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Anleihemarkt : Portugal plaziert Anleihen zu hohen Renditen

Bild: F.A.Z.

Portugal will nicht den Euro-Rettungsschirm beanspruchen. Am Rentenmarkt herrscht deswegen trotz hoher Renditen Erleichterung über die Anleiheemission. Am Geldmarkt gilt die Sorge kleinen Banken aus Spanien.

          Die Lage am europäischen Anleihemarkt bleibt mit Ausnahme des Marktes für deutsche Bundespapiere schwierig. So gelang es zwar Portugal am Mittwoch, neue Papiere unterzubringen. Doch mussten die Portugiesen deutlich höhere Renditen bieten als zuletzt. Eine Emission dreijähriger Anleihen über 701 Millionen Euro rentiert mit 3,6 Prozent, während neue zehnjährige Papiere eine Rendite von 5,23 Prozent versprechen. Vor zwei Monaten plazierte Lissabon dreijährige Papiere noch mit lediglich 1,7 Prozent. Der portugiesische Finanz-Staatssekretär Carlos Pina versicherte, sein Land beabsichtige nicht, den Euro-Rettungsschirm zu beanspruchen, sondern werde sich weiterhin ordnungsgemäß über die Kapitalmärkte finanzieren.

          Gerald Braunberger
          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da eine Reihe von Investoren Sorge vor einem Scheitern der Plazierung hegte, wurde das Ergebnis mit Erleichterung aufgenommen. Die Kurse vor allem spanischer und italienischer Staatsanleihen legten daraufhin zu. Spanien wird am Donnerstag neue Papiere begeben, Italien am Freitag. Händler bezeichneten den europäischen Rentenmarkt weiterhin als sehr nervös. Viele Großanleger seien angesichts der wirtschaftlichen und politischen Lage im Euro-Raum nicht bereit, als Käufer aufzutreten.

          Für Belgien stehen die Vorzeichen gut

          Trotz einer leichten Entspannung am Mittwoch bleiben die Preise für Kreditabsicherungsderivate (CDS) auf belgische Staatsanleihen hoch. Seit März sind die Kosten einer Absicherung von 0,6 auf derzeit rund 1,35 Prozent der versicherten Summe gestiegen. Zu Wochenanfang musste Belgien wegen seiner hohen Staatsverschuldung, die ziemlich genau dem jährlichen Volkseinkommen entspricht, sowie wegen der Ängste vor einem Wahlsieg der flämischen Separatisten an diesem Sonntag einen ungewöhnlich hohen Renditeaufschlag auf Bundesanleihen bieten, um neue Anleihen am Markt unterzubringen. Insgesamt sammelte Belgien 3,2 Milliarden Euro mit drei Anleihen über zwei, fünf und zehn Jahre Laufzeit ein. Der Renditeaufschlag zu Bundesanleihen beträgt für Belgien derzeit bei zehn Jahren Laufzeit einen vollen Prozentpunkt.

          Das hochverschuldete Belgien wird seine Haushaltsprobleme nach Einschätzung der Commerzbank trotz politischer Widrigkeiten in den Griff bekommen. „Belgien hat es in den neunziger Jahren schon einmal geschafft, über viele Jahre hinweg zu sparen und Schulden abzubauen“, heißt es in einer Studie. Auch dieses mal stünden die Vorzeichen gut: So seien die meisten Parteien dem Konsolidierungskurs zugeneigt. Die bevorstehende, vermutlich langwierige Regierungsbildung dürfte das wirtschaftspolitische Handeln aber erschweren. Ob bereits in diesem Jahr notwendige Strukturreformen ergriffen werden, sei fraglich.

          Dem Bund ist es hingegen weiterhin möglich, sich zu extrem niedrigen Kosten zu verschulden. So plazierte er am Mittwoch zweijährige Schatzanweisungen zu 0,47 Prozent. Die Aufstockung einer zehnjährigen inflationsindexierten Bundesanleihe gelang bei einer Rendite von nur 0,86 Prozent.

          Das Vertrauen ist noch nicht zurückgekehrt

          Für Aufsehen sorgte zur Wochenmitte auch ein Artikel in der spanischen Zeitung „Cinco Dias“, nach dem kleinere spanische Kreditinstitute Schwierigkeiten haben, sich von anderen Banken Geld auszuleihen, da sie als Pfand lediglich spanische Staatsanleihen anbieten könnten. Größeren spanischen Banken falle die Kreditaufnahme leichter, da sie Wertpapiere aus Ländern mit besserer Bonität wie deutsche Bundesanleihen als Pfand anböten.

          Eine Bestätigung für den Zeitungsbericht war aus Bankkreisen nicht zu erhalten; allerdings gilt er nicht als unplausibel. Am Geldmarkt unter Banken ist das vor der Finanzkrise bestehende Vertrauen der Häuser untereinander bis heute nicht zurückgekehrt. Viele Banken ziehen es vor, Guthaben risikolos bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu unterhalten, anstatt das Geld anderen Banken zur Verfügung zu stellen.

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