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Anleihen : Die besten Zinstips für März

  • Aktualisiert am
Die Zinsfavoriten der Banken
          3 Min.

          In den vergangenen Wochen erhielten die Pessimisten am Rentenmarkt einen weiteren Dämpfer. Die Renditen bei den zehnjährigen deutschen Bundesanleihen sanken so tief wie zuletzt im Juli 2003. Verantwortlich dafür waren ein anhaltend schwacher Arbeitsmarkt in Amerika, durch den sich die Erwartung einer amerikanischen Leitzinserhöhung weiter nach hinten verschoben hat. Die Anschläge von Madrid zusammen mit den zuletzt gesunkenen Aktienkursen führten wieder zu einer höheren Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren. Denn diese gelten in Krisenzeiten als Hort der Sicherheit.

          Die gesunkenen Renditen passen zum Meinungsbild unter den Volkswirten. Diese rechnen basierend auf zuletzt eher enttäuschenden Konjunkturzahlen in den nächsten Monaten mehrheitlich nicht mehr mit einer Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank. Damit scheint das Zinsniveau vorerst zementiert zu sein. FAZ.NET hat vor diesem Hintergrund wie jeden Monat einige Bankexperten zu ihrer Strategie am Rentenmarkt und zu ihren Anleihefavoriten befragt.

          Renditeanstieg im Jahresverlauf

          Zinsanalyst Lothar Heßler von HSBC Trinkaus, der zuletzt unter den befragten Experten noch am vorsichtigsten war, was einen möglichen Renditeanstieg im Jahresverlauf angeht, hat die Laufzeit seiner Anleiheempfehlungen etwas reduziert. Das hat damit zu tun, daß seine Prognose für die Rendite bei den zehnjährigen Bundesanleihen am Jahresende weiterhin bei 4,1 Prozent liegt und somit über dem aktuellen Stand von rund 3,9 Prozent.

          Höhere Laufzeiten als im vergangenen Monat - aber immer noch niedrigere als bei Lothar Heßler - finden sich unter den Zinstips von Elke Heinle von der Helaba. Dem liegt zugrunde, daß bei der Helaba ein weiteres Absinken der zehnjährigen Bund-Rendite auf 3,8 Prozent für möglich gehalten wird. In ungefähr drei Monaten jedoch, so Frau Heinle, solle die Duration wieder verkürzt werden, da sie bis Jahresende wieder mit höheren Renditen rechnet.

          BBVA und MAN

          Bei niedrigen, möglicherweise gar weiter sinkenden, Renditen stellt sich die Frage wo sich einige Extraprozentpunkte an Ertrag für den Anleger verdienen lassen. Für auf Sicherheit bedachte Anleger hat Werner Fey, von der BHF Bank, eine interessante Empfehlung: Nachdem er im letzten Monat schon zum Kauf eines Papieres von La Caixa geraten hatte empfiehlt er diesen Monat mit dem BBVA-Pfandbrief, ein weiteres mal einen Titel einer spanischen Bank. In diesem Bereich seien bei gleichen Ratings noch etwas höhere Renditen zu erzielen als in Deutschland. Hier kann sich der Anleger, bei einer aktuellen Rendite von 3,7 Prozent, allerdings höchstens über Extrazehntelprozentpunkte freuen.

          Höhere Renditeaufschläge winken bei Unternehmens- und Schwellenländeranleihen - wobei diese jedoch zurecht als „Risikozuschläge“ bezeichnet werden. Axel Gatzen von der WGZ Bank empfiehlt nach wie vor zyklische, also konjunkturempfindliche, Unternehmenstitel. Sollte die Konjunktur nicht so gut laufen, sieht er gerade bei dem mit circa 4,5 Prozent rentierenden Papier von MAN trotzdem keine Gefahren. Der Auftragseingang in den ersten Monaten dieses Jahres sei sehr erfreulich gewesen, die Verschuldungszahlen seien ordentlich. Für den Gesamtmarkt mit Unternehmensanleihen rechnet Gatzen in der nächsten Zeit mit „einer gepflegten Seitwärtsbewegung“.

          Für Risikobereite: Zlotyanleihen und russische Unternehmen

          Risikobereitere Investoren könnten sich, auf der Jagd nach Renditen auch in Fremdwährungsanleihen engagieren. Steffen Schiedewitz von der Commerzbank, der eine auf Zloty lautende Anleihe empfiehlt, rät dazu nicht mehr als fünf Prozent seiner Gelder in solche Titel zu stecken. Dessen ungeachtet betrachtet er Polen und seine Währung als interessantes Anlageziel, da die Fundamentaldaten relativ gut seien.

          Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt Martin Stelzeneder von der RZ Bank in Wien. Zum ersten Mal in diesem Monat hat FAZ.NET auch die auf osteuropäische Anleihen spezialisierte Abteilung des österreichischen Geldinstituts befragt. Die von Stelzeneder empfohlenen, auf polnische Zloty lautenden Anleihen sind natürlich stark von der Währungsentwicklung abhängig. Hier müsse vor allem die polnische Budgetdebatte im Auge behalten werden. Stelzeneder sieht Möglichkeiten eines kurzfristigen Zlotyanstiegs vor möglichen weiteren Turbulenzen im Vorfeld der Wahlen im Herbst 2005. Dennoch seien seine Empfehlungen auf drei bis vier Jahre Haltefrist ausgelegt. In den nächsten Jahren sind nach der Meinung des Analysten auch Spreadeinengungen polnischer Titel im Vergleich zu solchen von Staaten der heutigen EU zu erwarten.

          Die RZ Bank-Empfehlungen, die nicht auf polnische Zloty lauten, stammen vom Osteuropaexperten Gintaras Shlizhyus. Er beobachtete in Rußland im Bereich der Unternehmensbonds in der vergangenen Zeit andauernde Verbesserungen und erwartet, daß diese noch eine Weile weiter gehen könnten. Der Umstand, daß viele Titel auf Dollar lauten liege nicht in seinen Währungseinschätzungen begründet. Es sei letztendlich einfach schwierig im dollarorientierten Rußland auf Euro lautende Anleihen zu finden. Dollarpessimistische Investoren müssten ihre Anlagen eben hedgen.

          Die in der folgenden Tabelle aufgeführten Anlageempfehlungen stellen keine Musterdepots, sondern interessant erscheinende Einzeltitel aus verschiedenen Bereichen des Anleihemarktes dar:

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