viertel-, halb- oder jährlich angepaßt, wobei der Interbankensatz für kurzfristige Einlagen - zum Beispiel Fibor oder Libor - als Grundlage dient. Auf diese Weise liegt die Rendite immer nahe am jeweils aktuellen Marktniveau.

          Dazu rät beispielsweise die DZ Bank, die mit deutlich steigenden Leitzinsen in Amerika rechnet. Höhere Zinsen würden auch dem Dollar helfen, was dazu führe, daß für europäische Anleger amerikanische Papiere interessant seien. Denn sie könnten von steigenden Zinsen und Währungsgewinnen profitieren. Da viele der FRNs von Unternehmen begeben wurden, sei auch auf ihre Kreditwürdigkeit zu achten. Diese Argumentation mag zumindest mit Blick auf den Dollar etwas verwegen sein. Immerhin gibt es noch genügend Argumente, die nach wie vor gegen den Dollar sprechen. Manche würden vor allem dann zu tragen kommen, falls die Zinsen deutlich steigen sollten. Würden sie doch beim Konsum ihren Tribut fordern und auf diese Weise das Wachstum dämpfen. Was zusammen mit dem Leistungsbilanzdefizit nicht unbedingt für den Dollar spricht.

          Fakt ist insgesamt, daß festverzinsliche Anleihen derzeit eher riskant aussehen. Für kurssensitive Anleger dürfte die Überprüfung ihrer Positionen ratsam erscheinen. Wer sich auf die sichere Seite begeben will, sollte Papiere mit kurzen Restlaufzeiten oder gar Floating Rates Notes vorziehen. Denn auf diese Weise könnte er von steigenden Zinsen profitieren.

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