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Anleihemarkt : WGZ-Bank setzt weiter auf südafrikanische Staatsanleihen

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg; WGZ BANK

Ohne Probleme steht Südafrika zwar nicht da, aber gewisse Risiken werden auch mit einer höheren Rendite entlohnt. Unter dem Strich halten die Analysten der WGZ Bank deshalb die Euro-Anleihen des Landes weiter für kaufenswert.

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          Die Renditen für Staatsanleihen jener Schuldner, die anders als etwa Griechenland nicht mit einem riesigen Schuldenberg zu kämpfen haben, bewegen sich noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau. Das gilt insbesondere für deutsche Bundesanleihen.

          Zinssparer suchen deshalb auch im Ausland nach Anlagealternativen. Eine Option stellen nach Ansicht der WGZ-Bank dabei Staatsanleihen aus Südafrika dar. Der zuständige Analyst Torsten Hähn stuft die beiden Euro-Anleihen des Landes aus Sicht von Anlegern, welche die Titel bis zur Endfälligkeit halten, jedenfalls weiterhin als kaufenswert ein.

          Im Vergleich mit ähnlich eingestuften Emittenten hält er anders als bisher vor allem die bis zum 05. April 2016 laufende Anleihe mit der Isin XS0250007498 für interessant. Dieses mit einem Kupon von 4,5 Prozent ausgestattete Papier wirft bei einem aktuellen Kurs von 102,7 Prozent eine Rendite von 3,87 Prozent ab. Die bis zum 16. Mai 2013 laufende Staatsanleihe mit der Isin XS0168670478 kommt bei einem Kurs von 104,2 Prozent auf eine Rendite von 2,86 Prozent. Der Aufschlag zu vergleichbar lang laufenden Bundesanleihen beträgt hier 162 Basispunkte, während es beim länger laufenden Titel 199 Basispunkte sind. Allerdings spricht aus Sicht von Privatanlegern gegen diesen Wert die Mindestanlagesumme von 50.000 Euro, während es beim Kurzläufer nur 1.000 Euro sind.

          Bild: WGZ BANK

          Konjunkturelle Dynamik lässt im Afrika-Vergleich zu wünschen übrig

          Wer sich für ein Engagement interessiert, der sollte zur endgültigen Entscheidungsfindung folgendes zu den volkswirtschaftlichen Rahmendaten wissen: Für 2011 kann Südafrika mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu 4 Prozent rechnen, nachdem sich im Vorjahr das Plus auf 2,8 Prozent belaufen hat. Wird diese Prognose erreicht, was nach einem Plus von 4,8 Prozent im ersten Quartal machbar erscheint, klingt das auf den ersten Blick nicht schlecht. Allerdings muss bei genauer Hinsicht eine im regionalen Vergleich auch weiterhin unterproportionale konjunkturelle Dynamik konstatiert werden. Wobei das leider fast schon Tradition hat, da das Wachstum auch im vergangenen Jahrzehnt unter der durchschnittlichen Zuwachsrate Gesamtafrikas von über 5 Prozent lag.

          Die erfolgreiche Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2010 hat damit nicht den erhofften Schub gebracht. Vielmehr zeigt sich schon jetzt, dass sich einige der dafür gebauten Infrastrukturprojekte wie einige Stadien und der Hochgeschwindigkeitszug in Johannesburg hohe Folgekosten für den Unterhalt nach sich ziehen.

          Angesichts dieser Tatsache ist es hilfreich, dass Südafrika nach Einschätzung von Hähn mit relativ guten Fiskalwerten aufwarten kann. Zur Abfederung der negativen Effekte der Kreditkrise hat zwar auch der südafrikanische Staat die Ausgaben erhöht. Und dadurch stand für das Fiskaljahr 2009/10 auch ein Defizit von 6,6 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt zu Buche. Auch für 2010/11 muss mit einer Lücke von gut 5 Prozent gerechnet werden und 2011/12 könnte es dann etwas weniger als 4 Prozent werden.

          Verschuldung bewegt sich derzeit noch im Rahmen

          Laut Finanzministerium wird sich die öffentliche Verschuldung 2015 aber bei rund 40 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt stabilisieren. Laut Hähn gestaltet sich damit die Fiskalposition Südafrikas im Vergleich zu vielen osteuropäischen Ländern immer noch komfortabel. Allerdings ist der Vorteil nunmehr weniger eindeutig als vor einigen Jahren. Das Potenzial für Verbesserungen des Ratings hält er auch deswegen für begrenzt. Was die Auslandsverschuldung angeht, so wird diese von der Notenbank auf 27,2 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt beziffert. Dies erscheint vertretbar, zumal die Devisenreserven zuletzt spürbar zugenommen haben.

          Was die Leistungsbilanz angeht, so ergab sich 2010 ein Minus von 2,8 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt und 2011 dürfte das Defizit noch etwas größer werden. Hähn hält die Finanzierung des Defizits aber solange für relativ unproblematisch, wie es nicht zu einem deutlichen Anstieg der Risikoaversion kommt. Allerdings ist diese Grundannahme der entscheidende Faktor. Denn die Volkswirte der Citigroup stufen den südafrikanischen Rand bei Ausbruch einer neuerlichen weltweiten Finanzkrise für mit am stärksten gefährdet. Ein Pulverfass stellt zudem die hohe Zahl an Arbeitslosen dar. Bei den Jugendlichen beträgt die Arbeitslosenquote mehr als 60 Prozent und irgendwann kann die damit verbundene Perspektivlosigkeit in Protesten enden.

          Inflation zieht an

          Aus Anlegersicht gilt es auch die Inflation im Auge zu behalten. Die Teuerung ist im Mai mit 3,6 Prozent leicht oberhalb der Erwartungen ausgefallen und befindet sich generell auf einem nach oben gerichteten Pfad. Das deckt sich mit den Prognosen der südafrikanischen Notenbank, die für 2011 eine durchschnittliche Inflationsrate von 5,3 Prozent vorhersagt und für 2012 von 6 Prozent. Der Scheitelpunkt der Inflation wird im ersten Quartal 2012 bei 6,3 Prozent gesehen und basierend darauf wird von den Marktteilnehmern gegen Jahresende mit einer Anhebung der Leitzinsen gerechnet.

          Wer die genannten Rahmendaten in seine Überlegungen einbezieht, wird sich vermutlich fragen, ob der Ausgangslage Renditen von 2,86 und 3,87 Prozent gerecht werden. In einem normalen Zinsumfeld würde die Antwort auf diese Frage sicherlich mit Nein ausfallen. Aber wir leben nun einmal nicht in normalen Zeiten und angesichts des noch immer bestehenden niedrigen Zinsumfelds locken eben die Renditeaufschläge, welche die beiden südafrikanischen Staatsanleihen bieten.

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