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Anleihemarkt : Zinssenkungen helfen philippinischen Anleihen auf die Beine

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Bild: FAZ.NET

Die Philippinen steuern in diesem Jahr zwar auf das höchste Defizit seit fünf Jahren zu. Die Kurse der heimischen Staatsanleihen steigen aber trotzdem. Fallende Inflationsraten und sinkende Leitzinsen machen es möglich.

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          Wie bei allen anderen Papieren, die von Schwellenländern als Emittenten stammten, gerieten auch die philippinischen Staatsanleihen im Vorjahr im Zuge der Kreditkrise in einen Abwärtsstrudel. Doch in diesem Jahr hat sich der Wind hier wie auch sonst allgemein üblich deutlich gedreht. Der Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen beträgt zwar noch immer 432 Basispunkte. Verglichen mit der Jahreswende ist das aber ein Rückgang von immerhin 197 Basispunkten.

          Was landesspezifische Gründe angeht, wird die Spreadverengung gestützt durch die fallenden Inflationsraten. Mit 1,5 Prozent ist die Inflationsrate im Juni auf ein 22 Jahrestief gesunken. Zum Vergleich: Im Vorjahr bewegte sie sich noch bei 9,3 Prozent. Und für das Gesamtjahr sagt die Notenbank eine durchschnittliche Teuerungsrate von 3,3 Prozent und für 2010 von 3,5 Prozent voraus.

          Sechste Leitzinssenkung seit Dezember

          Die moderate Inflationsentwicklung zusammen mit dem schleppenden Wirtschaftswachstum hat die Notenbank am Donnerstag erneut dazu veranlasst, die Leitzinsen um 25 Basispunkte zu senken. Der Satz für Einlagen wurde auf 4,00 Prozent und der für Ausleihungen auf 6,00 Prozent zurückgenommen, womit beide Sätze auf dem niedrigsten Niveau seit rund 20 Jahren liegen. Seit Dezember wurden die Leitzinsen damit in sechs Schritten um insgesamt 200 Basispunkte gesenkt. Und die Verantwortlichen wollten einen weiteren Zinsschritt nach unten nicht ausschließen.

          Ziel dieser Maßnahme ist es, die Wirtschaft der 144 Milliarden Dollar großen Volkswirtschaft, die im ersten Quartal mit plus 0,4 Prozent auf den tiefsten Stand seit einem Jahrzehnt zurückgefallen ist, wieder anzukurbeln. Allerdings stehen die Philippinen immer noch besser da als viele andere Staaten. Zumindest wenn die Prognose der Volkswirte von Calyon Credit Agricole stimmt. Denn die sagen für dieses Jahr beim Bruttoinlandsprodukt immerhin ein kleines Plus von einem Prozent voraus und für kommenden Jahr einen Anstieg der Zuwachsrate auf drei Prozent.

          Steigendes Haushaltsdefizit macht Sorgen

          Zufrieden mit dem, was der volkswirtschaftliche Datenkranz der Philippinen zu bieten hat, sind trotzdem längst noch nicht alle Marktteilnehmer. Kritik entzündet sich vor allem an der Haushaltspolitik. Offiziell ist inzwischen von einem Haushaltsdefizit von 3,2 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt die Rede, was das Doppelte des Ansatzes vom Januar wäre, und inoffiziell sogar von bis zu vier Prozent. Das verursacht Finanzierungszwänge und die Regierung ist gerade schon dabei, die Chancen für die Emission einer eine Milliarden Dollar schweren Anleihen auszuloten.

          Dieser Punkt mag zusammen mit einer gewissen Angst vor den im kommenden Jahr anstehenden Wahlen der Grund dafür sein, warum die Anleihe-Experten der WGZ Bank das Anlageurteil für philippinische Staatsanleihen auf Verkaufen stehen haben.

          Entschädigt werden interessierte Anleger aber wie Eingangs erwähnt mit einem noch immer deutlichen Renditeaufschlag. So bringt eine bis 2016 laufende Dollar-Anleihe (ISIN US718286BA41, Kurs: 109,75 Prozent) derzeit eine Rendite von 6,259 Prozent und eine bis zum 15.03.2016 laufende Euro-Anleihe (ISIN XS0240387349, Kurs: 91,00 Prozent) wirft sogar 8,035 Prozent ab. Erschwert wird ein Einstieg neben den genannten Risiken aber dadurch, dass die mit einer 1.000er Stückelung ausgestatteten Papiere kaum gehandelt werden.

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