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Anleihemärkte : Schwellenländer etablieren sich

Bild: AFP

Investoren sehen bei Anleihen aus Schwellenländern zusehends Renditechancen dank hoher Kupons. Die Aktienmärkte dagegen werden kurzfristig als riskant eingestuft.

          2 Min.

          In den Depots von Aktienkäufern haben die Schwellenländer einen festen Platz gefunden. Nun gewinnen die aufstrebenden Finanzmärkte auch zunehmend Bedeutung im Anleihegeschäft. Zinstitel aus China, der Türkei, Indien oder Brasilien sind zunehmend auch in Landeswährung gefragt, seitdem sie Investoren in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hohe Renditen brachten. Kaum eine größere Fondsgesellschaft kann es sich heute noch leisten, diesen Trend zu übersehen.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die Investoren, die für Anleihen aus Schwellenländern werben, argumentieren damit, dass die Bonität von Titeln etablierter Emittenten auch nicht mehr über jeden Zweifel erhaben sei. „Währungsabstürze, ein kurzlebiges und schuldenfinanziertes Wachstum, eine schwache Inlandsnachfrage, ausufernde Haushaltsdefizite und politische Unsicherheit waren früher vor allem Merkmale der Schwellenländer“, schreibt Brett Diment, Leiter Schwellenländeranleihen der britischen Fondsgesellschaft Aberdeen in einem Marktkommentar. „Heute sind das auch vertraute Attribute der sogenannten entwickelten Länder.“

          Weniger Schulden als Industrieländer

          Die Staatsverschuldung der zur Gruppe der G 20 zählenden Schwellenländer ist gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung momentan nur etwa halb so groß wie diejenige der G-20-Industrieländer. Nach einer Prognose des Internationalen Währungsfonds wird sich dieser Abstand noch ausweiten. Die Finanzmärkte berücksichtigen dies schon: So kostet beispielsweise die Absicherung von brasilianischen fünfjährigen Staatsanleihen mit einem Nennwert von 10 Millionen Dollar momentan rund 115.000 Dollar pro Jahr, während die Absicherung der entsprechenden spanischen Schuldtitel jährlich 143.000 Dollar und der von griechischen Staatsanleihen sogar 431.000 Dollar kostet.

          Bild: F.A.Z.

          Die Deutsche Bank Research hebt positiv hervor, dass Schwellenländer nicht so hoch verschuldet sind wie Industrieländer. Der Trend zu Anleihen aus Schwellenländern stellt jedoch kein generelles Misstrauensvotum gegen Industrieländer dar, sondern ist auch dem Umstand geschuldet, dass Staatsanleihen zuverlässiger Schuldner nur geringe Renditen abwerfen. Aktuell rentieren zehnjährige Bundesanleihen mit 3,1 Prozent, während Staatsanleihen von Schwellenländern häufig 7 bis 9 Prozent bieten.

          Große Renditespannweite

          Positiv wirkt sich aus, dass im Laufe der vergangenen Jahre erwähnenswerte Anleihemärkte in den Schwellenländern entstanden sind. Auf 78 Milliarden Dollar beziffert das auf Anleihen spezialisierte Analysehaus Dealogic das Anleihevolumen in den vier „Bric“ genannten Ländern Brasilien, Russland, Indien und China. In diesem Jahr habe es dort schon 280 Anleiheemissionen gegeben. Dies sind 29 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2009 und das höchste bis dahin erreichte Volumen überhaupt. 81 Prozent dieser Emissionen gelten als solide. Die Ratingagenturen haben ihnen eine Bonitätsnote von „BBB-“ oder besser erteilt.

          Dennoch sollten Anleger die Risiken von Anleihen aus Schwellenländern nicht unterschätzen. Fonds etwa, die in diese Papiere investieren, weisen große Renditeunterschiede auf. So warf der Fonds J. P. Morgan Emerging Markets Debt in den vergangenen zwölf Monaten laut Morningstar eine Rendite von knapp 30 Prozent ab und erzielte diese vor allem mit Staatsanleihen aus Russland, Brasilien, Mexiko und der Türkei. Auf Sicht von drei Jahren kommt er hingegen auf eine negative Rendite von 0,7 Prozent jährlich, während beispielsweise der Fonds KBC Bonds Emerging Markets in dieser Zeit ein Plus von 7,2 Prozent pro Jahr schaffte.

          Während Investoren auf den Rentenmärkten der Schwellenländer Chancen sehen, heben sie mit Blick auf deren Aktienmärkte momentan einige Risiken hervor. „Viele Schwellenländerindizes sind im vergangenen Jahr schon sehr stark gestiegen“, sagt Robert Kalin, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft DWS. Kurzfristig könnten außerdem mögliche Leitzinserhöhungen die Aktienkurse dort bremsen. Wer sein Geld länger als zwölf Monate anlegen will, für den seien vor allem die großen Schwellenmärkte Brasilien und China attraktiver als die Aktienmärkte der entwickelten Volkswirtschaften.

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