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Anleihemarkt : Renditevorsprung macht manche Unternehmensanleihe lukrativ

  • Aktualisiert am

Bild: Merrill Lynch

Die hohe Risikoabneigung der Anleger hat die Renditen der Unternehmensanleihen deutlich steigen lassen. Das hat zwar auch mit erhöhten Gefahren zu tun, aber teilweise dürfte sich ein Kauf inzwischen lohnen.

          Die Verunsicherung an den Finanzmärkten ist weiterhin riesengroß und niemand traut seinem Geschäftspartner mehr über den Weg. Auch das Misstrauen unter den Banken ist enorm. Ablesen lässt sich das an der Differenz von mehr als 300 Basispunkten zwischen dem Drei-Monats-EURIBOR und den Drei-Monats-Schatzanweisungen. In Amerika hat der sogenannte TED-Spread Differenz zwischen dem Drei-Monats-Libor und dem Zinssatz für Drei-Monats-US-Anleihen) mit über 400 Basispunkten zuletzt einen neuen Rekordwert erreicht.

          Aufgrund der weiterhin anhaltenden Liquiditätskrise ist auch der Markt für Unternehmensanleihen nahezu komplett ausgetrocknet. Das Kapital wird in vermeintlich sicheren Anlagen wie den europäischen oder amerikanischen Staatsanleihen geparkt, während Unternehmensanleihen eher gemieden werden. Das hat inzwischen zu sehr deutlichen Risikoaufschlägen und teilweise ungewöhnlich hohen Renditevorsprüngen geführt.

          Rekordrenditen bedeuten auch sehr hohe Risiken

          So wirft die bis zum 03. Juli 2013 laufende Anleihe von General Motors (Isin XS0171942757) aktuell eine Rendite von 52,15 Prozent auf. Und die Anleihe GMAC LLC (Isin XS0177329603) der hauseigenen Finanzierungstochter wirft sogar eine Rendite von sage und schreibe 66,02 Prozent ab. Allerdings sind diese Renditen auch ein Ausdruck für ein hohes Risiko. Gilt der amerikanische Autobauer doch inzwischen als Konkursgefährdet. Anleihen wie die beiden erwähnten sind deshalb nur Papiere für Anleger mit sehr starken Nerven, die davon ausgehen, dass der Staat im Notfall General Motors wegen seiner Größe schon nicht fallen lassen wird.

          Auch generell sind die Risiken im Segment der Unternehmensanleihen derzeit höher als in den vergangenen Jahren. Schließlich führt die Kreditkrise zu immer mehr Ratingrückstufungen. Auch für das Jahr 2009 muss nach Einschätzung der Analysten bei der österreichischen Raiffeisen Zentralbank weiterhin sowohl mit einer Zunahme der Ratingabstufungen als auch mit steigenden Ausfallsraten gerechnet werden. Vor diesem Hintergrund ist von anhaltend hohen Volatilitäten auszugehen sowie davon, dass sich die Renditeaufschläge nicht so schnell zurückbilden werden.

          Drei konkrete Tipps

          Dennoch gibt es auch jetzt die eine oder andere Unternehmensanleihe, bei der die Risiken großzügig entlohnt werden. So bringt die mit einem Rating von BBB+/Baa1 ausgestattete Anleihe von British Telecom (Isin XS0372358902, Laufzeit: 07.07.2015) immerhin eine Rendite von 7,8 Prozent. Oder die Anleihe von Abu Dhabi National Energy (Isin XS0272947150, Laufzeit: 28.10.2013), die ein Rating von AA-/Aa2 hat, wirft eine Rendite von 7,86 Prozent ab.

          Noch einmal deutlich höher fällt die Rendite mit aktuell 12,65 Prozent bei der bis zum 25.02.2014 laufenden Gazprom-Anleihe (Isin XS0272762963, Rating: BBB/A3) aus. Der Energieriese hat zwar derzeit mit gewissen Liquiditätsproblemen zu kämpfen, doch angesichts des Gasreichtums ist ein Zahlungsausfall hier doch nur schwer vorstellbar.

          Unter dem Strich bietet es sich wegen der im Schnitt deutlich gestiegenen Renditen an, die eine oder andere Unternehmensanleihe dem Depot beizumischen. Übertreiben sollte man es dabei mit den Risiken aber nicht. Schließlich lauern im aktuellen Umfeld an vielen Ecken Gefahren. Außerdem sollte das Kapital nicht in eine Position gesteckt sondern breit gefächert investiert werden. Zu dieser Diversifikation gehört es auch, dass Unternehmensanleihen immer nur einen bestimmten Anteil am Depot ausmachen.

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