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Anleihemarkt : WGZ Bank beurteilt Lufthansa-Anleihen zurückhaltend

  • Aktualisiert am

Seit einigen Wochen laufen die Vorbereitungen für das Sparprogramm auf Hochtouren. Bild: The Boeing Co 2011 All Rights Reserved

Bei der Deutschen Lufthansa stehen nicht nur die Aktien sondern auch die Anleihen unter Druck. Trotz der dadurch gestiegenen Renditen rät die WGZ Bank zum Verkauf der Anleihen der Fluglinie.

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          Eine Enttäuschung mussten jüngst alle Anleger hinnehmen, die ihr Kapital der Deutschen Lufthansa zur Verfügung gestellt haben. Denn der Vorstand wartete mit einer überraschenden Gewinnwarnung auf.

          Den neuesten Angaben zufolge, rechnet das Unternehmen nicht zuletzt wegen steigender Ölpreise und höherer Steuern im laufenden und in den kommenden Jahren mit anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen. Zudem veranlassten konjunkturelle Unsicherheiten und enttäuschende Ergebnisse im Hochreisemonat August dazu, von den bisherigen Zielen abzurücken.

          Deutschlands größte Fluglinie rechnet demnach im laufenden Gesamtjahr nicht mehr mit dem Erreichen ihres Gewinnziels. Statt der geplanten Steigerung des operativen Ergebnisses über den Vorjahreswert von 876 Millionen Euro wird nun nur noch ein operativer Gewinn im oberen dreistelligen Millionen Euro Bereich für möglich gehalten. Unter den Marktteilnehmern sorgte dieses Zurückrudern auch deshalb für Verwirrung, weil das Unternehmen noch Ende Juli und Ende August den bisherigern Ausblick für das Gesamtjahr bestätigt hatte.

          Bild: WGZ Bank

          Analysten zeigen sich enttäuscht

          Auch beim Wachstum tritt man bei Lufthansa weiter auf die Bremse. Im Winterflugplan 2011/2012 soll das Angebot unter der Marke Lufthansa nur um 4 statt wie bisher geplant um 6 Prozent wachsen. Erst Ende Juli hatte die Lufthansa die Wachstumspläne von 12 auf 6 Prozent zusammengestrichen.

          Viele Aktienanalysten mussten angesichts dieser Nachrichtenlage nicht lange überlegen und kürzten ihre Gewinnprognosen und Kursziele zum Teil deutlich. So senkten die Analysten der Deutschen Bank ihre Einschätzung für die Aktie von Halten auf Verkaufen und das Kursziel von 12,00 auf 9,00 Euro. Die Ergebnisprognose wurde zudem für 2011 um 19,5 Prozent und für 2012 um 45 Prozent reduziert.

          Praktisch identisch reagierten die Aktienanalysten der WGZ Bank. Auch sie korrigierten die Einschätzung von Halten auf Verkaufen und das Kursziel von 12,00 auf 9,00 Euro. Zur Begründung hieß es, die Gewinnwarnung zeige, dass ein unerwartet großer Margen- und Kostendruck auf der Lufthansa laste.

          Kritisch äußerten sich im Hause der WGZ Bank aber nicht nur die Aktien- sondern auch die Anleihe-Spezialisten. Angesichts der hohen Konjunktursensitivität des Emittenten und der unverändert teuren Bewertung der Anleihen hält Analyst Markus Roß am negativen für die Zinspapiere des Unternehmens fest und rät zum Verkaufen.

          Anleiherendite eher gering gemessen an den Risiken

          Das bis zum 24. März 2014 laufende Papier mit der Isin XS0419185789 und einem Kupon von 6,750 Prozent bietet mit einer Rendite von 3,579 Prozent derzeit zwar einen Aufschlag von rund 300 Basispunkten gegenüber Bundesanleihen. Es erscheint aber in der Tat fraglich, ob die Zinssparer damit ansprechend entlohnt werden für die mit dem Wert verbundenen Konjunkturrisiken. Weitere Rückschläge bei dem sich seit gut einem Jahr im Abwärtstrend befindlichen Anleihekurs sind jedenfalls derzeit nicht ausgeschlossen.

          Trotz der Enttäuschung über die Gewinnwarnung wertet Roß aber immerhin die frühzeitige Maßnahmenergreifung sowie das Bekenntnis zum Investment Grade-Rating positiv. Im Falle einer deutlichen Konjunktureintrübung biete zudem das im Jahresverlauf deutlich verbesserte Kennzahlenprofil und die vergleichsweise gute Geschäftsdiversifikation nach seiner Einschätzung einen gewissen Spielraum.

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