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Anleihemarkt : Gute Wirtschaftspolitik macht Engagement bei Türkei-Anleihen vertretbar

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg, WGZ-Bank

Als Schuldner wird die Türkei teilweise noch immer etwas kritisch beäugt. Doch strukturell betrachtet bewegt sich das Land inzwischen mit vielen anderen Staaten mindestens auf Augenhöhe. Das lässt Türkei-Staatsanleihen interessant erscheinen.

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          Durch die Diskussion über die Schuldenberge in Südeuropa werden auch die Volkswirtschaften in Osteuropa wieder kritischer betrachtet. Das hat zuletzt zu wieder höheren Renditeaufschlägen von Staatsanleihen aus dieser Region im Vergleich mit deutschen Bundesanleihen geführt. So weist die bis zum 16. Februar 2017 laufende Staatsanleihe mit der Isin XS0212694920 eine Rendite von 4,86 Prozent auf. Das sind immerhin 281 Basispunkte mehr als das was vergleichbare Bundesanleihen abwerfen.

          Dank dieses Renditeaufschlags sind Investments in türkische Staatsanleihen zur Depotbeimischung durchaus eine Überlegung wert. Denn im internationalen Vergleich steht das Land relativ gut da. Punkten kann man unter anderem mit robusten Wachstumsaussichten. Im Zuge der Kreditkrise erlitt das Bruttoinlandsprodukt zwar auch einen herben Dämpfer, inzwischen sieht es aber wieder besser aus. So haben die Volkswirte von Morgan Stanley erst jüngst die Prognose für das diesjährige Wirtschaftswachstum von 4 auf 5 Prozent erhöht. Für europäische Verhältnisse wäre das ein Spitzenwert.

          Budgetpläne stimmen zuversichtlich

          Gestützt werden die Konjunkturperspektiven durch Leitzinsen, die mit einem aktuellen Stand von 6,5 Prozent expansiv wirken. Und nachdem die Inflationsrate im Mai wieder von 10,2 Prozent im April auf 9,1 Prozent gesunken ist, dürfte die Notenbank bis auf Weiteres an diesem Zinsniveau festhalten.

          Bild: IWF, Bloomberg, WGZ Bank

          Gewisse Sorgen bereiten ansonsten zwar die hohe Arbeitslosigkeit und das ebenfalls hohe Leistungsbilanzdefizit. Doch das hat die Analysten von Moody´s erst kürzlich nicht davon abgehalten, die Chance auf eine Hochstufung der Kreditwürdigkeit wahrscheinlicher als eine Herabstufung zu bezeichnen. Zuvor hatte Moody's bereits im Januar das Rating um eine Stufe auf Ba2 verbessert, wobei die Note nur noch um zwei Stufen unter dem Kreditwürdigkeitsniveau liegt.

          Eine wichtige Voraussetzung für eine weitere Verbesserung des Ratingprofils dürfte nach Einschätzung von WGZ Bank-Analyst Thorsten Hähn die parlamentarische Umsetzung der neuen fiskal- oder haushaltspolitischen Regel. sein, welche die disziplinierende Wirkung eines IWF-Abkommens übernehmen könnte. Das Finanzministerium hat eine solche Regel unlängst vorgestellt. Diese schreibt in Abhängigkeit der Erfolge eines Fiskaljahres den budgetpolitischen Handlungsbedarf des nächsten Jahres vor und geht in ihrer Basis von einem Haushaltsdefizit von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts und einem realen Wirtschaftswachstum von 5 Prozent (jeweils pro Jahr) aus. Ein höheres Defizit als einem Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt würde bei planmäßigem Wachstum von 5 Prozent eine striktere Fiskalpolitik im folgenden Jahr zur Folge haben, ein niedrigeres Minus dagegen eine expansivere Politik erlauben.

          WGZ Bank rät selektiv zu Türkei-Anleihen

          Ein stärker als geplantes Wachstum würde, wie Hähn weiter erläutert, bei planmäßigem Budgetsaldo eine striktere Fiskalpolitik zur Folge haben, ein niedrigeres Wachstum wiederum eine expansivere Politik erlauben. Nach Einschätzung von Hähn sind die Ziele sehr ambitioniert, letztlich aber nicht utopisch. Die Regel ist breit gefasst, das heißt sie umschließt den gesamten Staatssektor (nicht nur die Zentralregierung), so dass eine Verwischung durch zahlreiche .Nebenhaushalte. nicht (einfach) möglich ist. Allerdings werde nicht explizit auf einen Sanktionsmechanismus verwiesen. Es sei also nicht ganz klar, was geschehe, wenn Ankara die selbst geschaffene Regel bricht.

          Trotzdem hält Hähn türkische Staatsanleihen nicht zuletzt wegen der relativ hohen Wachstumsdynamik und den verglichen ähnlich benoteten Ländern weniger drängenden Fiskalproblemen für selektiv kaufenswert. Empfohlen wird von ihm unter anderem die bis 01. März 2016 laufende Anleihe mit der Isin XS0245387450. Allerdings beträgt die Mindeststückelung hier 50.000 Euro. Dieser Betrag dürfte für die meisten Privatanleger zu hoch sein. Geeigneter für eine Depotbeimischung ist dagegen die zuvor im Text bereits erwähnte Staatsanleihe mit der Isin XS0212694920, da hier die Mindeststückelung nur 2.000 Euro betragt.

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