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Anleihekäufe : Federal Reserve vor knapper Entscheidung

Wie wird Amerikas Notenbank über ihre Käufe der Anleihen entscheiden? Bild: AFP

Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve entscheidet in den kommenden Tagen, ob die Anleihekäufe der Notenbank verringert werden sollen. Die Wirtschaftslage ist besser als beim Beginn der Anleihekäufe im Herbst 2012.

          „Es ist eine knappe Entscheidung.“ Mit diesen Worten hat der frühere stellvertretende Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve, Donald Kohn, die Frage charakterisiert, über die der Offenmarktausschuss an diesem Dienstag und Mittwoch brüten wird. Soll die Federal Reserve schon jetzt die Anleihekäufe von derzeit 85 Milliarden Dollar im Monat verringern oder nicht?

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Fed hat in den vergangenen Monaten besonders hervorgehoben, dass die Entscheidung nicht zeitlich vorbestimmt sei und rein von der wirtschaftlichen Entwicklung abhänge. Mit der Betonung der Ungebundenheit der Zeit will die Zentralbank neuen Turbulenzen an den Finanzmärkten entgehen. Anleger und Investoren hatten im September überrascht reagiert, als die Fed entgegen angeblicher Verheißungen des Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke doch noch nicht das Ende der Anleihekäufe eingeläutet hatte.

          Positive Wirtschaftsdaten

          Der Offenmarktausschuss will darüber hinaus sichergehen, dass die Erholung robust genug ist, um einen Entzug der monetären Stimulanz zu verkraften. Maßgeblich für das Meinungsbild unter den Mitgliedern des Offenmarktausschusses sind demnach die neuen Prognosen für Wachstum und Inflation, die am Mittwoch veröffentlicht werden. Schon jetzt aber zeigen die aktuellen Wirtschaftsdaten, dass die Lage sich deutlich besser darstellt als im Herbst 2012, als die Fed mit dem ausgeweiteten Ankauf von Hypothekenanleihen die dritte Runde der quantitativen Lockerung begann.

          Die amerikanische Wirtschaft steht im Vergleich zum Vorjahr besser da: weniger Arbeitslose und  geringere Inflation

          Die Arbeitslosenquote fiel zuletzt auf 7 Prozent und liegt damit niedriger als die 8 Prozent im dritten Quartal 2012. Der Beschäftigungsaufbau erreichte in den vergangenen sechs Monaten im Schnitt ein Plus von 180000 neuen Stellen im Monat, gegenüber 130000 Stellen in den sechs Monaten bis September 2012. Die Wirtschaft wuchs im dritten Quartal mit – auf ein Jahr hochgerechnet – 3,6 Prozent kräftiger als vor einem Jahr. Diese Zahlen werden zum Teil als zu positiv angesehen. Der Fall der Arbeitslosenquote begründet sich zum Großteil darin, dass sich Amerikaner vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Das gemessene Wirtschaftswachstum basierte zuletzt stark auf einem Lageraufbau.

          Plus durch wetterbedingten Anstieg der Energieproduktion

          Am Montag bestätigte ein Anstieg der Industrieproduktion um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat ein „zunehmendes Momentum“ in der Wirtschaft, wie es in einem Kurzkommentar der Helaba heißt. Das Plus ist durch einen wetterbedingten Anstieg der Energieproduktion nach oben verzerrt, doch auch die Erzeugung im verarbeitenden Gewerbe stieg robust den vierten Monat nacheinander und zwar um 0,6 Prozent zu Vormonat. Der Einzelhandelsumsatz stieg zuletzt um 0,7 Prozent, was Analysten als positiv herausstellten. In vielen Berichten heißt es auch, dass der Budgetkompromiss im Kongress die Chancen auf einen Beginn des Ausstiegs aus der quantitativen Lockerung erhöhe. Der Kompromiss verheißt für zwei Fiskaljahre leichte Ausgabensteigerungen, was die Sorge der Fed vor einer fiskalisch abgewürgten Konjunktur mindern sollte.

          Wichtigstes Gegenargument gegen eine Rücknahme der Anleihekäufe schon zu diesem Zeitpunkt bleibt nach Ansicht von Analysten der geringe Inflationsdruck. In der von der Fed bevorzugten Variante des Preisindexes der persönlichen Konsumausgaben (PCE) lag die Inflation im Oktober bei 0,7 Prozent – gegenüber einer Teuerung von 1,6 Prozent im dritten Quartal 2012. Damit liegt die Inflationsentwicklung weitab von den rund 2 Prozent, die die Fed auf mittlere Frist anpeilt. Zum Teil ist das Folge der Schwankungen von Energie- und Nahrungsmittelpreisen, ohne diese gerechnet erreichte die Kernrate des PCE zuletzt 1,1 Prozent. Doch verbirgt sich hinter dem geringen Preisdruck auch die weiter moderate Lohnentwicklung. Die Lohnstückkosten stiegen nach Angaben vom Montag im zweiten und dritten Quartal um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

          In Umfragen sind die Analysten und Volkswirte, die eine Minderung der Anleihekäufe schon in dieser Woche erwarten, weit in der Minderheit. Die meisten der Analysten setzen auf die übernächste Sitzung im März, weil die Fed dann im Gegensatz zur Januarsitzung wieder eine Pressekonferenz abhalten wird – unter der neuen Vorsitzenden Janet Yellen.

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