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Anleihemarkt : General Motors-Gläubigern droht der Totalverlust

  • Aktualisiert am

Zentrale von General Motors in Detroit Bild: Reuters

Den Gläubigern von General Motors droht ein so genannter Haircut. Dahinter steckt nichts Gutes, sondern ein deutlich herabgesetzter Tilgungspreis. Die Analysten von Raiffeisen Research raten deshalb weiter zum Verkauf der Anleihen.

          Die Schlinge um den amerikanischen Autobauer General Motors (GM) und damit auch um die involvierten Anleger zieht sich immer weiter zu. Die amerikanische Regierung hat bekanntlich unlängst den vom Unternehmen vorgelegten Sanierungsplan als nicht gangbar zurückgewiesen. Zur Begründung heißt es, der Konzern gehe von viel zu optimistischen Annahmen bei Marktanteilen und Preisen aus. Um weitere Staatsgelder zu bekommen, müsse die Gesellschaft ebenso wie Wettbewerber Chrysler noch deutlich mehr tun.

          Weil es aber noch immer Chancen für eine Sanierung des Konzerns gebe, wurde eine weitere Frist von 60 Tagen gewährt, um aggressivere Restrukturierungspläne vorzulegen sowie eine glaubwürdigere Strategie. Zur Erinnerung: General Motors und Chrysler konnten in den vergangenen Monaten nur mit staatlichen Überbrückungskrediten von 17,4 Milliarden Dollar überleben. GM fordert weitere Staatshilfen im Volumen von 16,6 Milliarden Dollar, Chrysler weitere fünf Milliarden Dollar.

          Medienberichten zufolge tendiert die Regierung dazu, Mit Hilfe eines kontrollierten Gläubigerschutzes eine Aufspaltung des Konzerns zu erreichen. Der neue General Motors-Chef Fritz Henderson schloss unterdessen auch eine Insolvenz noch vor Ablauf der 60-tägigen Frist nicht mehr aus.

          Den Anleihengläubigern droht ein Haircut

          Vor diesem Hintergrund stellen sich die Anleger natürlich die Frage, was dies voraussichtlich für ihre Investments bedeuten dürfte. Die Anleihengläubiger von General Motors müssen sich nach Einschätzung der Analysten von Raiffeisen Research auf einen so genannten Haircut einstellen. Ein Haircut bedeutet, dass GM-Anleihen auf einen geringeren Wert als dem ursprünglichen Tilgungspreis herabgesetzt und in neue Papiere getauscht werden.

          Konkret werde geplant, dass bestehende GM-Anleihen sowohl in Eigentümerpapiere (Aktien) als auch neue Anleihen und Cash getauscht werden. Dadurch soll eine Reduzierung des Schuldenstandes um etwa zwei Drittel erreicht werden und die Lebensfähigkeit des Automobilherstellers gesichert werden. Für Anleihen im Wert von einem Dollar sollen 0,08 Dollar in bar sowie 0,16 Dollar in neue unbesicherte Schuldtitel und neue Aktien getauscht werden. Derzeit hat GM 27,5 Milliarden Dollar an ausstehenden Anleihen und hat seit Dezember 2008 13,4 Milliarden Dollar an Staatshilfen erhalten.

          Sollte es zu einer Insolvenz nach Chapter 11 kommen und das Unternehmen unter gerichtlicher Aufsicht restrukturiert werden, würde dies bedeuten, dass alle Ansprüche der GM-Anleihengläubiger eingefroren werden, so lange sich GM in einem solchen Verfahren befindet. Ein neuer und tiefgreifenderer GM-Geschäftsplan sowie ein Haircut der GM-Anleihen kann dies unter Umständen verhindern. Zwar würden die Anleihengläubiger deutliche Verluste hinnehmen müssen, doch würden diese - sofern man einem Chapter 11 Verfahren entgehen kann - nicht eingefroren bzw. in anderer Form (Aktion oder neue Anleihen) weiter bedient werden.

          Raiffeisen Research rät zum Verkauf

          Präsident Barack Obama brachte deutlich zum Ausdruck, dass GM weiter existieren werde. In welcher Form blieb jedoch offen. Eine vollständige Liquidierung (Chapter 7) scheint jedoch nun endgültig vom Tisch zu sein. Um langfristig lebensfähig zu Sein, muss GM laut Obama wieder Investitionen tätigen können. Dies ist aufgrund des hohen Schuldenstandes (gesamt 62 Milliarden Dollar) und der damit verbundenen Unfähigkeit andere Geldmittel (als jene der amerikanischen Regierung) zu erhalten, unmöglich.

          GM-Anleihen notieren weiterhin auf absoluten Ausfalls-Niveaus. So notiert die mit einem Kupon von 7,25 Prozent und bis zum 3. Juli 2013 laufende Anleihe derzeit bei 17 Euro. Das entspricht einer Rendite von 77,2 Prozent. Die Analysten von Raiffeisen Research lassen sich davon aber nicht locken, sondern behalten auch auf diesem Niveau die seit langem bestehende Verkaufsempfehlung sowohl für GM-Anleihen als auch für die Aktien aufrecht. Denn es müsse weiterhin mit einem Totalausfall gerechnet werden, heißt es zur Begründung. Selbst wenn ein Haircut tatsächlich von statten ginge, hänge die Zukunft von GM vom neuen Geschäftsmodell der (neuen) GM-Führung und dem politischen Willen ab, weitere Milliarden an Steuergeldern bei GM riskieren zu wollen.

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