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Anleihemarkt : Anleihen aus Schwellenländer verlieren wieder an Reiz

  • Aktualisiert am

Mit Anleihen aus Schwellenländern ließen sich in diesem Jahr schöne Renditen erwirtschaften. Doch jetzt fangen erste Fondsmanager an zu verkaufen. Der Risikoaufschlag ist ihnen inzwischen zu gering.

          3 Min.

          Für die Anleihen der Schwellenländer war 2003 bisher das beste Jahr seit 1999. Der EMBI Global Emerging Market Bond Index von J.P. Morgan Chase & Co. hat dieses Jahr 20 Prozent zugelegt, angeführt von einem Plus von 52 Prozent bei brasilianischen Anleihen.

          Einige Investoren sehen nun aber das Ende der Rally bei Emerging Market Bonds. Sie haben bei einem Teil ihrer Investments Kasse gemacht und ziehen sich aus dem Markt zurück. Andere setzen auf Derivate, die an Wert gewinnen, wenn bei den Papieren der Schwellenländer die Kurse fallen.

          Auch Brasilien- und Türkei-Anleihen scheinen ausgereizt

          Am begehrtesten waren bisher brasilianische Anleihen. Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat Ausgabenkürzungen durchgesetzt und will die Pensionsleistungen kürzen. Damit schwand bei den Anlegern die Furcht, dass das Land Anleihen im Volumen von 400 Milliarden Dollar nicht bedienen wird.

          „Jeder hat brasilianische Bonds gekauft, selbst die Großmutter," beschreibt Raphael Kassin , der bei ABN Amro Asset Management den Global Emerging Market Bond Fund verwaltet. „Wir waren bei der Aufwärtsbewegung dabei - das reicht." Er hält mittlerweile ein Fünftel seines Fondvolumens von 900 Millionen Dolalr in bar. Auch Pierre Naim, der den 88 Millionen Dollar schweren Emerging-Market-Fonds von Rainbow Advisory Services betreut, hat ein Viertel seiner Positionen verkauft.

          Türkische Anleihen waren ebenfalls gefragt. Sie haben 22 Prozent zugelegt. Positiv wirkten hier die Bestrebungen der türkischen Regierung, der Europäischen Union beizutreten und die Auflagen des Wirtschaftsprogramms des Internationalen Währungsfonds zu erfüllen. „Bei einigen Ländern haben die Kurse ein lachhaftes Niveau erreicht," konstatiert Ruggero de Rossi, Fondsmanager bei OppenheimerFunds Inc. Die türkischen Papiere „sind weit von der Realität entfernt, insbesondere angesichts ihrer Anfälligkeit auf externe Schocks."

          De Rossi ist überzeugt, dass die Kurse nach unten gehen und will seinen Gewinn sichern. Er hat drei Viertel seines Fondskapitals von zwei Milliarden Dollar in Derivate wie Kreditausfallswaps gesteckt. Das Viertel, das noch in Anleihen der Schwellenländer steck, ist auf Venezuela und Ecuador, zwei Ölförderländer, konzentriert. Er rechnet nicht mit einem Rückgang des Ölpreises, da die Weltwirtschaft sich erholt.

          Renditeaufschlag zu stark zusammengelaufen

          „Wir haben eine sagenhafte Rally" erlebt, seit letztem Jahr, erläutert Christian Schiweck. Der Fondsmanager hat bei dem Emerging Market Fonds, den er für Deka Investment GmbH in Frankfurt verwaltet, die Barposition von drei auf fünf Prozent erhöht. „Man muß vorsichtiger sein." Der durchschnittliche Renditeaufschlag der Anleihen aus dem EMBI-Global-Index gegenüber US-Staatsanleihen ist von 7,25 Prozentpunkten zu Beginn des Jahres bis auf 4,26 Prozentpunkte am 16. Oktober gesunken. Nachdem in den letzten zwei Wochen die Anleihekurse der Schwellenländer gesunken sind, hat sich die Risikoprämie auf 4,67 Prozentpunkte ausgeweitet.

          Russische Anleihen gerieten kräftig unter Druck, nachdem am Samstag Mikhael Khodowkovsky, der Vorstandsvorsitzende des größten russischen Ölkonzerns AO Yukos Oil Co. verhaftet wurde. Die Verluste zehrten die Kursgewinne auf, die die Bonds verzeichnet hatten, nachdem Moody's Investors Service die Bonität des Landes am 9. Oktober auf die Investment-Grade-Stufe anhob. Nach den Indizes von J.P. Morgan haben russische Festverzinsliche dieses Jahr 20 Prozent zugelegt.

          „Wenn wir ein Super-Jahr hatten und es zu 80 Prozent rum ist, wäre es dann nicht eine gute Idee, einen Teil der Gewinne mitzunehmen?" fragt Mark Siegel, Fondsmanager bei David L.Babson & Co. in Washington. Allerdings „sind die allgemeine Liquiditätslage und die Kreditbedingungen an den Emerging Markets immer noch positiv," berichtet er.

          Nicht alle Fondsmanager glauben an die Wende

          Die meisten Fondsmanager scheuen sich jedoch zu verkaufen, ergab eine Umfrage von J.P. Morgan unter Fondsmanagern, die insgesamt 295 Milliarden Dollar an Emerging Market Bonds verwalten. Die Cash-Position liegt im Schnitt bei 3,9 Prozent, wenig verändert gegenüber dem Vormonat und in der Nähe des historischen Durchschnitts.

          „Trotz ihrer bemerkenswerten Rally in diesem Jahr, bieten sowohl brasilianische und russische Papiere Steigerungspotenzial," prognostiziert Mohamed El-Erian, der zehn Milliarden Dollar in Anleihen aus Schwellenländern bei Pacific Investment Management Co. (Pimco) verwaltet. Diese Länder sind immer noch „auf dem Wege der Besserung.“

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