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Anleihen : Altria-Anleihen - reizvoll, aber riskant

  • Aktualisiert am

Noch ist die Fahne oben Bild: AP

Die Altria-Tochter Philip Morris USA droht in die Insolvenz zu geraten. Aktien und Anleihen von Altria stürzen ab. Noch ist eine Lösung denkbar. Trotz verlockender Renditen - das Risiko ist hoch.

          Altria steckt in Schwierigkeiten, nachdem das Unternehmen gerichtlich dazu verurteilt worden ist, im Zusammenhang mit einer Schadenersatzklage wegen der Verführung von Rauchern zum Zigarettenkonsum über eine Marke mit der Bezeichnung „light“ Anleihen im Wert von zwölf Milliarden als Sicherheit zu hinterlegen. Sollte diese Forderung aufrechterhalten werden, dürfte die Zahlungsunfähigkeit der „Zigarettentochter“ Philip Morris USA kaum noch zu vermeiden sein.

          Denn das Unternehmen hat schon Schwierigkeiten, Forderungen aus früheren Prozessen zu begleichen. Nachdem die Legislative im amerikanischen Bundesstaat Illinois am Donnerstag einen Gesetzesvorschlag zurückgewiesen hat, der die Höhe einer solchen Garantie auf zehn Prozent der eingeklagten Schadenssumme beschränkt hätte sofern sie eine Milliarde Dollar überschreitet, „müssen Anleger ernsthaft damit rechnen, dass sich Philip Morris unter Gläubigerschutz begeben könnte“, sagt beispielsweise Eugene Regis als Kreditanalyst bei Barclays Capital.

          Massive Kursverluste bei Altria-Anleihen

          Aus diesem Grund haben in den vergangenen Tagen nicht nur die Altria-Aktien massiv an Wert verloren, sondern auch die Anleihen des Unternehmens tauchten deutlich ab. Die bis ins Jahr 2006 laufende Euro-Anleihe mit einem Kupon von 4,5 Prozent beispielsweise gab in der Spitze bis am Freitag knapp 17 Prozent auf gerade noch 85,80 Prozent nach, die Rendite liegt knapp über zehn Prozent.

          Allerdings scheint Altria die Zahlungsunfähigkeit der Tochter unbedingt vermeiden zu wollen. Nach Aussagen von Experten hat das Unternehmen schon eine „revolvierende Kreditlinie“ in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar in Anspruch genommen, weitere 3,9 Milliarden Dollar seien geplant. Es hat insgesamt 30 Tage Zeit, um Widerspruch einzulegen und geht davon aus, schon Ende der Woche so weit zu sein.

          Eine Lösung der Probleme ist noch möglich ...

          Nach Einschätzung der Goldman Sachs-Analystin Judy E. Hong ist es zu früh, die Hoffnung auf eine Begrenzung der Garantie schon aufzugeben. Es gebe durchaus noch gesetzliche Möglichkeiten, sie in den kommenden zwei Wochen doch noch auf Umwegen einzuführen. Dafür spreche unter anderem die Tatsache, dass die Bundesstaaten nicht an der Insolvenz des Unternehmens interessiert sein können. Denn sie würde ihre Finanzsituation deutlich verschlechtern. Immerhin erwarten sie von den Tabakfirmen in den kommenden 25 Jahren eine Zahlung von insgesamt 246 Milliarden Dollar - Philip Morris muss schon am 15. April 2,6 Milliarden Dollar zahlen. Und allein der Bundesstaat Illinois sieht sich mit einem Budgetdefizit von fünf Milliarden Dollar konfrontiert.

          ... aber eine „Verkaufswelle“ nicht ausgeschlossen

          Auf der anderen Seite besteht das Risiko eine „Verkaufswelle“. Denn nachdem die Ratingagenturen Fitch und Moody´s die Kreditwürdigkeit der Altria-Anleihen von auf Baa1 gesenkt haben, liegen sie nur noch zwei Stufen über dem „Schrott-Status“. Standard & Poor´s hat das A-Rating noch nicht geändert, analysiert allerdings die Entwicklung. Sollte die sich weiter zuspitzen, könnten institutionelle Anleger gezwungen sein, die Anleihen zu verkaufen, um einer weiteren Herabstufung zuvorzukommen. Denn viele dürfen grundsätzlich keine Anleihen halten, die nicht „Investment Grade“ sind.

          Insgesamt mag eine Rendite bei einem Papier mit einer Restlaufzeit von drei Jahren von etwas mehr als zehn Prozent attraktiv erscheinen. Die Risiken sind allerdings hoch - auch wenn es Altria alias Philip Morris in der Vergangenheit immer wieder gelungen ist, sich erfolgreich aus schwierigen Situationen zu befreien. Goldman Sachs allerdings denkt, es sei zu früh, die Sache schon abzuschreiben.

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