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Anleihen : Ausverkauf an den Rentenmärkten

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Bild: www.wellenreiter-invest.de

An den internationalen Anleihemärkten geht es zur Sache. Konjunkturoptimismus, Inflations- und Zinssorgen führen zu fallenden Kursen und steigenden Renditen. Fragt sich nur, ob die Erwartungen und Befürchtungen überzogen sind.

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          An den internationalen Anleihemärkten geht es zur Sache. Verbuchen die europäischen Papiere aufgrund der erwarteten Zinserhöhungen schon seit Monaten im Trend Kursverluste, so hat die Dynamik nach unten in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen.

          Die jüngsten Impulse gehen vor allem von den angelsächsischen Staaten aus. Denn während die Märkte in Großbritannien, Australien und auch in Neuseeland lange Zeit davon ausgegangen waren, dass dort die Leitzinsen nicht mehr weiter steigen werden, so scheint sich dieser Eindruck inzwischen verflüchtigt zu haben.

          Zinserhöhungen in weiten Teilen der Welt

          Zur Veränderung in der Wahrnehmung dürfte die jüngsten Leitzinserhöhungen in Neuseeland und Südafrika ebenso beigetragen haben, wie die Äußerungen von Seiten der Bank of England und der Europäischen Zentralbank, die Inflationsrisiken seien noch nicht eingendämmt. Die Äußerungen deuten eher auf weitere Zinserhöhungen als auf eine Zinspause oder gar -senkungen hin. Steigende Leitzinsen sind jedoch in der Regel negativ für die Rentenmärkte.

          Die stärkste Änderung in den Erwartungen hat sich jedoch in den Vereinigten Staaten vollzogen. Waren die Marktteilnehmer lange Zeit davon ausgegangen, die amerikanische Zentralbank werde den Leitzins aufgrund einer konjunkturellen Schwäche bald senken, so scheint sich diese Erwartungshaltung immer weiter zu verflüchtigen. Die konjunkturellen Daten werden zunehmend positiv interpretiert, obwohl sie bei einem kritischen Blick nur bedingt überzeugen können.

          Das scheint in den vergangenen Wochen dazu geführt zu haben, dass immer mehr Marktteilnehmer begonnen haben, ihre Anleihebestände zu reduzieren. Viele hatten sich mit ihren Wetten auf fallende Leitzinsen stark exponiert. So führt alleine schon diese „Umorientierung“ zu einem gewissen Verkaufsdruck auf Rentenpapier und damit zu steigenden Renditen.

          „Umorientierung“ mit Blick auf die amerikanischen Treasuries

          Ob diese auch tatsächlich gerechtfertigt sind, ist umstritten. Immerhin gehen von der Krise im Immobilienmarkt deutliche Schwächezeichen aus. Neuerdings scheinen sie sogar auf den amerikanischen Konsum überzugreifen. Das zeigt sich an den schon seit Monaten im Trend fallenden Verkäufen von leichten Fahrzeugen ebenso, wie bei Möbeln und dauerhaften Haushaltsgütern. Die Umsätze mit Bekleidung und Schuhen sind im vergangenen Quartal sogar gefallen. Diese Entwicklung dürfte kaum verwundern. Denn die Einkommen der Privathaushalte stagnieren und die Krise am Häusermarkt verhindert die „Kaufkraftschöpfung“ in diesem Bereich nicht nur, sondern sie wirkt sogar noch dämpfend. Selbst der amerikanische Arbeitsmarkt ist bei näherer Betrachtung nicht so robust, wie er gerne beschrieben wird. Auf dieser Basis lässt sich fragen, wo der amerikanische Konjunkturoptimismus herkommen mag, zumal auch das ABC-Verbrauchervertrauen in den vergangenen Tagen deutlich ins negative Terrain zurückgefallen ist. Das heißt, unter den Konsumentn überwiegt die Anzahl der Pessimisten die Optimisten.

          Auf der anderen Seite scheint jedoch die Inflationsrate eher nach oben als nach unten zu tendieren. Das gilt in den Vereinigten Staaten ebenso wie in Europa und in vielen anderen Staaten. Steigende Inflationsraten jedoch senken die Realrenditen und bringen auf diese Weise die Rentenmärkten und indirekt über steigende Nominalrenditen die Börsen in die Defensive. Das ist sie Logik, die die Märkte gegenwärtig zu „spielen“ scheinen.

          Überzogener Konjunkturoptimismus kann zu Chancen führen

          Allerdings dürfte das nur eine Momentaufnahme sein. Denn sehr wahrscheinlich dürfte nicht nur die amerikanischen Konjunktur schwach bleiben, sondern auch andere Regionen dürften den konjunkturellen Höhepunkte erreicht oder gar überschritten haben. Aus diesem Grund nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, dass die Unternehmen die Gewinnmargen auf hohem Niveau halten können. Fallende Margen sind jedoch nicht gut für die Börsen. In diesem Sinne kann die Volatilität an den Aktienmärkten anhalten.

          Anders sieht es dagegen mit den Rentenmärkten aus, vor allem mit dem amerikanischen. Denn sollte sich abzeichnen, dass dort der Konjunkturoptimismus überzogen ist, dürften wieder Zinssenkungsphantasien aufkommen und den Anleihen einen gewissen Rückwind geben. Kurzfristig scheint eine Gegenbewegung alleine schon aus technischen Gründen denkbar zu sein, kamen die Kursverluste der vergangenen Tage doch rasch und deutlich. So ist der Markt „überverkauft“, wie die Markttechniker sagen.

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