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Anleihemarkt : WGZ Bank hält Nokia-Anleihen für interessant

  • Aktualisiert am

Bild: WGZ Bank

Wegen trüber Geschäftsaussichten ist aus dem Aktienkurs von Nokia ein Trauerspiel geworden. Unter Druck sind zuletzt aber auch die Anleihen des Handy-Herstellers geraten. In den dadurch erhöhten Renditen sehen die Analysten der WGZ Bank jetzt aber eine Kaufchance.

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          Um gut 44 Prozent auf aktuell 4,31 Euro ist der Aktienkurs von Nokia in diesem Jahr schon abgesackt. Sogar noch viel erschreckender sieht die Langfrist-Bilanz aus. Um das zu verstehen sei nur an das im Jahr 2000 markierte Rekordhoch von 64,95 Euro erinnert. Doch erwischt hat es nicht nur die Aktien, auch die Anleihen des weltgrößten Handy-Herstellers können sich den Problemen des Unternehmens zuletzt nicht mehr entziehen.

          Wie sehr dem finnischen Telekomkonzern das Wasser bis zum Halse steht, zeigt sich an der kürzlich ausgesprochenen Ergebniswarnung. Nicht zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit musste wegen schwach laufender Geschäfte zurückgerudert werden. Dieses Mal musste erst die wenige Wochen zuvor abgegebene Quartalsprognose für die bedeutendste Sparte Mobilfunkgeräte und Dienstleistungen korrigiert werden. Den Angaben zufolge wird der für die Monate April bis Juni des aktuellen Geschäftsjahres erwartete Umsatz von 6,1 Milliarden bis 6,5 Milliarden Euro substanziell unterschritten.

          Ratingagenturen machen Druck

          Zudem rückten die Verantwortlichen von der bisher prognostizierten Spanne für die operative Marge von 6 bis 9 Prozent ab. Stattdessen ist neuerdings von einer operativen Marge nahe Null die Rede. Doch nicht nur das. Kassiert wurde zudem wegen der erschwerten Vorhersehbarkeit der mittelfristigen Geschäftsentwicklung auch die Prognose für das Gesamtjahr. Dass intern die Nerven offenbar blank liegen, zeigt sich auch an der Beurlaubung des Technologiechefs. Medienangaben zufolge hat diese Entwicklung mit Streit über die neue Strategie der Gesellschaft zu tun.

          Die starke Konkurrenz im Bereich der Smartphones macht sich im Übrigen längst auch bei der Kreditwürdigkeit bemerkbar. So hat die Ratingagentur Fitch eben erst die Bewertung um zwei Noten auf die niedrigste Stufe der Güteklasse Investmentgrade herabgesetzt. Darüber hinaus hat auch Standard & Poor's die Bonitätsnote zum zweiten Mal in diesem Jahr von „A-“ um eine Stufe auf „BBB+“ gesenkt. Gleichzeitig wurde das Rating auf die CreditWatch-Liste mit negativem Ausblick gesetzt. Damit wird Nokia aktuell drei Stufen über der „Ramsch„-Kategorie bewertet. Und angesichts der anhaltenden Marktanteilsverluste, der stark unter Druck stehenden Profitabilitätskennziffern sowie die sich verschlechternden Verschuldungskennziffern sind diese Entscheidungen auch einfach nachvollziehbar.

          Deutlicher gestiegener Renditeaufschlag lockt

          Auch WGZ Bank Analyst Janis Heck räumt ein, dass Nokia mit dem aktuellen Produktportfolio gegenüber der starken Konkurrenz nicht nur im Smartphone-Segment, sondern auch bei den Einsteigermodellen weiter an Boden verloren hat. Für die kommenden Monate rechne er zwar ebenfalls nicht mit einer Stabilisierung des operativen Abwärtstrends. Vielmehr bestehe kurzfristig durch schlechtere Quartalszahlen und eine mögliche Herabstufung des Ratings durch Moody´s weiteres Belastungspotenzial für die Anleihen. Allerdings hofft er mit Einführung der Windows-Produkte im vierten Quartal auf eine sich ab 2012 wieder aufhellende Ertragslage.

          Diese Hoffnung zusammen mit der trotz der operativen Schwäche grundsätzlich als solide bezeichneten Liquiditätsbasis bringt Heck dazu, die Anleihen des Unternehmens für Buy-and-Hold-Anleger als attraktiv einzustufen. Zu dieser Einschätzung veranlasst ihn auch die Tatsache, dass sich der Risikoaufschlag des 2014er Bonds seit Bekanntgabe der Gewinnwarnung annähernd verdreifacht hat. Aktuell beträgt der Spread hier 179 Basispunkte und bei der 2019er Anleihe rund 290 Basispunkte.

          Heck hält das Renditeniveau von rund vier Prozent jedenfalls für sehr attraktiv. Zumal er davon ausgeht, dass Nokia in der Lage sein wird, den Zahlungsverpflichtungen auch zukünftig weiter nachzukommen. Explizit zum Kauf rät der WGZ Bank Analyst bei der bis zum 14. Februar 2014 laufenden Anleihe mit der Isin XS0411735300. Angesichts der momentan trüben Nachrichtenlage sollten Interessenten aber auch die Risiken nicht vergessen werden.

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