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Anleihen : Abschied von den Brady-Anleihen

  • Aktualisiert am

Gute Aussichten in Brasilien Bild: AP

Die lateinamerikanischen Länder schwimmen in Devisen und tilgen ihre Auslandsschulden: Brasilien, Mexiko, Venezuela und Kolumbien haben den Rückkauf von Fremdwährungsanleihen im Gesamtwert von mehr als 20 Milliarden Dollar angekündigt.

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          Die lateinamerikanischen Länder schwimmen in Devisen und tilgen ihre Auslandsschulden: Brasilien, Mexiko, Venezuela und Kolumbien haben allein in den vergangenen Tagen den Rückkauf von Fremdwährungsanleihen im Gesamtwert von mehr als 20 Milliarden Dollar angekündigt.

          Schon zum Jahreswechsel hatten Brasilien und Argentinien zusammen 25 Milliarden Dollar Beistandskredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorzeitig zurückgezahlt. Möglich wird die Entschuldung durch den starken Anstieg der Exporte von Soja, Eisenerz, Erdöl und anderen Rohstoffen. Der fortgesetzte Boom der Rohstoffausfuhren hat Lateinamerikas Devisenreserven seit 2002 um fast 70 Prozent auf rund 220 Milliarden Dollar anschwellen lassen. Teilweise werden die Anleihe-Rückkäufe auch durch die Ausgabe von neuen Schuldtiteln finanziert - vorzugsweise durch Emissionen in lokaler Währung. Die starke Aufwertung des kolumbianischen Peso oder des brasilianischen Real in den vergangenen Jahren bewegt immer mehr Investoren zum Kauf von inländischen Anleihen, die meist höher verzinst sind als Auslandstitel.

          Schwellenländer-Anleihen sind bei internationalen Anlegern begehrt

          Während die Latinos ihre Auslandsschulden zurückzahlen, steigt gleichzeitig die internationale Nachfrage nach Schwellenländer-Anleihen immer weiter. Auf Schwellenmärkte spezialisierte Anleihefonds haben allein in den ersten acht Wochen dieses Jahres rund 3 Milliarden Dollar zusätzlich eingesammelt, berichtet Emerging Portfolio Fund Research - gut 50 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage treibt die Preise für Schwellenländer-Anleihen weiter nach oben. Der Renditeabstand zu sicheren Anlagen sank auf historische Tiefstände und betrug zuletzt im Durchschnitt weniger als 2 Prozentpunkte.

          Die Devisenschwemme ermöglicht Brasilien und Venezuela nun den Rückkauf der sogenannten Brady-Anleihen, die eigentlich noch bis zu 18 Jahre Restlaufzeit haben. Diese Papiere waren in den neunziger Jahren im Rahmen der vom damaligen amerikanischen Finanzminister Nicholas Brady initiierten Umschuldung in vielen Schwellenländern ausgegeben worden. Von Mexiko bis Argentinien hatten fast alle Länder Lateinamerikas in den achtziger Jahren den Schuldendienst einstellen müssen, als weltweit die Zinssätze in die Höhe schossen. Durch den 1989 lancierten Brady-Plan wurden die Auslandsschulden, die damals hauptsächlich gegenüber privaten Geschäftsbanken bestanden, in Anleihen umgewandelt. Die Gläubiger mußten dabei einen Kapitalverzicht leisten oder die Rückzahlungsfristen strecken und eine Senkung der Zinsen hinnehmen. Im Gegenzug wurden die neuen Papiere teilweise durch die Hinterlegung von Garantien im Ausland besichert. Dies war aber nur ein schwacher Trost für die Besitzer von Brady-Bonds aus Ecuador und Argentinien, als diese Länder wenige Jahre nach der Umschuldung abermals zahlungsunfähig wurden.

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