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Anleihemarkt : „Wir gehen von einer weiteren Verengung der Zinsdifferenzen aus“

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Klaus Blaabjerg, Lead Portfolio Manager bei der dänischen Sparinvest Bild: Sparinvest

Wegen dem schwachen Wirtschaftswachstum dürften Unternehmen verstärkt Schulden abbauen und Kapazitäten optimieren. Das dadurch sinkende Kreditrisiko sollte aus Sicht von Sparinvest-Fondsmanager Klaus Blaabjerg Unternehmensanleihen zugute kommen.

          Wegen zu hoher Schuldenberge müssen die europäischen Staaten bekanntlich den Gürtel enger schnallen. Tun sie das nicht, werden sie von den Märkten durch höhere Zinsen bei der Kreditaufnahme bestraft. Wie sensibel man darauf reagiert, zeigt der deutliche Zuwachs bei den fünfjährigen Credit Default Swap-Kontrakten, mit denen sich der Käufer einer Staatsanleihe gegen eine mögliche Nichtbedienung versichern kann (siehe Grafiken).

          Kritisch an der Lage in Europa ist, dass nicht nur die Staatsverschuldung Griechenlands seit 2006 deutlich gestiegen ist. Der Trend hin zu einer massiv wachsenden Schuldenlast war in diesem Zeitraum vielmehr im gesamten Euroraum zu beobachten. Und das Problem wird nicht dadurch geringer, dass die Schattenwirtschaft, durch die dem Staat Steuereinnahmen entgehen in einer Reihe von Ländern mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen. Jedenfalls stimmt es nachdenklich, dass es sich bei den Staaten, in denen die Schattenwirtschaft am stärksten präsent ist, um eben jene Länder handelt, deren Schuldenlast zuletzt auch am stärksten gestiegen ist.

          Unternehmen konzentrieren sich auf den Schuldenabbau

          Deshalb wäre es ein wichtiger Schritt nach vorne, wenn es gelingen würde, ein effektiveres Steuersystem zu installieren. Zudem geht es darum, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Denn diese hat sich in den vergangenen Jahren in einzelnen europäischen Staaten wie Griechenland, Spanien und Portugal spürbar verschlechtert.

          Unter dem Strich werden die stark verschuldeten Länder nicht umhin kommen, die Staatsausgaben zu drosseln und die Staatsverschuldung zu senken. Und das dürfte wie in der Vergangenheit üblich negative Spuren beim Wirtschaftswachstum hinterlassen. Ein nur mageres Wirtschaftswachstum wird sich nach Ansicht von Klaus Blaabjerg, Lead Portfolio Manager bei der dänischen Sparinvest, auch auf die operativen Zukunftsstrategien der Unternehmen auswirken. So rechnet er damit, dass sich die Firmenleitungen wegen des schwächeren Wachstums verstärkt auf den Abbau von Schulden sowie auf eine Optimierung ihrer Produktionskapazitäten konzentrieren werden, anstatt aggressive Wachstumsstrategien zu verfolgen.

          Und aus dieser Annahme heraus kommt er zu folgendem Schluss: „Solche konservativen Strategien werden in Unternehmensanleihen investierten Anlegern zugute kommen, weil durch den Fokus auf eine steigende Profitabilität auch das Kreditrisiko sinkt. Deshalb gehen wir von einer weiteren Verengung der Zinsdifferenzen aus.“

          Sinkende Ausfallraten stimmen zuversichtich

          Für eine weitere Verengung der Zinsdifferenzen im zweiten Halbjahr 2010 spricht aus seiner Sicht auch der von den Experten der Sparinvest erwartete weitere Rückgang bei den Ausfallraten. Das Sparinvest Value Bonds Ausfallraten-Modell prognostiziert jedenfalls einen anhaltenden Rückgang der Ausfallrate hoch rentierlicher Unternehmen. Konkret sagt es einen weiteren Rückgang der Ausfallraten in den nächsten sechs Monaten von derzeit 4,24 Prozent auf 1,08 Prozent voraus. Und eine niedrigere Ausfallrate wird aus Sicht von Blaabjerg eine weitere Verengung der Zinsdifferenzen wahrscheinlich fördern.

          Unter dem Strich kommt Blaabjerg zu folgendem Urteil: „Wir beurteilen die Aussichten für das Jahr 2011 nach wie vor zuversichtlich. Trotz der makroökonomischen Turbulenzen in Griechenland und in anderen südeuropäischen Staaten sind auf Unternehmensebene weiterhin Kostensenkungen und Profitabilitätssteigerungen zu beobachten.“

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