https://www.faz.net/-gv6-6rsli

Anleihemarkt : Was für und gegen asiatische Staatsanleihen spricht

  • Aktualisiert am

Bild: RBS

Die jüngsten Kursturbulenzen haben auch asiatischen Staatsanleihen zugesetzt. Dabei gelten die Schuldner dort als relativ solide. Doch neben Vorteilen gibt es auch hier Risiken.

          Die Volkswirtschaften in Asien gelten gemeinhin als Zugpferde für die Weltkonjunktur. Aber trotz dieser positiven Grundeinschätzung sind auch Anlagen in dieser Region nicht vor Rückschlägen gefeit. Das mussten jüngst nicht nur die Besitzer asiatischer Aktien wieder einmal lernen, sondern auch die Anleger, die auf Staatsanleihen aus der Region gesetzt haben.

          So sind seit September beispielsweise die Renditen im zehnjährigen Bereich in Indonesien und den Philippinnen um 85 und 110 Basispunkte gestiegen. In den meisten anderen Ländern hat sich bisher zwar nicht so eine ausgeprägte Ausverkaufsstimmung breit gemacht, aber die Investoren fragen sich natürlich, ob das vielleicht noch kommen kann.

          Etwas ängstlich schauen die Marktteilnehmer in diesem Zusammenhang auf die Struktur der lokalen Anleihenmärkte. Diese sind noch relativ klein und es gibt einen breiten Konsens, die Anlagechancen in Asien als positiv einzustufen. So eine eindeutig einseitige Positionierung kann auch als Kontraindikator ausgelegt werden.

          Ausländer haben Anleihe-Bestände erheblich aufgestockt

          Als ein Problem könnte es sich bei weiteren Marktverwerfungen außerdem erweisen, dass viele asiatische Anleihen von Ausländern gehalten werden, die in den vergangenen Jahren ihre Bestände in der Region massiv ausgebaut haben. So hat sich deren Anteil seit Anfang 2009 mehr als verdoppelt und erreicht in Thailand inzwischen 10 Prozent, in Korea 17 Prozent, in Malaysia 25 Prozent und in Indonesien 36 Prozent. Sollte wider erwarten irgendetwas schief gehen, droht angesichts dieser Konstellation ein schneller Kapitalabzug. Zumal auch zu bedenken sei, dass asiatische Staatsanleihen bereits relativ teuer seien, wie Anaylst Erik Lueth von der Royal Bank of Scotland (RBS) in einer Studie zu dem Thema zu bedenken gibt.

          Im vergangenen Jahrzehnt sind die Renditen für asiatische Staatsanleihen jedenfalls deutlich gefallen (siehe Grafiken). Und die expansive Geldpolitik in Amerika hat diesen Trend jüngst sogar noch verstärkt, weil sich viele asiatische Anleihemärkte an der Entwicklung in Amerika orientieren. So sind die Renditen auf den Philippinnen um stolze 14 Prozentpunkte gestiegen und in Thailand um 6 Prozentpunkte.

          Allerdings stellt sich vor dem Hintergrund des höheren Wirtschaftswachstums als in Amerika laut Lueth die Frage, ob sich die Entwicklung der Vorjahre auch künftig fortsetzen wird. Zumal die Renditen in Asien auch niedriger seien als in anderen Schwellenländern. Theoeretisch könnte dies zwar mit einer geringeren Inflation zu rechtfertigen sein, aber der Blick auf die Realrenditen zeige, dass dies nicht unbedingt in allen Fällen so sei.

          Allerdings finden sich auch unabhängig von diesen Inflationsüberlegungen Gründe, warum die Renditen in Asien relativ niedrig sind. Lueth verweist zum einen als Erklärung auf die hohe Sparneigung. Im Schnitt wiesen die asiatischen Länder Leistungsbilanzüberschüsse von mehr als 4 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt auf. Die meisten anderen Schwellenländer müssen dagegen mit Defiziten zurechtkommen. Der Renditevorteil sei so gesehen nicht überraschend..

          Renditen sollten langfristig wieder über den Wachstumsraten liegen

          Zum anderen könne Asien mit soliden Fundamentaldaten aufwarten. Das werde in Form geringerer Risikoaufschläge honoriert. Die durchschnittliche Staatsverschuldung sei mit rund 46 Prozent zwar nicht außergewöhnlich niedrig, herausragend seien aber die Devisenreserven. So hielten asiatische Staaten 63 Prozent aller Devisenreserven weltweit und sieben der zehn größten Devisenbesitzer stammten aus der Region, rechnet der RBS-Analyst vor.

          Darüber hinaus hält Lueth die asiatischen Währungen für unterbewertet und Investoren würden in der Regel von Ländern, in denen sie mit Währungsgewinnen rechnen, geringere Zinsen verlangen (siehe Grafiken).

          Trotzdem mahne das Verhältnis von Wirtschaftswachstum und Renditen zu einer gewissen Vorsicht. Zumindest dann, wenn die lokalen Volkswirtschaften weiterhin zügig wachsen sollten. Langfristig gesehen würden die Renditen jedenfalls traditionell über den Wirtschaftswachstumsraten liegen. Sei das wie nun schon seit Jahren nicht der Fall, drohten Fehlinvestments und Überhitzungen, erklärt Lueth. Eine Normalisierung an der Renditefront könne, wie die jüngere Vergangenheit gezeigt habe, unter Umständen aber auch noch Jahre dauern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.
          Bittet zum Rapport: Gauland bei einem Wahlkampftermin in Thüringen

          Streit in der AfD : Zum Vorsprechen bei Gauland

          Die AfD-Führung zitierte am Freitag einige Unruhestifter zum Rapport – einer kam gar nicht erst, sondern schimpfte auf Facebook. Andere verkündeten den Frieden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.