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Anleihen : Blackstone lockt europäische Anleger mit Extrarendite

  • Aktualisiert am

Blackstone will die Übernahme von Celanese mit einer Hochzinsanleihe finanzieren. Das Umfeld dafür verschlechtert sich zunehmend. Europäische Anleger wollen für das eingegangene Risiko eine angemessene Rendite sehen.

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          Die Buyout-Gesellschaft Blackstone Group bietet europäischen Anlegern höhere Renditen, um ihre 1,32 Milliarden Dollar oder 1,08 Milliarden Euro schwere Neuemission unterzubringen. Bei dem Junk-Bond, mit dem Blackstone den Kauf des Chemieunternehmens Celanese finanzieren will, liegt die Rendite für die in Euro denominierte Tranche bis zu 0,75 Prozentpunkte höher als bei der Dollar-Tranche. Die Dollar-Papiere sollen zwischen 9,5 und 9,75 Prozent rentieren.

          Das dürfte die logische Konsequenz eines sich immer mehr verändernden Umfeldes sein. Denn angesichts steigender Zinsen haben weltweit bereits mehr als ein Dutzend Unternehmen geplante Hochzinsanleihen abgeblasen. Außerdem lecken sich die Anleger in Europa noch die Wunden, da ihnen Hochzinsanleihen im vergangenen Monat einen Verlust von 1,24 Prozent bescherten. Das war der erste Verlust seit Juli. Der Appetit der europäischen Anleger auf neue "Schrottanleihen" hat nachgelassen, nachdem sie in den drei Wochen bis zum 14. Mai für über drei Milliarden Euro derartiger Papiere gekauft haben. Das ist das dreifache Volumen eines normalen Wochendurchschnitts.

          Verdauungsprobleme am europäischen Markt für Hochzinsanleihen

          "Der europäische Hochzinsmarkt hat nach all den Emissionen etwas Verdauungsprobleme," sagte Chris O'Hare, Fondsmanager bei Investec Asset Management in London gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Der amerikanische Markt scheint das besser zu verkraften, weil er größer ist." Der Euro High- Yield Constrained Index von Merrill Lynch enthält "Ramschanleihen" im Volumen von 66 Milliarden Dollar, während der amerikanische High Yield Master II Index Papiere im Volumen von 582 Milliarden Dollar umfaßt.

          Die jüngste Absage bei Junkbondemissionen in Europa und Amerika gab es am 20. Mai. Damals begrub Tenneco Automotive ihre Pläne, 420 Millionen Dollar über eine Hochzinsanleihe zu beschaffen. Seitdem haben amerikanische Unternehmen "Schrottanleihen" im Volumen von über drei Milliarden Dollar begeben. In Europa hat sich der Markt langsamer erholt und die Fremdkapitalkosten sind seit dem Anstieg vom letzten Monat langsamer gefallen.

          Im Schnitt ist in Europa der Renditeaufschlag von Junkbonds gegenüber Staatsanleihen seit dem vierten Mai um 81 Basispunkte auf 431 Basispunkte gestiegen. In Amerika hat sich die Risikoprämie um 53 Basispunkte auf 448 Basispunkte ausgeweitet. Seit dem Hoch im vergangenen Monat sind die Spreads in Europa um 20 Basispunkte auf 411 Basispunkte gefallen und in Amerika um 30 Basispunkte auf 418 Basispunkte gesunken, zeigen Daten von Merrill Lynch.

          Höheres Risiko - höhere Rendite

          Das bekam auch der Kofferhersteller Samsonite bei seiner Junkbond-Emission über 100 Millionen Euro zu spüren. Der Risikoaufschlag für die festverzinsliche Dollar-Tranche ist seit der Emission am 25. Mai um 9,5 Prozentpunkte auf 438 Basispunkte gesunken. Der Kurs der variabel verzinslichen Euro-Tranche ist auf 101 Cent je Euro Nominalwert gestiegen. "In Europa zögern die Anleger bei neuen Papieren," berichtete Roman Gaiser, Fondsmanager bei F&C Management in London. "In den Amerika scheint der Appetit auf Hochzinspapiere größer zu sein. Das zeigt sich in den höheren Kupons für Euro- Emissionen im Vergleich zu Dollar-Emissionen."

          Die unterschiedlichen Renditeanforderungen können sich sicherlich auch noch anders interpretiert werden. Denn möglicherweise sind Europäer mit Blick auf die weitere Wirtschaftsentwicklung etwas skeptischer als die Amerikaner und verlangen daher für den Kauf entsprechender Papiere einen höheren Risikoaufschlag. „Junk Bonds“ dürften vor allem dann ziemlich riskant sein, wenn die Zinsen steigen und möglicherweise die Konjunktur wieder unter Druck bringen. Denn die Papiere reagieren in der Bewertung sensibel auf Zins- und Bonitätsänderungen.

          Und diese Risiken sollten Anleger im Hinterkopf behalten, wenn sie sich von der hohen Rendite angebotener Papiere gelockt fühlen. Denn im Leben gibt es so gut wie nichts umsonst. Schon gar nicht eine hohe Rendite ohne den damit verbundenen Pferdefuß.

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