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Anleihemarkt : Unternehmensanleihen in Europa schlagen Aktien

  • Aktualisiert am

Die Anleihen von Unternehmen warten in diesem Jahr mit einer deutlich besseren Wertentwicklung auf als die Aktien - und das bei einer stabileren Entwicklung. Als kurstreibend erweist sich die hohe Nachfrage.

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          Deutsche Telekom, Royal Ahold und Altria Group gehören zu den Unternehmen, deren Anleihen den Investoren in diesem Jahr eine bessere Rendite beschert haben als die Aktien.

          In Euro denominierte Unternehmensanleihen haben seit Jahresbeginn inklusive reinvestierter Zinsen einen Ertrag von 3,4 Prozent abgeliefert, zeigen Indizes von Merrill Lynch. Die Papiere von Telekom, Ahold und Altria sind darin enthalten. Die Aktien im Bloomberg 500 Index europäischer Aktien verzeichnen dagegen inklusive reinvestierter Dividenden ein Minus von 5,5 Prozent.

          Für Investoren, welche die Performance ihres Portfolios aufpolieren wollen, bieten die Unternehmenspapiere einen vergleichsweise sicheren Hafen. „Die Aktienkurse sind sehr volatil - in Zeiten wie diesen sind Anleihen die erste Adresse für Anleger", erklärt Peter Harvey, Fondsmanager bei F&C Management in London. „Das ist eine Flucht in die Qualität und sie wird sich fortsetzen."

          Stabilere Kursentwicklung als bei Aktien

          Im Allgemeinen sind die Kurse der Anleihen eines Unternehmens stabiler als die Kurse der entsprechenden Aktien. Die Aktien der Deutschen Telekom haben seit ihrem Höchststand im März 2000 rund 88 Prozent verloren. Dagegen hat die mit einem Kupon von 5,25 Prozent verzinste Telekom-Anleihe mit Fälligkeit 2008 im selben Zeitraum neun Prozent zugelegt.

          Obwohl die Bonität der Telekom um sieben Stufen fiel, notierten die Papiere nie unter 90 Prozent des Nominalwerts. Jeweils unter Einbeziehung reinvestierter Zinsen und Dividenden haben die Anleihen in diesem Zeitraum 28 Prozent eingebracht, während die Aktionäre 85 Prozent der investierten Summe verloren haben.

          Die Deutsche Telekom bemüht sich, Schulden abzubauen, um zu verhindern, dass ihre Bonität weiter herabgestuft wird und die Kapitalkosten weiter steigen. Der neue Telekom-Vorstandschef Kai- Uwe Ricke will in diesem Jahr Aktiva im Wert von 1,8 Milliarden Euro veräußern. Die Verkäufe sind Teil eines Plans, die Verbindlichkeiten des ehemaligen Telefonmonopolisten auf 52 Milliarden Euro zu reduzieren. Der Schuldenstand wurde bereits von 64 Milliarden Euro Ende September auf 61,1 Milliarden Euro im letzten Quartal 2002 verringert.

          „Die Deutsche Telekom ist eines der Unternehmen, die sich um eine Reduzierung des Schuldenniveaus bemühen", erläutert Harvey. „Die Liquidität fließt nicht in Dividenden sondern in den Schuldendienst. Das ist positiv für die Anleihen und negativ für die Aktien."

          Deutlich bessere Performance in diesem Jahr

          Generell schneiden bei europäischen Telekomunternehmen in diesem Jahr Anleihen besser ab als Aktien. Sie liegen 5,4 Prozent im Plus, verglichen mit einem Verlust von 3,3 Prozent im Bloomberg-Index europäischer Telekoms, jeweils inklusive reinvestierter Zinsen und Dividenden.

          Die Kreditwürdigkeit von Royal Ahold ist in diesem Februar auf Junkniveau herabgestuft worden, nachdem der niederländische Lebensmitteleinzelhändler einräumte, die Gewinne aufgebläht zu haben. Die Anleihen sind in den vergangenen drei Monaten rund 13 Prozent gefallen und bieten damit europaweit die schlechteste Performance, berichtet ABN Amro. Im gleichen Zeitraum haben Ahold- Aktien die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

          Der Supermarktkonzern hat angekündigt, Kosten zu senken und dürfte Tochtergesellschaften in vier Kontinenten veräußern, um einen Schuldenberg abzutragen, der mehr als doppelt so hoch ist wie der Marktwert des Unternehmens. Nach Angaben des in der letzten Woche ernannten Konzernchefs Anders Moberg ist jede Ahold- Sparte ein potentielles Verkaufsobjekt.

          „Der Aktienkurs lässt sich durch verschiedene Taktiken auf Touren bringen, aber schlussendlich muss es bei einer gesunden Bilanz einen Ausgleich zwischen dem Wert für die Anleihebesitzer und für die Aktionäre geben", urteilt Chris van der Oord, Fondsmanager bei Robeco Groep in Rotterdam. „Das ist einer der Hauptgründe, warum Unternehmensanleihen besser abgeschnitten haben als die entsprechenden Aktien."

          Nachfrage übersteigt das Angebot

          Die Papiere der Altria-Tochter Philip Morris haben nach Informationen von ABN Amro in den vergangenen drei Monaten die zweitschlechteste Performance unter Europas Unternehmensanleihen geboten. Die Kreditwürdigkeit von Philip Morris leidet darunter, dass der Zigarettenhersteller eine Bürgschaft über 6,8 Mrd. Dollar hinterlegen muss, um Berufung gegen ein Urteil einzulegen, das ihn wegen Irreführung über die Risiken bei "Light"-Zigaretten zur Zahlung von 10,1 Mrd. Dollar verurteilt. Philip Morris- Anleihen haben in diesem Jahr 2,9 Prozent eingebüßt, während die Aktien 13 Prozent abgesackt sind.

          „Die Nachfrage ist höher als das Angebot", beschreibt Harvey. „Versicherungen und Pensionsfonds in Europa hatten stärker in Aktien als in Anleihen investiert, und das ändert sich. Viele Fonds sind an Schuldverschreibungen interessiert. Für Aktien wird dies wieder ein schwieriges Jahr. Mit Anleihen fährt man sicherer."

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