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Anleihemarkt : Stabile Wirtschaft spricht für israelische Anleihen

  • Aktualisiert am

Bild: WGZ Bank

Trotz einer schwierigen geopolitischen Lage steht die Wirtschaft in Israel gut da. Die Analysten der WGZ Bank beurteilen die Lage sogar so positiv, um bei den Anleihen des Landes zum Kauf zu raten.

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          Aufgrund seiner geografischen Lage ist Israel schon immer mit einer politisch heiklen Lage konfrontiert. Das Land befindet sich praktisch ständig in einem kriegsbereiten Zustand und durch die jüngsten Unruhen im Nahen Osten ist die Ausgangssituation auch nicht unbedingt leichter geworden.

          Ganz sicher noch einmal zugenommen hat wegen der veränderten Konstellation im Umfeld der Druck aus dem Ausland, zu einer Einigung im Dauerkonflikt mit den Palästinensern zu kommen. Zuletzt wurden die Israelis jedenfalls von verschiedenen Seiten dazu gedrängt, in den Gesprächen mit der palästinensischen Führung mehr Flexibilität zu zeigen, um endlich einen Kompromiss zu erreichen.

          Eine Bürde in wirtschaftlicher Hinsicht stellt zudem die Tatsache dar, dass das Land kaum über eigene Rohstoffe verfügt. In Zeiten wie aktuell, in denen die Rohstoffpreise boomen, ist das ein echter Hemmschuh. Umso erstaunlicher ist es, dass es die israelische Wirtschaft dank Ideenreichtum und hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung zumeist schafft, sich trotzdem recht gut aus der Affäre zu ziehen.

          Bild: WGZ Bank

          Wirtschaft auf Wachstumskurs

          Bestätigt wird dieser Eindruck auch anhand der jüngst veröffentlichten Daten zum Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal. Den Angaben zufolge wuchs die Wirtschaft da um 4,7 Prozent, nachdem es im vierten Quartal 2010 mit plus 7,6 Prozent sogar zum größten Zuwachs seit vier Jahren gereicht hatte. Übrigens: Selbst im weltweiten Krisenjahr konnte ein geringes Plus von 0,8 Prozent verbucht werden. Und auch für die Zukunft ist die israelische Notenbank ziemlich zuversichtlich. Für 2011 rechnet sie mit einem Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent und für 2012 mit 4,0 Prozent. Die Arbeitslosenquote soll den Prognosen zufolge in diesem Jahr von 6,7 Prozent auf 6,1 Prozent sinken.

          Daten wie diese bringen Tobias Gruber zu folgendem Schluss: „Israel hat die Krise damit schneller und besser verkraftet als viele andere Länder.“ Merkliche Verbesserungen konstatiert der WGZ Bank Anleihen-Analyst zudem in Bezug auf die öffentlichen Finanzen. Nachdem 2009 ein signifikant gestiegenes Fiskaldefizit von über 5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt verzeichnet werden musste, konnte das für 2010 ausgegebene Defizitziel von 5,3Prozent zum Bruttoinlandsprodukt deutlich unterboten werden, schreibt er in einer Studie.

          Letztlich belief sich das Defizit im Vorjahr dank höher als geplanter Einnahmen und etwas geringer Ausgaben auf 3,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Und die bisher für 2011 vorliegenden Daten weisen laut Gruber darauf hin, dass das von der Ratingangentur Standard & Poor´s erwartete Fiskaldefizit von 3 Prozent in diesem Jahr erreicht wird. Erwähnenswert aus Anlegersicht ist auch, dass die Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt seit 2004 deutlich gesenkt werden konnte.

          Positiv hebt Gruber in diesem Zusammenhang vor allem die externe Position hervor. Neben einer Auslandsverschuldung, die mit etwa 45 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt ziemlich exakt dem Durchschnitt ähnlich bewerteter Länder entspreche, sei vor allem die Leistungsbilanz zu nennen. Denn wie bereits in den vergangenen Jahren konnte auch 2010 mit Plus 3,1 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt ein merklicher Überschuss in der Leistungsbilanz erzielt werden. Aus Grubers Sicht dürfte dieses Niveau in diesem und im nächsten Jahr gehalten werden können. Zudem stellten die Internationalen Währungsreserven ein beachtliches Polster dar. Nachdem diese bereits im Vorjahr signifikant von 61 Milliarden auf 70 Milliarden Dollar gestiegen waren, belaufen sie sich laut Gruber aktuell auf knapp 77,5 Milliarden Dollar, was deutlich über 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt ausmacht.

          Zentralbank hat Zinsstraffungszyklus längst begonnen

          Die Notenbank hat auf die relativ solide Verfassung der heimischen Wirtschaft bereits mit einer Verschärfung der Zinspolitik reagiert. Ausgehend von einem im August 2009 gültigen Rekordtief von 0,5 Prozent wurde der Leitzins bisher auf 3 Prozent erhöht. Das Ende der Fahnenstange dürfte damit zwar noch nicht ganz erreicht sein. Schließlich überstieg die Inflationsrate im April mit 4,0 Prozent noch immer den angestrebten Zielwert von 1,0 bis 3,0 Prozent deutlich. Aber gegenüber dem März hat sich die Teuerung bereits zurückgebildet und der Internationale Währungsfonds kann sich vorstellen, dass die Inflationsrate 2012 wieder auf 2,5 Prozent sinken wird. Mit ihren Bemühungen im Kampf gegen mögliche inflationäre Gefahren ist die israelische Notenbank jedenfalls schon einen Schritt weiter als die führenden Zentralbanken.

          Die insgesamt robuste Verfassung des Landes kommt gemäß Grüber auch darin zum Ausdruck, dass die führenden Rating-Institute während der Finanzkrise weder eine Herabstufung noch eine Ausblicksverschlechterung bei der Kreditwürdigkeit vorgenommen haben. All das zusammen bringt den WGZ-Analysten dazu, speziell Anlegern, die gewillt sind, ihre Positionen bis zur Endfälligkeit zu halten, israelische Staatsanleihen als Depotbeimischung zu empfehlen. Die von ihm favorisierte Anleihe mit der Isin XS0495946070 und einer Laufzeit bis zum 18. März 2020 kommt aber mit einer für Privatanlegern ungünstigen Stückelung von nominal 50.000 Euro daher.

          Für Zinssparer, die nicht über das dafür nötige Kleingeld verfügen, bleibt als Alternative die bis zum 12. Oktober 2015 laufende Anleihe mit der Isin XS0231422444. Die Rendite beträgt hier 3,49 Prozent, was gegenüber der Rendite von 4,625 Prozent bei der länger laufenden Anleihe zwar weniger ist, gegenüber vergleichbar lang laufenden Bundesanleihen aber einen mit 157 Basispunkten höheren Renditeaufschlag bringt.

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