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Anleihemarkt : Peruanische Staatsanleihen sind solide genug für eine Depotbeimischung

  • Aktualisiert am

Bild: WGZ Bank

Der volkswirtschaftliche Datenkranz Perus kann als grundsolide bezeichnet werden. Trotzdem weisen die Staatsanleihen einen deutlichen Renditeaufschlag zu Bundesanleihen auf. Das macht die Papiere für Zinssparer attraktiv.

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          Auch Peru hat die Kreditkrise nicht ungeschoren davon kommen lassen. Deutlich wird das an einer abrupt beendeten wirtschaftlichen Dynamik. So verringerte sich das Plus beim Bruttoinlandsprodukt im Vorjahr auf nur noch gut 0,5 Prozent, nachdem es im Jahr 2008 noch zu einem fulminanten Zuwachs von 9,8 Prozent gereicht hatte. Aber ein kleines Plus ist bekanntlich viel besser, was viele andere Schwellenländer, aber auch die meisten Industrienationen hinbekommen haben.

          Diese relative Stärke hat die peruanischen Staatsanleihen aber nicht davor bewahrt, zum Höhepunkt der Kreditkrise mit anderen Schuldnern aus den Schwellenländern in einen Sack gesteckt zu werden. Im Zuge der unter den Marktteilnehmern damals extrem hohen Risikoaversion kam es im September und Oktober 2008 auch hier zu einem massiven Kurseinbruch.

          Doch inzwischen hat sich die Nervosität der Anleger längst wieder gelegt und wie andere als risikoreich eingeschätzte Anlageklassen haben auch die Staatsanleihen aus Peru ein Comeback gefeiert. Doch nicht nur das: Auch die Perspektiven der lokalen Volkswirtschaft haben sich deutlich aufgehellt. Im November und Dezember präsentierte sich die Konjunktur jedenfalls schon wieder in einer deutlich robusteren Verfassung. Und die Volkswirte von Goldman Sachs trauen dem Bruttoinlandsprodukt in diesem und im nächsten Jahr immerhin Zuwächse von 5,5 Prozent und 5,0 Prozent zu. Auch das Finanzministerium erwartet im laufenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von über 5 Prozent. Und die Zentralbank hat unlängst ihre Wachstumsprognose mit 5 Prozent bis 5,5 Prozent angegeben.

          Bild: WGZ Bank

          Solider volkswirtschaftlicher Datenkranz

          Als Stütze erweist es sich dabei für das rohstoffreiche Land natürlich, dass bei dem zweitgrößten Handelspartner China die Konjunktur brummt. Stimulierende Impulse gingen aber auch von dem eingeleiteten Zinssenkungsprozess aus. So hat die Notenbank die Leitzinsen von Januar bis August 2009 um insgesamt 525 Basispunkte auf 1,25 Prozent. Den heimischen Staatsanleihen kam diese Entwicklung ebenso zu Gute wie die deutlich zurückgekommenen Inflationsraten. Die Preissteigerungsrate sank seit November 2008 von 6,75 Prozent auf 0,44 Prozent im Januar 2010, wodurch sich der Zinserhöhungsdruck auch derzeit noch in Grenzen hält. Nach Einschätzung der WGZ Bank dürfte die Teuerungsrate in diesem Jahr zwar wieder ansteigen, aber weiterhin in dem von der Zentralbank vorgegebenen mittelfristigen Zielbereich von 1 bis 3 Prozent bleiben. Erst im Laufe des zweiten Halbjahres wieder mit wieder anziehen wird.

          Als grundsolide kann auch der Staatshaushalt bezeichnet werden. Hier konnten in den vergangenen Jahren teilweise sogar Überschuss erzielt werden und auch 2009 fiel trotz eines geschnürten Konjunkturpakets das Minus nur relativ moderat aus. Bei Goldman Sachs werden die kompletten Schulden auf 27,6 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt beziffert und das kann im internationalen Vergleich fast als vorbildhaft bezeichnet werden. Da zudem auch die Leistungsbilanz keine Sorgen und sich die internationalen Währungsreserven auf über 31 Milliarden Dollar belaufen, kann der volkswirtschaftliche Datenkranz als sehr solide bezeichnet werden. Das sehen übrigens auch die Ratingagenturen so, denn nachdem auch Moody´s im Dezember die Note für die Fremdwährungsverbindlichkeiten von Ba1 auf Baa3 hoch gestuft hat, bewerten jetzt alle drei großen Ratingagenturen Peru im Investment Grade Bereich.

          Ausländische Direktinvestitionen trotzen der Krise

          Hervorhebenswert ist auch der Umstand, dass Peru als einziges der wichtigen Zielländer für ausländische Direktinvestitionen in Lateinamerika im vergangenen Jahr trotz der weltweiten Konjunktur- und Finanzkrise höhere Zuflüsse von Direktinvestitionen verzeichnen können als im Jahr 2008. Laut einer Studie der Unctad (United Nations Conference on Trade and Development) stiegen die Zuflüsse im vergangenen Jahr um 28 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar, wie Heinz Mewes von LatAmConsult betont.

          Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Zinsexperten der WGZ Bank zu einem positiven Urteil mit Blick auf die peruanischen Staatsanleihen kommen. Im hausinternen Musterportfolio nimmt beispielsweise die bis zum 14. Oktober 2014 laufende Staatsanleihe (Isin XS0203281182) immerhin einen Anteil von 6,5 Prozent ein. Diese mit einem Kupon von 7,5 Prozent ausgestattete Anleihe wirft derzeit eine Rendite von 4,2 Prozent ab, was gut 200 Basispunkte über der Rendite von vergleichbaren deutschen Bundesanleihen liegt. WGZ Bank-Analyst Tobias Gruber schätzt dieses Spreadniveau als attraktiv ein und rät weiterhin zum Kauf des Papiers.

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