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Anleihen : Boom bei hoch verzinslichen Papieren

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Bild: CreditSights

Ein Umfeld mit extrem tiefen Zinsen hat in den vergangenen Monaten zu einem wahren Boom bei der Preisentwicklung sowie bei der Emissionstätigkeit hoch verzinslicher Anleihen geführt. Ist der Markt zu einem „Kasino Royale“ verkommen?

          Extrem tiefe Zinsen, hohe Geldmengen und die zusammen mit gigantischen keynesianischen Ausgabenprogrammen ausgelöste wirtschaftliche Erholung hat in den vergangenen Monaten zu einem wahren Boom bei der Preisentwicklung sowie bei der Emissionstätigkeit bei hoch verzinslichen Anleihen geführt.

          Mit einer Durchschnittsrendite von 35 Prozent bei amerikanischen und knapp 41 Prozent bei europäischen Unternehmensanleihen mit hohen Risiken entwickelten sich die Papiere nach einer Analyse von CreditSights ebenso gut oder gar besser als die meisten Aktienmärkte der Welt. Auf lange Sicht entwickelt sich ihr Wert zumindest im Durchschnitt besser als der vieler anderer Anlageklassen.

          Anleger scheinen auf der verzeifelten Suche nach Rendite ...

          Das Zinsumfeld und die verzweifelte Suche der internationalen Anleger hat zu einer regen Nachfrage nach diesen Papieren geführt, die in den Vereinigten Staaten im Durchschnitt selbst nach massiven Kursgewinnen und enger gewordenen Risikoprämien noch Renditen von 7,5 und in Europa von 7,2 Prozent abwerfen. Das führte dazu, dass Unternehmen und ihre Konsortialführer in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres rund 580 hoch verzinsliche Papiere mit einem Nominalwert von 252 Milliarden Dollar auf den Markt bringen konnten.

          Das ist mit Abstand die größte Summe der Vergleichszeiträume der vergangenen zehn Jahre. Die meisten - rund zwölf Prozent - davon konnte die Bank of America Merrill Lynch betreuen. Das Interesse der Anleger hat jedoch auch zu allerlei Blüten geführt. So kamen und kommen auch immer mehr mittlere und kleinere Unternehmen mit Zinspapieren an den Markt und stoßen auf gute Resonanz. Zum Beispiel Nabaltec, KTG Agrar, Dürr, Schneekoppe oder neuerdings beispielsweise die Meridian Mezzanine GmbH mit ihrer FitnessAnleihe.

          Manchem kritischen Beobachter drängt sich immer mehr der Eindruck auf, die Anleger legten sich leichtfertig zu viele Papiere dieser Art von Unternehmen mit zweifelhaften operativen Aussichten in ihre Depots. In ihrem Optimismus seien sie so undifferenziert, wie sie das beim Kauf von Technologie-, Biotech- und Internetwerten in den späten 90er-Jahren gewesen seien, fürchten sie. Die Enttäuschung völlig überzogener Erwartungen führte damals zu massiven Verlusten bei leichtsinnigen Anlegern, die sich hatten täuschen lassen.

          ... schon wieder nachlässig zu werden

          Kieran Osborne von Merk Investments spricht mit Blick auf den Drang zum Kauf immer riskanterer Zinspapiere von einem „Kasino Royale“. Alleine schon hohe Renditen müssten klar machen, dass mit ihrem Erwerb große Unwägbarkeiten verbunden seien. Diese zeigten sich nicht in Form eines möglichen Totalverlustes im Falle einer Insolvenz, sondern in Form ausgeprägter Kursschwankungen. Die Duration, also die Zinssensitivität, nehme alleine schon deswegen zu, weil immer mehr Papiere mir vergleichsweise langen Laufzeiten auf den Markt kämen, erklärt er.

          Aus Sicht der Unternehmen sei diese Entwicklung verständlich und vorteilhaft. Für die Anleger dagegen stellt sie ein zunehmendes Risiko dar. Sollte sich der allgemeine Optimismus verflüchtigen, könnte es zu deutlichen Kursrückschlägen und steigenden Renditen kommen. Sollte sich gar die konjunkturelle Entwicklung deutlich abkühlen, würde die Häufigkeit von Kreditereignissen zunehmen. Insgesamt bleibt nur zu hoffen, dass sich Anleger und Anlageberater sich die Unternehmen genauestens betrachten, deren Papiere sie sich oder ihren Kunden in die Depots legen. Die jüngsten Zahlungsschwierigkeiten von A-Tec Industries sprechen für sich selbst.

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