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Anleihemarkt : Anleger sehen Bundesanleihen in einem neuen Licht

  • Aktualisiert am

Bild: Commerzbank Research

Unter den Marktteilnehmern hat mit Blick auf deutsche Staatsanleihen in den vergangenen Monaten ein Umdenkprozess stattgefunden. Die Risiken werden inzwischen nicht mehr komplett ausgeblendet und das hat einen deutlichen Renditeanstieg bewirkt.

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          Von dem am Mittwoch mit 3,15 Prozent markierten höchsten Stand seit Mitte April hat sich die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen bei aktuell 3,02 Prozent zwar wieder etwas verabschiedet. Verglichen mit dem Ende August markierten Rekordtief von 2,05 Prozent stellt aber auch dieses Niveau einen starken Anstieg dar.

          Zu dieser Entwicklung haben gleich mehrere Faktoren beigetragen. Berücksichtigt werden muss natürlich zunächst einmal die Tatsache, dass wir uns im Renditetief in einem Ausnahmebereich bewegten. Wenn man bedenkt, dass Anfang der 1980er Jahre die Rendite noch 7,8 Prozent betrug, dann musste es irgendwann von dort aus wieder nach oben gehen.

          Warum der Prozess nun in den vergangenen Wochen begonnen hat, lässt sich primär mit zwei Einflüssen erklären. Zum einen spielte eine etwas veränderte Haltung in Sachen Euro-Schuldenkrise eine Rolle. In diesem Zusammenhang waren Bundesanleihen lange Zeit als absoluter Hort der Sicherheit eingeschätzt worden. Die Renditedifferenz zu Anleihen aus den schuldengeplagten EU-Pheripherieländern stieg dadurch auf bisher nicht gekannte Höhen.

          Inflationsanstieg trägt zum Umdenkprozess bei

          Nach erfolgreich abgewickelten Anleiheemissionen durch Portugal, Spanien und Italien hat die Angst zuletzt aber etwas nachgelassen und das hat etwas sinkende Risikoaufschläge bewirkt. Aber nicht nur das. Die Anleger haben auch damit begonnen, etwas weiter zu denken und sich überlegt, dass letztlich Deutschland finanziell in die Presche springen müsste, wenn es tatsächlich zu einem Bankrott in der Euro-Zone kommen sollte. Deutschland würde dann letztlich ebenfalls ganz tief mit in den Strudel gerissen werden.

          Zum anderen ist mittlerweile auch wieder so etwas wie Inflationsangst aufgekeimt. Verantwortlich dafür ist eine Teuerungsrate, die in Deutschland im Dezember mit 1,9 Prozent so stark gestiegen ist wie seit über als zwei Jahren nicht mehr. Im Euroraum hat die Inflationsrate im Vormonat sogar auf 2,2 Prozent angezogen.

          Das hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in einer Rede dazu veranlasst, der Inflationsbekämpfung erstmals seit längerer Zeit wieder ein höheres Gewicht beizumessen. Wenn es nötig sei, die Inflation im Zaum zu halten, seien auch Leitzinserhöhung nicht ausgeschlossen, ließ er durchblicken.

          Renditetief könnte hinter uns liegen

          Von einem effektiven Zinsschritt nach oben sind wir zwar vermutlich noch etwas entfernt und die EZB hat ihren Leitzins bei ihrer Sitzung in dieser Woche auch unverändert bei rekordtiefen 1,00 Prozent belassen. Wenn der Ölpreis aber weiter in Richtung 120 Dollar je Barrel steigen sollte, dann könnte nach Einschätzung der Commerzbank die Inflationsrate auch schnell auf 3 Prozent getrieben werden.

          Zusammengefasst sind die gestiegenen Renditen der deutschen Bundesanleihen somit nur ein Spiegelbild eines veränderten Umfelds. Zumal zu diesem Umfeld ebenfalls deutlich gestiegene Renditen für amerikanische Staatsanleihen zählen. Und speziell bei der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist es nun einmal so, dass sich diese oft eng an der Entwicklung in Amerika orientiert.

          Das inzwischen erreichte Renditeniveau könnte wieder vermehrt risikoscheue Investoren anlocken und das könnte zu einer Stabilisierung der Anleihekurse beitragen. Wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, sollte der Markt langfristig gesehen das Renditetief aber bereits hinter sich haben. Denn bei 2,05 Prozent wurde die auch den Bundesanleihen innewohnenden Risiken einfach in keinster Weise Rechnung getragen.

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