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Anleihemarkt : Politiksorgen: Hohe Renditeaufschläge bei Peru-Anleihen

  • Aktualisiert am

Bild: WGZ-Bank

Der Populist Humala hat den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen in Peru gewonnen. Sollte er auch die Stichwahl für sich entscheiden, dürften peruanische Staatsanleihen auch weiterhin nur mit einer Prämie zu verkaufen sein.

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          Aus der Präsidentenwahl in Peru ist am Sonntag kein Kandidat mit einer absoluten Mehrheit hervorgegangen. So wie sich die Lage derzeit gestaltet, wird es vermutlich zu einer Stichwahl zwischen dem Globalisierungskritiker Ollanta Humala und der Konservativen Lourdes Flores kommen. Denn dem derzeitigen Auszählungsstand nach zu urteilen erreichte Humala 29,5 Prozent der bisher ausgezählten Stimmen, Flores gut 25 Prozent und der Mitte-Links-Politiker Alan Garcia, der früher schon einmal Präsident war, kam auf knapp 25 Prozent.

          Wie schon in den vergangenen Wochen dürfte dieser Zwischenstand bis auf weiteres zu volatilen Kursausschlägen an den peruanischen Finanzmärkten führen. Zu erklären ist das mit der Sorge der Anleger vor einem Wahlsieg des als Populisten geltenden Humala, der dem venezolanischen Staatsoberhaupt Hugo Chavez nahesteht. Denn der autoritär-nationalistische Ex-Militär Humala hat sich für eine starke Rolle des Staates in der Wirtschaft ausgesprochen und fordert, daß alle ausländischen Unternehmen Lizenzgebühren für die Ausbeutung von Rohstoffen des südamerikanischen Landes zahlen.

          Zudem lehnt er einen Freihandelsvertrag mit Amerika ab, weil dieser Peru für subventionierte Produkte aus dem Norden öffnen würde. Das würde Humala zufolge noch mehr Peruaner unter die Armutsgrenze drücken. Schon jetzt lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung von umgerechnet einem Euro oder weniger am Tag. Weil bei den ebenfalls am Sonntag abgehaltenen Parlamentswahlen keine Partei die Mehrheit errungen hat, ist der neue Präsident für jedes Gesetz auf die Unterstützung von mehreren Gruppen angewiesen. Das sollte die Angst vor Humala zumindest etwas abmildern.

          Bild: WGZ-Bank

          Volkwirtschaftliche Rahmendaten würden geringe Renditeaufschläge zulassen

          Flores würde als Wahlsiegerin bei den Börsianern dennoch eindeutig besser ankommen. Sieht sie in dem Freihandelsvertrag doch eine Chance für mehr Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft. Außerdem hat sie sich für Investitionen in die Infrastruktur und die Landwirtschaft ausgesprochen, um so das Wachstum weiter zu beschleunigen. Damit kommt Flores in der Wirtschaft und bei den Börsianern natürlich besser weg als Humala. Zumal Humala gemäßigte Peruaner auch durch gewisse rechtsnationalistische Haltungen abschreckt. So liebäugelt er angeblich mit Ideen, wonach die indianischen Ureinwohner der weißen Oberschicht „rassisch überlegen“ seien. Humala werden zudem schwere Menschenrechtsverbrechen während seiner Militärzeit im Kampf gegen maoistische Rebellen in den 90er Jahren vorgeworfen und im Jahr 2000 hatte er mit einer gescheiterten Militärrebellion für Schlagzeilen gesorgt.

          Die sich an die Person von Humala anknüpfende Verunsicherung der Anleger läßt sich unter anderem an den volatilen Ausschlägen bei den peruanischen Staatsanleihen ablesen. So notierte die bis zum 14. Oktober 2014 laufende und mit einem Nominalzinssatz von 7,5 Prozent ausgestattete Staatsanleihe (ISIN: XS0203281182), die am Montag von 117,25 auf 115,75 Prozent nachgab, am 28. Februar noch bei 116,90 Prozent. Der anschließende Absturz ist nicht nur auf die allgemein schwachen Rentenmärkte, sondern zu einem Großteil auch auf die innenpolitischen Risiken zurückzuführen. Das zeigt sich bei einer aktuellen Rendite von 6,586 Prozent auch an dem Risikoaufschlag, der sich beispielsweise gegenüber gleich lang laufenden Bundesanleihen inzwischen auf rund 260 Basispunkte ausgeweitet hat.

          Volkswirtschaftlich betrachtet und gemessen am S&P-Rating von BB ist dieser Risikoaufschlag verglichen mit anderen Ländern eindeutig zu hoch (siehe Grafiken). Zumal das Land finanziell von der Rohstoffhause profitiert, handelt es sich bei Peru doch um den weltweit viertgrößten Kupfer-, den fünftgrößten Gold-, und den drittgrößten Zinkproduzenten. Als eine Folge davon ist die 68 Milliarden Dollar große Volkswirtschaft seit dem Amtsantritt von Präsident Alejandro Toledo im Jahr 2001 im Schnitt um fünf Prozent gewachsen. Für tiefere Rendite spricht zudem die Inflationsrate. Diese ist mit 2,5 Prozent die niedrigste in der ganzen Region. Kurz vor den Wahlen sah sich die Notenbank zum Schutz der Landeswährung aber trotzdem veranlaßt, den Leitzins von 4,75 auf ein Dreijahreshoch von 5,00 Prozent zu erhöhen.

          Warten auf das Ergebnis der Stichwahlen

          An die bisherige Prognose, wonach Flores in einer Stichwahl, die wegen langwieriger Stimmauszählungen eventuell anders als geplant nicht schon am 7. Mai, sondern erst Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden könnte, die besseren Siegchancen hat, scheint somit niemand richtig zu glauben. Das ist auch nachvollziehbar, schließlich sind die Stimmendifferenzen so gering, daß beim zweiten Urnengang alles möglich erscheint, zumal Humala zuletzt wieder Oberwasser gewonnen hat.

          Da somit alles möglich erscheint, rechnet Goldman Sachs-Analyst Paablo Morra bis zur Stichwahl mit Kursausschlägen, die sich am jeweiligen Zwischenstand der Wahlumfragen orientieren werden. Nach den Wahlen hänge die weitere Kursrichtung der Assetpreise dann vom Wahlsieger sowie den ersten Amtshandlungen ab. Sollte Humala gewinnen, rechnet Morra in Erwartung sich verschlechternder konjunktureller und fiskalpolitischer Rahmenbedingungen mit fallenden Kursen. Sollte dagegen Flores gewinnen, rechnet der Goldman Sachs-Analysten mit steigenden Notierungen, während die Märkte auf einen Wahlsieger Garcia relativ gelassen reagieren dürften.

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