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Anleihekäufe : EZB-Hilfen beruhigen den Geldmarkt

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Furcht vor einer Ausbreitung der Staatsschuldenkrise hat das Misstrauen unter den Banken in der vergangenen Woche verstärkt. Durch das Eingreifen der Europäischen Zentralbank ist die Lage aber vorerst wieder stabil.

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          Unter dem Eindruck der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) und ihrer Liquiditätshilfen für die Banken hat sich die Lage auf dem Geldmarkt am Montag und Dienstag spürbar entspannt. Händler berichteten, dass zwar einige Banken immer noch nur mit Schwierigkeiten oder gar nicht Geld von anderen Banken erhielten. Das Ausmaß der Anspannung habe sich aber wieder beruhigt.

          Die EZB hat zu Wochenbeginn mit dem Kauf von Staatsanleihen finanziell bedrohter Euro-Staaten begonnen, was das Risiko von Wertverlusten für die Banken reduziert hat. Zudem hat sie längerfristige Finanzierungsgeschäfte wieder eingeführt, bei denen sich die Banken zum Leitzins so viel Geld leihen können, wie sie wünschen. Auch die Kooperation mit der amerikanischen Notenbank Fed wurde wiederbelebt, um die Versorgung mit Dollar zu sichern. Auf dem Geldmarkt helfen sich die Banken untereinander mit Liquidität aus. Institute, die mehr Zentralbankgeld haben, als sie benötigen, leihen es denjenigen, die zu wenig haben, um ihre aktuellen Verpflichtungen zu erfüllen.

          Normalerweise läuft dieser Markt reibungslos und ohne Anteilnahme der Öffentlichkeit. Doch seit Beginn der Finanzkrise vor drei Jahren geht in Phasen der Verunsicherung vom Geldmarkt die Gefahr aus, dass die Banken sich untereinander zu sehr misstrauen und der Liquiditätsausgleich zum Erliegen kommt. Das war vor allem nach der Insolvenz der amerikanischen Bank Lehman im Herbst des Jahres 2008 so.

          Die EZB begründete ihr Eingreifen am Montag mit dem Versagen der Märkte, ohne das näher zu erläutern. Händler berichteten über ernste Anspannungen, die allerdings weit von den Zuständen der Lehman-Krise entfernt zu sein scheinen. Seit dem Beginn der Finanzkrise würden etwa 90 Prozent des Liquiditätsausgleichs über kurze Laufzeiten abgewickelt - bis zum nächsten oder übernächsten Morgen. Die restlichen 10 Prozent würden auf Termin ausgehandelt, und in diesem Teil des Marktes sei der Umsatz in der vergangenen Woche deutlich gesunken.

          Devisen-Swap-Geschäfte nur noch eingeschränkt möglich

          Zudem seien die Sätze für dreimonatige Geschäfte, die in einem Monat beginnen sollen, um etwa 20 Basispunkte gestiegen, hieß es von Seiten der EZB weiter. Das Geschäft mit Übernachtkrediten sei dagegen für die meisten Banken reibungslos verlaufen, wenngleich am Freitag nicht mehr nur die griechischen Banken auf Misstrauen gestoßen seien. Die Gespräche mit den Händlern auf dem Geldmarkt vermitteln den Eindruck großer Vorsicht. Sie versuchen, zu genaue Beschreibungen der Marktlage zu vermeiden, damit der Hinweis auf Schwierigkeiten einzelner Banken nicht öffentlich wird.

          Am Freitag sei auch die Beschaffung von Dollar für die Banken des Euro-Systems schwierig geworden, die nicht selbst in Amerika als Bank vertreten sind, in der amerikanischen Währung aber Zahlungsverpflichtungen haben. Üblicherweise würden solche Verpflichtungen über Devisen-Swap-Geschäfte finanziert, berichtet ein Stuttgarter Händler. Diese seien am Freitag nur noch eingeschränkt möglich gewesen. Diese Schwierigkeit sei nun jedoch durch die Tausch-Vereinbarung der EZB mit der Fed behoben. Am Montag seien auf diesem Weg 9 Milliarden Dollar an Banken des Euro-Systems geflossen, was keine ungewöhnlich große Summe sei.

          War die Lage auf dem Geldmarkt also halb so schlimm? So entschieden wollen die Händler nicht urteilen: „Wenn das Kind erst in den Brunnen gefallen ist, dann kann es zu spät sein“, sagt ein Stuttgarter Händler.

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